Wenn einer eine Reise tut: Warschau

Drei Tage Warschau im Auftrag der Firma. Da ichs in östlicher Richtung nie weiter als Strausberg geschafft habe, klang das doch recht spannend.

TAG 1

Warschau 026Der Flieger der Linie LOT war ganz angenehm, eine 2+2-Bestuhlung. Nur leider hatt der Typ neben mir am Vorabend wohl ordentlich gebechert und dann noch Knoblauch genossen. Und die Heizung ballerte ganz schön doll. Service gab‘s nur auf polnisch oder englisch. Also unterm Strich, doch nicht so angenehm. Eher indifferenziert.

Die erste Visitenkarte des Landes war ein heruntergekommenes Taxi, ein mürrischer Fahrer und eine Betonwüste. In meiner Arroganz hatte ich mir den Ostblock genau so vorgestellt. Sah alles ein bisschen schäbig aus. Angekommen bei der zu besuchenden Firma gings dann aber bergauf, es gab doch moderne Gebäude hier. Und direkt gegenüber ein strahlendes Einkaufszentrum. Der Kulturschock war fürs erste abgewendet. Da ich der polnischen Sprache nicht mächtig bin, fühlte ich mich die ganze Zeit ein wenig wie ein Analphabet, die meisten Schilder konnte ich mir nicht einmal herleiten. Aber egal, Rücken gerade und ab dafür.

Nach einem arbeitsreichen ersten Tag (sehr motiviertes Team, das gute Arbeit abliefert, nuff said) dann erst einmal ins Hotel. Wieder mit dem Taxi, dieses Mal ein halbwegs modernes. Was sah ich? Noch mehr heruntergekommenen Ostblock-Chic, Verkehrschaos trotz durchgehend dreispuriger Strassen und an jeder Ecke ein Büdchen, das mit Alkohol warb. Die Schönheit des Landes verbarg sich sehr erfolgreich. Aber würde man einen Fremden durch gewisse Ecken von Hamburg fahren, würde er auch kaum vor Verzückung vergehen.

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Executive Room

Kaum vor dem Hotel angekommen, verbesserte sich die Laune merklich. Durch einen kleinen Kommunikationsfehler mit der Buchungsabteilung wohnte ich doch recht luxuriös. Und da im Hotel gerade Bauarbeiten stattfanden, gab‘s gleich noch mal ein kleines Upgrade oben drauf. Herzlich willkommen im Executive Room. Mein Zimmer war wirklich seeehr zufriedenstellend. Und das es nur einen deutschen Sender gab (RTL), war durchaus zu vernachlässigen.

Leider hatte das Hotel vergessen, auf seiner Website den Spa- und Fitnessbereich zu erwähnen. In Ermangelung passender Garderobe blieb mir der Bereich somit verwehrt. Schade.

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Ausblick vom Hotel mit nem Zipfel Einkaufszentrum

Ich war vom langen Flug zwar recht platt. Aber Hunger hatte ich dennoch und nebenan gab‘s ein weiteres Einkaufszentrum zu erkunden. Kaum angekommen, war meine Shoppinglaune aber wieder im Keller. Ich wusste ja noch nicht einmal, ob mir die Leute einen guten Tag wünschten, mich fragten, was ich wollte oder jemand anderes meinten. Also schnell in den Foodcourt und dann wieder ins Hotel. Das war der Plan. Ich fragte den freundlichen Mitarbeiter einer internationalen Kette der Systemgastronomie, ob er englischen Service anböte. Das bejate er und ich frohlockte. Gefühlte drei Stunden später hatte ich nicht ansatzweise das Bestellte auf dem Tablett. Aber satt bin ich trotzdem geworden.

Der Abend war noch jung und Fastfood hält nicht lange vor. Also gab ich mir auch einen polnischen Supermarkt. Kurz darauf hatte ich mich mit deutschem Naschwerk eingedeckt (das halbe Sortiment kam aus Deutschland!) und machte mich auf den Weg ins Hotel.

Da die Mall leider gigantisch war und ich falsch abbog, stand ich auf einmal irgendwo in Warschau. Nach einem „kleinen“ Spaziergang um den ganzen Block stand ich dann aber wieder vor meiner Herberge. Den Tag gekrönt habe ich dann erst einmal mit einem ausgedehnten Schaumbad…in meiner Luxussuite…Life is good.

Kulturpalast bei Nacht
Kulturpalast bei Nacht

TAG 2

Nach entspannter Nacht im Daunenhimmel suchte ich frohen Mutes das Restaurant auf. Das Frühstück sollte 83 Zloty kosten, dass sind über 20 EUR, dafür darf man doch etwas erwarten, oder?

