Sich einfach mal selbst inspirieren

Kennen Sie das? Sie haben eine tolle Idee, gehen damit zu Ihrem Chef und da wird die Idee im Keim erstickt. Das würde mich ja mal kollossal nerven.

Aber leider muss ich allzu häufig feststellen, dass auch ich tolle Ideen im Keim ersticke. Und das mach ich gar nicht mal aus Bosheit. Nein, ich bin schlicht zu faul. Klingt hart, ist aber so.

Wie gerne redet man sich heraus, gerne mit einem Klassiker: „Das haben wir immer schon so gemacht!“ „Das ist viel zu teuer!“ „Das bringt doch eh nichts!“ (freilich, ohne darüber mal wirklich nachgedacht zu haben)

Und dabei ist man nur selbst der Erstickungsgrund. Mein Schreibtisch ist voll. Ich habe gerade keine Lust darüber nachzudenken. Ich bin gerade in einem ganz anderen Thema, etc pp.Und dann wundert man sich, dass man nicht vorankommt. Selbst schuld, Trottel!

Einfach mal machen. Irgendjemand hielt den Vorschlag mal für eine gute Idee. Und wenn derjenige kein Vollpfosten ist (und selbst dann wäre es möglich) ist an dieser Idee bestimmt irgendwas Gutes dran, auf dem man rumdenken kann, das man verbessern kann. Man muss dafür nur seinen Arsch hochkriegen!

Und besonders, wenn diese Idee irgendwann in eine Verbesserung meines Kundenservices mündet, dann muss man darüber doch eigentlich gar nicht nachdenken.

Und deshalb werde ich die Idee eines Kollegen, die ich gerade eben kommentarlos in die Rundablage befördert habe, da mal gleich wieder raus holen und schaun, was man damit anstellen kann, um den Kundenservice zu verbessern.

Heute machen wir unseren Job nicht. Wir bitten um Verständnis

Ich bin es leid, immer und für alles Verständnis haben zu müssen. „Der Zug fällt aus, wir bitten um Verständnis.“ Milch ist leider alle, wir bitten um Verständnis.“ „Staugefahr auf den nächsten 20 KM, wir bitten um Verständnis“.

Nein, mein Verständnis ist aufgebraucht! Weil es inflationär eingefordert wird.

Verständnis kommt von Verstehen. Nur leider verstehe ich nicht, dass ein Zug ohne weitere Erklärung ausfällt. Und nein, ich verstehe nicht, warum an einem normalen Wochentag im Supermarkt ein Grundnahrungsmittel nicht verfügbar ist, trotz Milchseen und Butterbergen. Und nein, ich verstehe nicht, warum tagsüber auf einer Baustelle nicht gearbeitet wird, dennoch alles abgesperrt ist und sich der Verkehr auf X Kilomter gestaut wird. Ergo, habe ich auch kein Verständnis!

Schritt 1 wäre also, wenn ich schon Verständnis einfordere, zu erklären, WARUM der Zug nicht fährt, etc. Wenn dieser Grund dann nachvollziehbar und VERSTÄNDLICH ist, dann, aber nur dann, kann ich – vielleicht – Verständnis aufbringen.

Schritt 2, und eigentlich viel wichtiger, wäre dann, die Ursache anzugehen, auf Grund derer ich Verständnis einfordere.

Schritt 3, Kompensation. Wie kann ich von meinem Kunden verlangen, dass er verständnisvoll auf meinen Bockmist reagiert, wenn mein „Wir bitten um Verständnis“ eigentlich heißt: „Sorry Bro, nimm n anderen Zug, friss oder stirb.“

Ich frage mich, ob die Bahn ihrerseits verständnisvoll wäre, wenn ich einfach mal nicht bezahle. Sorry, kein Geld.

Ich bitte um Verständnis!

Wenn einer eine Reise tut: Schweden

Mein Schwager hatte uns in das von ihm und seiner Frau gebaute Ferienhaus mitten im Wald eingeladen. Da haben wir uns doch nicht zweimal bitten lassen.

