Die Kunst des Wurfes

Es gehört ein wenig mehr dazu, ein Baller zu sein, als bloß körperliche Fitness und eine große Klappe.

Ich habe im Augenblick das zweifelhafte Vergnügen, zusammen mit der U21 zu trainieren. Vergnügen einerseits, weil so richtig viele Leute beim Training sind, die Bock auf Baseball haben. Zweifelhaft andererseits, weil ich beim ein oder anderen nicht sicher bin, ob er nicht beim Hallenhalma besser aufgehoben wäre.

Ich mache mir nichts vor, fitnessmäßig stecken mich die Jungs locker in die Tasche. Mittlerweile kann ich ja nicht einmal mehr die Runningdrills mitmachen, weil meine Sehnen und Knöchel dann einfach mal komplett aufgeben würden. Abgesehen davon ist es nicht besonders gut fürs sensible Pitcher-Ego, wenn man nach nem lockeren Shuffle zum Aufwärmen schon ein Bedürfnis nach einem Sauerstoffzelt verspürt. Hierbei ließe sich durchaus argumentieren, dass wenn ich früher ein paar Shuffles mehr gemacht hätte und weniger den lukulischen Genüssen nachgehen würde…Aber ich schweife ab.

Also, die Jungs sind fitter als ich. Haken dran.

Der ein oder andere kann auch ne ganze Ecke fester schmeißen als ich. Das ist jetzt aber auch nicht so die übermäßige Herausforderung.

JETZT kommen wir aber zum interessanten Teil. Ob ich nun 75 oder 95 mph werfe, das hilft mir nicht, wenn der Ball nicht da ankommt, wo er ankommen soll! Und jetzt mal ernsthaft Freunde, auf 10 Meter sollte man es schaffen, seinem Gegenüber in den Handschuh zu werfen und nicht mit schöner Regelmäßigkeit in die Wand. Ich würde das zielgenau Werfen mal als Schlüsselqualifikation für einen Baseballer im Allgemeinen und einen Pitcher im Besonderen definieren wollen. Aber es wird ja noch besser. LONGTOSS.

Da ist man jetzt in der Halle ein wenig limitiert. Aber dass viele die Übung falsch verstehen, bleibt sich dabei unbenommen. Was macht als der Durchschnittsjunior? Nimmt die Kugel und packt alles rein in den Wurf. Nach Möglichkeit möchte der Aspirant einen Strich in 2 Meter Höhe über die ganze Distanz feuern. Wenn das klappt, kann man davon beeindruckt sein. Ziel der Übung ist das nicht. Wir möchten beim Longtoss unserem Gegenüber locker in den Handschuh werfen. Der Ball kann dabei ruhig eine leichte Kurve beschreiben. Es geht darum, locker Länge in den Wurf zu bekommen.. Die Geschwindigkeit kommt dabei von ganz allein. Aber nach mehreren Wochen Trainingsabstinenz gleich am ersten Tag alles rausholen wollen, führt meist zu Schmerzen.

Nachdem wir nun geklärt haben, dass wir nicht alles was geht in diesen Wurf packen, widmen wir uns wieder…der Zielgenauigkeit. Nichts ist unangenehmer, als wenn man als unbeteiligter Wartender einen fehlegeleiteten Ball in die Fresse bekommt. Nur weil der Werfende nicht in der Lage ist, einen geraden Ball über 30-35 Meter zu schmeißen. Ich möchte hier noch mal auf die Schlüsselqualifikationen und Hallenhalma verweisen. Nur zur Erinnerung, ca. 30 Meter ist der Baseabstand. Als Infielder sollte ich eine solche Strecke mühelos mit einem lockeren Toss überwinden können…in den Handschuh des Gegenübers. Und als Outfielder sowieso.

Und besonders in einer Halle ergibt sich doch ein gewisses Gefahrenpotential, wenn andauernd Querschläger unterwegs sind. Wenn aus eurer Kanone nur Slurves rauskommen, dann sollte ihr vielleicht noch mal ganz am Anfang beginnen. Wie führe ich meinen Arm? Was mache ich beim Release, etc.

Also Jungs, wenn ihr die Longtoss-Übung nicht drauf habt, dann müsst ihr euch schrittweise der Länge annähern. Und wenn ihr auf 10 Meter nicht gerade werft, dann braucht ihr es mit 10+ gar nicht erst zu versuchen. Diese Schlussfolgerung ist keine Raketenwissenschaft!

Auch wenn sich bei mir in letzter Zeit ein gewisse Tendenz zum Grumpy zeigt, Freunde bitte, arbeitet an euch. Wenn ihr nur rumdaddeln wollt, ist das OK. Aber dann geht sonntags einfach in den Park oder nehmt die Playstation. Wenn ihr auf dem Feld rocken wollt, dann lernt die Basics. Da wo ihr hinwollt, kommen wir alten Säcke her. Und das wir DA waren, daran ist die Fertigkeit des zielgerichteten Wurfes nicht ganz unschuldig!