Nein, darf man nicht. Der Speck nicht durch, die Rühreier wabbelig, die Rostbratwürstchen GEKOCHT. Dazu noch n bisschen Marmelade, Wurst und Käse und mit Glück Obst. Und dafür dann so ein fürstlicher Preis. Frechheit. Satt wurde ich dennoch. Aber hätte ich da gerade mein eigenes Geld verbraten, wäre ich doch arg enttäuscht.

Wieder ab ins Tax und zu meinem Exil-Schreibtisch. Taxifahren ist hier übrigens saubillig. Dafür darf man dann aber auch nichts erwarten.

Der Tag ist schnell erzählt. Mittags noch schnell in ein weiteres Einkaufszentrum, um für die daheimgebliebenen Kolleginnen irgendein obskures Antig-Age-Wundermittel zu erstehen, n Burger auf die Hand und weitergearbeitet. Abends sollte es dann mit ein paar einheimischen Kollegen in die Altstadt gehen.Warschau 015

Warschau 013
Präsidentenpalast

Hierzu fuhren wir mit der Tram. An sich keine Nachricht wert. Aber an dem Abend spielte Polen gegen San Marino, in Warschau. Die Tram war als voll…sehr voll…unglaublich voll. Danach schloss sich ein Spaziergang an und endlich sah ich etwas von der Stadt, abgesehen von eher heruntergekommenen Betonblöcken. Der äussere Teil der Alstadt ist schon recht nett. Der Präsidentenpalast steht beispielsweise hier. Es ging weiter in die eigentlich Altstadt, die Straßen wurden leerer aber auch netter. Echt hübsch hier!

Wir sind dann eingekehrt in ein typisch polnisches Restaurant…in dem ich dann etwas ungarisches gegessen habe.  Kartoffelpfannkuchen, ertränkt in Gulasch, mit Saurer Sahne garniert. War aber nach dem Marsch durch die Kälte genau das Richtige. Kombiniert mit der netten Gesellschaft, einem interkulturellen Austausch, verging die Zeit wie im Flug und ehe ich mich versah, war ich wieder im Hotel.

TAG 3

Aufstehen, überteuertes Frühstück, ein einem Luxushotel unangemessen unflexibler Service beim Checkout, gewohnt furchtbare Taxifahrt, Schreibtisch. Die Zeit bis Mittag ist schnell erzählt. Wir haben dann noch mit dem ganzen Team gemeinsam Pizza geordert. Und was Pizza angeht, bezeichne ich mich wohl zu Recht als Kenner. Von daher freute ich mich doch sehr, meinen Horizont diesbezüglich zu erweitern. Aber mal ehrlich, wenn auf einer Pizza keine Tomatensosse ist, dann ist das KEINE Pizza.

Anschließend bin ich dann ab zum Flughafen. Eigentlich viel zu früh. Aber ich bin schon ein wenig nervös auf Reisen und bin lieber viel zu früh am Gate, als gar nicht.

Der Sicherheitscheck in Hamburg ist ja eher freundlich. Personal in blauen Uniformen, die gewisse Grundformen der Höflichkeit beherrschen und sich zumindest Mühe geben, mir nicht das Gefühl zu geben, ich sei ein potentieller Terrorist. Auch muss man nicht die Schuhe ausziehen und aus dem Handgepäck nur den Laptop einzeln auspacken. Polen ist da anders….

Schuhe aus! Handgepäck nahezu vollständig auf dem Band verteilen! Und erst durch die Kontrolle, wenn mein Gepäck im Röntgenapparat ist… Natürlich piepte „ich“ und sogleich stürmte eine Brigade freundlicher junger Männer in Tarnanzügen und Springerstiefeln auf mich zu, um mich mal ganz nett anzufassen. Während ich also das Extrempetting genoss, fiel mir ein, dass ich meinen Gürtel nicht abgenommen hatte. Mea Culpa. Das wollte ich einem der Sicherheitsbeamten nonverbal anzeigen. Meine Handbewegung zur Hüfte war wohl ein wenig zu heftig… Fand er nicht so gut, sein Hand ging auch zur Hüfte… Naja, ich bin hier, hab‘s also überlebt.

Warschau 022Meine letzten 1,5 Stunden in Polen sind nicht der Rede wert. Ich saß am Gate in der Sonne und habe gelesen. End of Story.Warschau 020

Der Flug ebenso unbequem und langweilig wie vor 2 Tagen, pünktliche Landung in Hamburg, Abholservice stand schon bereit. Ab nach Haus und da hat sich dann erst mal Sohnemann an mir festgeklammert. Zu Hause ist es doch immer am schönsten!