Also Kinder und Schwiegereltern ins Auto geladen und ab gings.  Zunächst mit der Fähre bis Rödby und dann über die Oeresundbrücke nach Schweden. Sobald wir Malmö hinter uns gelassen hatten war das Haus eigentlich recht simpel zu finden. Immer geradeaus. Dann links, rechts, links, kurz durch den Wald und wir waren 9 Stunden später da.

Wobei kurz durch den Wald sehr relativ ist. Über 5 Minuten lang geht es über eine Sandpiste gegen die eine Achterbahn lahmer Rentnerspass ist.

iPhone 182Unterwegs kommt man an der ein oder anderen Hütte im Wald vorbei. Man darf sich aber nicht täuschen lassen, bis auch eine sind die leider alle unbewohnt. Irgendwann tut sich dann das Anwesen der Verwandtschaft auf. Ein schönes Holzhaus auf einem riesigen Grundstück, mit Sauna, Schuppen, Stall und Schafwiese. Direkt neben an, unser eigentliches Ziel, die Bodastuga. Eine kleine, sehr gemütliche Hütte mit ausreichend Platz für 4 Erwachsene und 2 Kinder. Die Bodastuga ist sehr urig eingerichtet. Aber auf Komfort muss hier niemand verzichten. Die Küche ist neuwertig und modern eingerichtet, im Bad gibt es Fussbodenheizung.

Innenansicht Bodastuga
Innenansicht Bodastuga

Das Wetter war jetzt leicht suboptimal zum Start. Aber was solls. Wir waren vorbereitet.

Die Kinder zog es erst einmal zur Schafwiese. Denn die Schafherde war erst kürzlich um zei Lämmer angewachsen. Und fast jeden Tag während unseres Urlaubs kam neue hinzu. Und so eine Schafherde kann ganz schön Lärm machen. Das war aber auch alles, was wir da draussen gehört haben. Ist man als Hamburger/Großhansdorfer doch ein konstantes Grundrauschen gewöhnt, kann die Stille dort doch ganz schön ohrenbetäubend sein. Kein Stress stört einen dort. Auch keine E-Mails, Anrufe, etc. Denn Netzt ist dort eher…ausbaufähig.

Nachdem ich ja nun dachte, ohne iPhone kann ich nicht leben durfte ich feststellen, dass ich das sogar sehr gut kann. Herrlich, es war so befreiend, nicht ständig aufs Disply zu linsen, was in der Firma, bei Facebook oder Twitter passiert war. Und die Welt hat sich erstaunlicherweise weitergedreht, auch ohne, dass ich einen permanenten Newsfeed hatte.

So, Reisen macht hungrig und da mussten wir nun erst einmal einkaufen. Also, am nächsten Morgen auf zum nächsten Supermarkt. Wieder über die Achterbahn, links, rechts, geradeaus und …. Stop, Verkehrskontrolle … einen (natürlich negativen) Alkotest später standen wir dan endlich im Laden. Und da gab es wirklich alles. Und nichts in singlegrößen. Kleinste Nudelpackung 1 KG, kleinste Reispackung 2 KG und so weiter. Aber auf die ein oder andere bekannte Marke muss man auch hier nicht verzichten. Sehr schön. Geradeaus, links, rechts, Achterbahn, wieder an der Hütte.

Womit ich mir hauptsächlich die Zeit vertrieben habe? Mit Nichtstun oder durch die Natur streifen. Das habe ich bestimmt 20 Jahre lang nicht mehr gemacht. Und zu Hause käme ich eher weniger auf die Idee, die Waldwege zu verlassen. Hier hatte ich nicht so die Wahl. Es gab keine Wege! Unter Anleitung von Schwägerin und Schwager habe ich so tolle Orte kennengelernt. Ein Felsplateau mit herrlicher Aussicht über einen See, inkl. Adler. Höhlenerkundung und „Bergsteigen“. In der Schärenlandschaft verborgene Rastplätze, herrlich. Angeln an verborgenen Seen. Und überall gab es ein im Überfluss: Ruhe.

iPhone 188Die Kinder habe ich meist morgens rausgelassen und sie dann erst Abends wieder gesehen. Zusammen mit noch drei Cousins und Cousinen zog die Bande dann durch die Gegend. Um Strassenverkehr musste ich mir hier keine Sorgen machen.