Also, wir sehen uns nächsten Sonntag.

Mal was ganz anderes…Baseball

Man muss ja nicht immer nur die schweren Themen angehen. Heute mal was leichtes: Baseball. Und, keine Angst, es geht heute nicht darum, ob ich noch spielen will oder nicht. Es geht ganz banal um den diesjährigen Spielplan der 1. und 2. Bundesliga.

Kürzlich wurden vom DBV die Spielpläne veröffentlicht. Und die stellen für die HSV Stealers und deren Spieler eine gewisse Herausforderung dar.

In der Vergangenheit war es so, dass die 1. und die 2. Mannschaft tunlichst nicht am selben Tag spielten. So konnten einige Spieler in beiden Teams mitmischen. Als hoffnungsvolles Talent konnte man auch mal bei der 1. Mannschaft dabei sein. Auch wenn man vielleicht den ganzen Tag auf der Bank verbrachte, so hatte man doch keine Spielzeit verloren, weil man am Tag davor oder danach in der 2. Mannschaft spielen konnte.

Besonders für den Manager der 2 Mannschaft hatte das aber auch so seine Tücken. Denn die besten Spieler wurden natürlich vom Headcoach abgegriffen. Und sollte es doch mal zu Überschneidungen kommen, so stand man dann schnell ohne seine Leistungsträger da. Auch eher unschön.

Schön dagegen war, dass es im Prinzip einen großen Bundesligakader gab und man viel mit der 1. Mannschaft unterwegs sein konnte.

Das wird es nun dieses Jahr nicht geben.

Bis auf wenige Ausnahmen finden die Spiele nun zeitgleich statt. Das bedeutet meherer Umstellungen. Es müssen in beiden Teams ausreichend Spieler zur Verfügung stehen. Man kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass talentierte Spieler mit ausreichend Zeit beide Teams unterstützen. Talente müssen sich entscheiden: Gehe ich das Risiko ein und hocke bei der 1. einen nicht unerheblichen Teil des Tages auf der Bank oder melde ich in der 2. und habe viel Spielpraxis um dann ggf. im nächsten Jahr viele Einsätze in der 1. zu bekommen?

Finanziell bedeutet das für den Verein, dass alles Equipement doppelt vorhanden sein muss und Bälle, Helme, Schläger nicht mehr von beiden teams genutzt werden können.

Für berufstätige Familienväter, die letztes Jahr noch in beiden Teams zu Lasten der Familie mitgemischt haben, macht es zu indest die Entscheidung einfacher. Man kann nur noch ein team unterstützen, der andere Tag des Wochenendes gehört automatisch der Familie. Den Teil des Spielplans findet meine Frau gut.

Weniger gut findet sie, dass fast alle Spiel am Samstag stattfinden. Denn das bedeutet zweierlei ungemach: Den Wocheendeinkauf muss sie alleine machen und mit shoppen ist nix UND am Sonntag hat sie mich griegrämig an der Backe, weil man sich auch nicht mit shoppen ablenken könnte… 🙂

Ambivalent sehe ich, dass die Saison für mich bereits Ende Juli vorbei ist. Da geht der Sommer doch eigentlich erst los. Man könnte viel Ball spielen, bei richtigem Baseballwetter. ABER: So habe ich dann auch Zeit, mit dem SUPpen zu widmen… Auch nicht das schlechteste.

Sportlich gesehen finde ich die Saisonplanung jedoch unglückli. Wären die Spiele nicht am selben Tag, könnten Prospects (und nicht nur die) mehr spielen. Und wenn die Saison im Juli schon durch ist, könnte man ja eigentlich die Saison verdoppeln?

Abgesang auf eine alte Liebe?

November. Noch lange, dunkle Monate bis die Saison wieder losgeht. Normalerweise müsste ich es kaum noch erwarten können. Aber irgendwie juckt es nicht so wirklich. Man könnte sagen, Baseball und ich machen gerade eine schwierige Zeit durch.

In jeder Beziehung gibt es Höhen und Tiefen. Das ist ja nun eher normal. Aber wenn das Tief schon länger anhält und man seinen „Partner“ nicht wirklich vermisst, auch wenn man schon Wochen voneinander getrennt ist, dann sollte man sich vielleicht mal Gedanken machen, wie es weitergehen soll.