Landeanflug in Hamburg
Landeanflug in Hamburg

 

Wenn einer eine Reise tut…

…dann muss er ja auch irgendwo essen und schlafen. Lasst mich euch einen sehr überschaubaren Einblick in Hotel und Gastronomie in Greifswald geben.

Hierhin führte mich das Big Business. Genächtigt habe ich im Hotel Galerie direkt am Marktplatz. Ein kleines Haus, dass sich der Kunst verschrieben hat. Die Zimmer sind benannt nach zeitgenössischen Künstler. Die ausgestellten Werke sind in der benachbarten Galerie zu erwerben. Keine schlechte Idee. Die Zimmer sind sauber und ordentlich und ausreichend geräumig. Die Bäder sind einfach aber sauber. Es fehlt an nichts. WLAN ist frei und die Zimmer sind mit Flachbildschirmen ausgestattet.

Das Frühstück ist inklusive. Es ist ausreichend aber nicht besonders reichhaltig. Brötchen, Brot, Aufschnitt, Mamelade, zweierlei Säfte und Cerealien. Leider hat man hier noch nichts von Rührei oder Speck gehört. Auch die Joghurt-Auswahl ist übersichtlich. „Frisch“ aufgeschnittenes Gemüse und gekochte Eier sind eine nette Idee. Nur leider unverkennbar bereits am Vorabend vorbereitet worden. Unterm Strich ist das Frühstück OK. Mehr aber auch nicht.

Zum Abendessen führte mich am ersten Tag mein Weg in das italienische Restaurant La Piazza, direkt am malerischen Marktplatz. Die Aufmachung zunächst typisch mit rot-weiss-karierten Tischdecken. Das auf der Tageskarte ein Schnitzel mit Rahmchampignons und Pommes angekündigt wurde, irritiert. Eher wenig italienisch.

Ich entschied mich für einen Klassiker, Pizza Salame. Die kam recht schnell, machte aber leider den Eindruck, als käme sie aus dem Tiefkühlregal. Aroma erinnerte an Dr. Oetker. Und sie schmeckte auch ähnlich. Schade.

Größentechnisch eher Kategorie Wagenrad. Wenn schon kein Hochgenuss, dann wenigstens satt. Mit Getränk n 10er. Summasummarum OK. Service bestenfalls unauffällig. Been there, done that. Komme aber nicht wieder.

Es schloss sich ein Spaziergang durch die gemütliche Fussgängerzone an. Dass die Geschäfte hier unter der Woche bereits um 18:00 Uhr dicht machen, ist dann aber doch eher gewöhnungsbedürftigt, so als Hamburger Jung.

Heute besuchte ich dann das Fritz Braugasthaus. Der erste Eindruck war phänomenal. Modern, dennoch klassisch rustikal und gemütlich. Der Service machte einen super Eindruck. Als Gruß aus der Küche gab es selbstgemachte Kartoffelchips mit einem Sauerrahm-Dip. Das machte Lust auf mehr.

Aus der reichhaltigen Karte wählte ich dann, angefixt von gestern, das Schnitzel mit Rahmpilzen und Pommes. Es war als frisches Schnitzel vom Landschwein angekündigt, inkl. Verweis auf den liefernden Bauernhof. Ich war gespannt.

Was dann kam, war dann aber doch enttäuschend. Besonders vor dem Hintergrund des doch recht fürstlichen Preises.

Das Fleisch war mitnichten frisch. Es war unverkennbar aus der Tiefkühlpackung. Die Panade war viel zu gleichmäßig, um nicht industriell gefertigt worden zu sein. Das Fleisch war auch nicht ganz durch gegart.

Die Rahmpilze waren definitiv aus der Tüte. Die Sosse war Standard, Marke Blockhaus Systemgastronomie.

Schade. Hat doch das Ambiente und die Karte eine hohe Erwartungshaltung geweckt. Geschmacklich wars OK. Aber in dem Wissen, überteuerte Tiefkühlkost zu mir zu nehmen, wurde der Genuss doch ordentlich geschmälert.

Wieso sind eigentlich so viele Wirte der Meinung, ihre Gäste unerkannt verarschen zu können. Was soll das?

Sicher, ein Gericht lässt noch keine abschließende Bewertung über die Restaurants zu. Doch wie viel Handwerkskunst kann man erwarten, wenn die populären Gerichte schon nicht „echt“ sind?

Da mich mein Job unvermeidlich wieder in diese Hansestadt führen wird, werde ich dem FRITZ noch eine Chance geben. Auf der Karte war ja noch einiges zu entdecken. Und das sich der Laden einen Innenhof mit dem Hotel Galerie teilt, hält das die Wege auch schön kurz. Denn abseits der Altstadt ist Greifswald eher keine Schönheit.