Das Einkaufen oder die Besuch in der „großen“ Stadt habe ich bis auf wenige Ausnahmen den anderen überlassen.

Aber ein Frage liess mich die ganze Zeit nicht los: Um die Bodastuga verteilt gab es einige weitere Häuser, fast schon ein kleines Dorf. Wie muss das hier gewesen sein, als die Häuser noch bewohnt waren? In einem brannte Nachts zumindest Dank Zeitschaltuhr Licht.

Aber in einem anderen, das wir auch erst nach halbstündigem Fussmarsch erreichten, regierten nur noch die Mäuse. Obwohl es so aussah, als wenn die Bewohner nur kurz zum Einkaufen gefahren waren. Gruselig.

Wer eine Auszeit vom Stadtstress braucht oder einfach mal nur seine Ruhe haben will, der ist in der Bodastuga goldrichtig. beeilt euch, dann gibts vielleicht noch freie Plätze.

Hej do.

Wenn einer eine Reise tut: Warschau

Drei Tage Warschau im Auftrag der Firma. Da ichs in östlicher Richtung nie weiter als Strausberg geschafft habe, klang das doch recht spannend.

TAG 1

Warschau 026Der Flieger der Linie LOT war ganz angenehm, eine 2+2-Bestuhlung. Nur leider hatt der Typ neben mir am Vorabend wohl ordentlich gebechert und dann noch Knoblauch genossen. Und die Heizung ballerte ganz schön doll. Service gab‘s nur auf polnisch oder englisch. Also unterm Strich, doch nicht so angenehm. Eher indifferenziert.

Die erste Visitenkarte des Landes war ein heruntergekommenes Taxi, ein mürrischer Fahrer und eine Betonwüste. In meiner Arroganz hatte ich mir den Ostblock genau so vorgestellt. Sah alles ein bisschen schäbig aus. Angekommen bei der zu besuchenden Firma gings dann aber bergauf, es gab doch moderne Gebäude hier. Und direkt gegenüber ein strahlendes Einkaufszentrum. Der Kulturschock war fürs erste abgewendet. Da ich der polnischen Sprache nicht mächtig bin, fühlte ich mich die ganze Zeit ein wenig wie ein Analphabet, die meisten Schilder konnte ich mir nicht einmal herleiten. Aber egal, Rücken gerade und ab dafür.

Nach einem arbeitsreichen ersten Tag (sehr motiviertes Team, das gute Arbeit abliefert, nuff said) dann erst einmal ins Hotel. Wieder mit dem Taxi, dieses Mal ein halbwegs modernes. Was sah ich? Noch mehr heruntergekommenen Ostblock-Chic, Verkehrschaos trotz durchgehend dreispuriger Strassen und an jeder Ecke ein Büdchen, das mit Alkohol warb. Die Schönheit des Landes verbarg sich sehr erfolgreich. Aber würde man einen Fremden durch gewisse Ecken von Hamburg fahren, würde er auch kaum vor Verzückung vergehen.

Warschau 005
Executive Room

Kaum vor dem Hotel angekommen, verbesserte sich die Laune merklich. Durch einen kleinen Kommunikationsfehler mit der Buchungsabteilung wohnte ich doch recht luxuriös. Und da im Hotel gerade Bauarbeiten stattfanden, gab‘s gleich noch mal ein kleines Upgrade oben drauf. Herzlich willkommen im Executive Room. Mein Zimmer war wirklich seeehr zufriedenstellend. Und das es nur einen deutschen Sender gab (RTL), war durchaus zu vernachlässigen.

Leider hatte das Hotel vergessen, auf seiner Website den Spa- und Fitnessbereich zu erwähnen. In Ermangelung passender Garderobe blieb mir der Bereich somit verwehrt. Schade.