Es ist nicht so, als wenn wir Streit gehabt hätten. Aber der Gedanke an die kleine Lederkugel nimmt keinen großen Raum derzeit bei mir ein. Habe ich mich doch über 16 Jahre lang eher als Profi gesehen, der nebenbei arbeiten gehen muss. Aber dieses Jahr gab es da doch einen kleinen Realitycheck.

Als Trainer/Manager eigne ich mich doch nur bedingt. Auf mich gehört hat eh keiner. Und gleichzeitig managen und spielen, das hat mal so gar nicht erfolgreich funktioniert. Wenn ich pitche, kann ich mich auf nichts anderes fokussieren. Und wenn man dann mal einem Mitspieler transparent mitteilt, dass er sich vielleicht auf Hallenhalma konzentrieren sollte, kommt natürlich wie aus der Pistole geschossen: „Aber Du bist hier der Überflieger oder was? Warum stellst Du Dich immer selber auf?“ Hm, weiß nicht, weil ihr es nicht hinbekommt?

Ok, das ist jetzt vielleicht etwas krass ausgedrückt. Aber es kam nicht nur ein mal vor, dass ich nach nem complete Game 1 auch noch im zweiten Spiel des Tages auf dem Hügel stand. Mit entsprechenden Folgen für den Arm. An Training unter der Woche war dann natürlich gar nicht zu denken. Bringt dann auch eher weniger Spaß, stundenlang zum/vom Training unterwegs zu sein, nur um den anderen Fungos zu hauen.

Und dann haben wir auch noch permanent auf den Sack bekommen!

Mit der Kadertiefe sah es auch eher mau aus. Die Frage war nicht, wen ich einsetze, sondern ob ich neun Leute zusammenkriege. Ob die dann gefundenen Pitcher überhaupt in der Lage waren, die Strikezone mit einer gewissen Konstanz anzuvisieren, steht auf einem anderen Blatt. Ohne den Jungs zu nahe treten zu wollen, aber nicht jeder brachte mit, was es braucht, um Spiele zu gewinnen. Das Thema „Wie lege ich einen Sacbunt“ will ich gar nicht erst anschneiden. Und immer dann, wenn‘s mal lief, passierte irgendetwas Dummes. Da pitcht man sich den Arm raus, liegt weit vorn und dann werden 5 UER reingelassen. Spassfaktor 0. Ich schmeiß nun mal nicht lights out. Als Pitcher bin ich echter Teamplayer. Übersetzung: Ohne Defense bin ich am Arsch! Auch drum herum passierte viel, was nicht unbedingt einer entspannten Atmosphäre zuträglich ist. Haben wir Wasser, einen Scorer, Bälle, Spieler, Busse,….? Oftmals war sämtliche Energie bereits verbraten, bevor ich überhaupt den Hügel erklimmen konnte.

All das bekam ich nicht aus dem Kopf.

Und dann hat mir eine Strandschönheit schöne Augen gemacht. SUP! Neu, hip, sexy. Völlig entspannt. Jederzeit verfügbar. Und irgendwie war meine Affäre auch ein wenig cooler drauf, als die alte Liebe.

Aber wenn ich alles so recht bedenke, hat Baseball gar nichts falsch gemacht. Äußere Umstände treiben einen Keil zwischen uns, wollen uns auseinander reißen. Skandal! Vielleicht sollte ich ihr noch ein Chance geben? Aber sie muss damit klarkommen, dass ich ab jetzt zweigleisig fahre. Ich hoffe, keine von beiden stellt mich vor die Wahl, mich entscheiden zu müssen.

Hm, dann sieht‘s wohl nach Stefmaster reloaded aus in 2013. Ohne mich um irgendetwas anderes als das Spielen selbst kümmern zu müssen, sollte da doch wohl noch einiges gehen. Und dann bin ich vielleicht auch nicht mehr so überkritisch, was die Leistung der Mitspieler angeht? Bleibt abzuwarten.

Aber alte Liebe rostet wohl doch nicht.

Felix Baumgartner

Wie viele Millionen andere habe ich mir den Rekordsprung von Felix Baumgartner angeschaut. Ich kann euch nicht sagen, warum ihr das gemacht habt. Aber ich kann euch sagen, warum ich das gemacht hab.

„Das hat doch einer schon vor 50 Jahren gemacht. Und mit der Weiterentwicklung der Technologie war das doch nichts tolles mehr.“ So oder so ähnlich kommentierte einer meiner Freunde das Ereignis. Darüber musste ich doch sehr schmunzeln. Ich bin da jetzt kein Profi. Aber ich stelle mir vor, dass Technologie mir zwischen dem Absprung und der Landung einen Scheiß weiter hilft.

„Die wollten doch alle nur sehen, ob er draufgeht. Pure Sensationsgeilheit.“ So oder so ähnlich ein anderer Freund. Dazu fiel mir erst einmal nichts Eloquentes ein.