Warschau 016
Ausblick vom Hotel mit nem Zipfel Einkaufszentrum

Ich war vom langen Flug zwar recht platt. Aber Hunger hatte ich dennoch und nebenan gab‘s ein weiteres Einkaufszentrum zu erkunden. Kaum angekommen, war meine Shoppinglaune aber wieder im Keller. Ich wusste ja noch nicht einmal, ob mir die Leute einen guten Tag wünschten, mich fragten, was ich wollte oder jemand anderes meinten. Also schnell in den Foodcourt und dann wieder ins Hotel. Das war der Plan. Ich fragte den freundlichen Mitarbeiter einer internationalen Kette der Systemgastronomie, ob er englischen Service anböte. Das bejate er und ich frohlockte. Gefühlte drei Stunden später hatte ich nicht ansatzweise das Bestellte auf dem Tablett. Aber satt bin ich trotzdem geworden.

Der Abend war noch jung und Fastfood hält nicht lange vor. Also gab ich mir auch einen polnischen Supermarkt. Kurz darauf hatte ich mich mit deutschem Naschwerk eingedeckt (das halbe Sortiment kam aus Deutschland!) und machte mich auf den Weg ins Hotel.

Da die Mall leider gigantisch war und ich falsch abbog, stand ich auf einmal irgendwo in Warschau. Nach einem „kleinen“ Spaziergang um den ganzen Block stand ich dann aber wieder vor meiner Herberge. Den Tag gekrönt habe ich dann erst einmal mit einem ausgedehnten Schaumbad…in meiner Luxussuite…Life is good.

Kulturpalast bei Nacht
Kulturpalast bei Nacht

TAG 2

Nach entspannter Nacht im Daunenhimmel suchte ich frohen Mutes das Restaurant auf. Das Frühstück sollte 83 Zloty kosten, dass sind über 20 EUR, dafür darf man doch etwas erwarten, oder?

Nein, darf man nicht. Der Speck nicht durch, die Rühreier wabbelig, die Rostbratwürstchen GEKOCHT. Dazu noch n bisschen Marmelade, Wurst und Käse und mit Glück Obst. Und dafür dann so ein fürstlicher Preis. Frechheit. Satt wurde ich dennoch. Aber hätte ich da gerade mein eigenes Geld verbraten, wäre ich doch arg enttäuscht.

Wieder ab ins Tax und zu meinem Exil-Schreibtisch. Taxifahren ist hier übrigens saubillig. Dafür darf man dann aber auch nichts erwarten.

Der Tag ist schnell erzählt. Mittags noch schnell in ein weiteres Einkaufszentrum, um für die daheimgebliebenen Kolleginnen irgendein obskures Antig-Age-Wundermittel zu erstehen, n Burger auf die Hand und weitergearbeitet. Abends sollte es dann mit ein paar einheimischen Kollegen in die Altstadt gehen.Warschau 015

Warschau 013
Präsidentenpalast

Hierzu fuhren wir mit der Tram. An sich keine Nachricht wert. Aber an dem Abend spielte Polen gegen San Marino, in Warschau. Die Tram war als voll…sehr voll…unglaublich voll. Danach schloss sich ein Spaziergang an und endlich sah ich etwas von der Stadt, abgesehen von eher heruntergekommenen Betonblöcken. Der äussere Teil der Alstadt ist schon recht nett. Der Präsidentenpalast steht beispielsweise hier. Es ging weiter in die eigentlich Altstadt, die Straßen wurden leerer aber auch netter. Echt hübsch hier!

Wir sind dann eingekehrt in ein typisch polnisches Restaurant…in dem ich dann etwas ungarisches gegessen habe.  Kartoffelpfannkuchen, ertränkt in Gulasch, mit Saurer Sahne garniert. War aber nach dem Marsch durch die Kälte genau das Richtige. Kombiniert mit der netten Gesellschaft, einem interkulturellen Austausch, verging die Zeit wie im Flug und ehe ich mich versah, war ich wieder im Hotel.

TAG 3

Aufstehen, überteuertes Frühstück, ein einem Luxushotel unangemessen unflexibler Service beim Checkout, gewohnt furchtbare Taxifahrt, Schreibtisch. Die Zeit bis Mittag ist schnell erzählt. Wir haben dann noch mit dem ganzen Team gemeinsam Pizza geordert. Und was Pizza angeht, bezeichne ich mich wohl zu Recht als Kenner. Von daher freute ich mich doch sehr, meinen Horizont diesbezüglich zu erweitern. Aber mal ehrlich, wenn auf einer Pizza keine Tomatensosse ist, dann ist das KEINE Pizza.