Seit ich von diesem Sprung gehört hatte, war ich fasziniert. Man stelle sich das nur mal vor, da will jemand vom Rand des Weltraums zur Erde springen! Wie unglaublich ist das denn? Der Umstand, dass das jemand schon einmal in ähnlicher Form gemacht hatte, trübte meine Faszination nicht. Das war in den 1960ern, weit vor meiner Zeit. Und selbst wenn. Schmälert es diese Leistung wirklich? Ich glaube kaum.

Sensationsgeilheit? Wollte ich, dass etwas passiert? Um Gottes Willen, nein! Ich habe auch nicht ernsthaft damit gerechnet. Ich habe mir eingeredet, dass schon alles gutgehen wird.

Ich denke, man darf hier nicht mit vulkanischer Logik rangehen. Die Frage „Was soll das?“ darf man hier eigentlich nicht stellen. Denn wenn man die Frage „Was soll das?“ immer anwenden würde, nun, dann wäre die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass wir die Welt heute nicht da wäre, wo sie ist. In vielerlei Hinsicht wäre das gut. Aber in meinen Augen überwiegen die Vorteile. (Auto, Computer, iPhone, endlos fortzusetzen, was soll das)

Nein keine Logik, die Antwort lautet „Weil ich es kann!“

Und welcher „kleine“ Junge ist nicht von dem technischen Aspekt fasziniert? Ich habe den Aufstieg akribisch verfolgt, hatte mich informiert, auf welcher Höhe was passiert, etc. Als Felix Baumgartner dann die Checkliste durchging, saß ich mit klopfendem Herzen auf der Sofakante. Mein Sohn ist 4, machte sich über die Frage „Was soll das?“ herzlich wenig Gedanken. Er hatte so seine Schwierigkeiten, die Stratosphäre einzuordnen. Aber auch er saß vollkommen gespannt mit gebanntem Blick neben mir. Wie hab ich ihn darum beneidet, dieses Ereignis unbelastet von allen Kontroversen verfolgen zu können. Wann hat mich das letzte Mal ein Fernsehereignis so in den Bann gezogen. Ich würde sagen, zu letzt Obamas Vereidigung. Leider war das auch schon der Höhepunkt seiner Präsidentschaft. Aber das ist ein anderes Thema.

Als die Tür endlich aufging, raste mein Puls. Als er ausstieg stockte mir der Atem. Ich bekam Gänsehaut, als er salutierte „Jetzt komme ich heim.“ Wie kann man davon nicht ergriffen sein. Was muss das für ein Anblick sein, vor sich den Weltraum, unter sich ganz klein die Erde. Dann sprang er. Unglaublich. Als Felix ins Trudeln geriet, geriet ich fast in Panik. Als er sich stabilisierte, jubelte ich. Als er sprach, war ich glücklich. Er war nicht bewusstlos, hatte die Kontrolle. Oder eine Illusion davon. Als der Schirm aufging, rasten alle möglichen Emotionen durch mich. Als er landete, hätte ich beinahe geheult. Vor Glück, vor Erleichterung, vor Stolz auf diesen mir vollkommen unbekannten Menschen.

Nun muss ich mich wohl fragen lassen, warum? Was interessiert‘s mich, ich kenn den doch gar nicht, etc? Oh ihr Kleingeistigen. Hier hat sich jemand einen Traum erfüllt, gezeigt, wozu wir fähig sind. Das berührt mich. Sensationsgeil? Ja vielleicht, geil auf die Sensation, was das Team dort vollbracht hat.

Für mich ist Felix Baumgartner ein Held. Und die heutige Zeit braucht Helden. So dringend, wie nie zuvor. Felix Baumgartner kann auch meinem Sohn als Vorbild dienen. Für das, was man schaffen kann, wenn man hart dafür arbeitet. Mir tun alle die leid, die sich nicht dafür begeistern konnten, die das kleine Kind so tief in sich vergraben haben, dass sie zu cool sind.

War die Aktion leichtsinnig? Keine Frage! Würde ich wollen, dass mein Sohn aus der Stratosphäre hüpft? Himmel, nein! Aber genau deshalb ist Felix dieses Vorbild. Er hat sich nicht von der kleinen Welt der anderen einschränken lassen. Er hats einfach getan! Warum? Weil er es kann!

Nachtrag 27.01.2016: Nach seinen verbalen Entgleisungen zum Thema Flüchtlinge möchte ich mich vom Menschen Felix Baumgartner ausdrücklich distanzieren. Ein solcher Typ soll meinen Kinder nicht als Vorbild dienen. Seine sportliche Leistung bleibt unbestritten. Aber menschlich ist der Typ offenbar eine Vollsechs.