Anschließend bin ich dann ab zum Flughafen. Eigentlich viel zu früh. Aber ich bin schon ein wenig nervös auf Reisen und bin lieber viel zu früh am Gate, als gar nicht.

Der Sicherheitscheck in Hamburg ist ja eher freundlich. Personal in blauen Uniformen, die gewisse Grundformen der Höflichkeit beherrschen und sich zumindest Mühe geben, mir nicht das Gefühl zu geben, ich sei ein potentieller Terrorist. Auch muss man nicht die Schuhe ausziehen und aus dem Handgepäck nur den Laptop einzeln auspacken. Polen ist da anders….

Schuhe aus! Handgepäck nahezu vollständig auf dem Band verteilen! Und erst durch die Kontrolle, wenn mein Gepäck im Röntgenapparat ist… Natürlich piepte „ich“ und sogleich stürmte eine Brigade freundlicher junger Männer in Tarnanzügen und Springerstiefeln auf mich zu, um mich mal ganz nett anzufassen. Während ich also das Extrempetting genoss, fiel mir ein, dass ich meinen Gürtel nicht abgenommen hatte. Mea Culpa. Das wollte ich einem der Sicherheitsbeamten nonverbal anzeigen. Meine Handbewegung zur Hüfte war wohl ein wenig zu heftig… Fand er nicht so gut, sein Hand ging auch zur Hüfte… Naja, ich bin hier, hab‘s also überlebt.

Warschau 022Meine letzten 1,5 Stunden in Polen sind nicht der Rede wert. Ich saß am Gate in der Sonne und habe gelesen. End of Story.Warschau 020

Der Flug ebenso unbequem und langweilig wie vor 2 Tagen, pünktliche Landung in Hamburg, Abholservice stand schon bereit. Ab nach Haus und da hat sich dann erst mal Sohnemann an mir festgeklammert. Zu Hause ist es doch immer am schönsten!

Landeanflug in Hamburg
Landeanflug in Hamburg

 

ECHO – Ein kleine Nachlese

Beliebig, belanglos, irrelevant…. So lässt sich meiner Meinung nach der Musikgeschmack der breiten Masse zusammenfassen. Und diese Beliebigkeit wurde gestern beim ECHO in Berlin zelebriert.

Moderiert wurde das ganze von Helene Fischer. Wer? Helene Fischer ist ein Schlagerstar und liiert mit Florian Silbereisen. Ja genau, der aus Switch Reloaded. *Ironieaus* Und sie hat ihre Sache recht ordentlich gemacht. Warum jetzt alle auf sie einbashen, sie habe Robbie Williams‘ Let me entertain you hingerichtet, keine Ahnung. A) Ist Let me entertain you jetzt nicht unbedingt musikalische Hochkultur, sondern POP und B) klang das recht vernünftig. Plus, dass Helene definitiv besser aussieht als Robbie. Und was man auch nicht vergessen darf: Das vielseits belächelte Schlagergenre is vielfältiger, als man denkt und erfolgreicher, als wir alle wahr haben wollen. Interpreten wie Andrea Berg und eben auch Helene Fischer verkaufen mehr Platten, als so manche gehypte Hipsterband. Und ja, sie verkaufen tatsächlich CDs, nicht bloß illegale Downloads. Deshalb schauen Schlagerstars auch kalt lächelnd auf ihre Kontoauszüge, wenn mal wieder auf den Schlager eingedroschen wird.

Last but not least, Helene Fischer singt nicht bloß Schlager, sie interpretiert auch sehr erfolgreich genreübergreifend. Und füllt Stadien. Haters gonna hate, haben hier aber keinen Punkt. Ach ja, zwei Echos hat sie auch noch mitgenommen.

Aber weiter im Programm. Wer durfte sich über einen Echo freuen? Die Toten Hosen, Lana del Rey, Cro, Unheilig, Linking Park, Ivy Quainoo…

Unheilig! Belanglose Texte, die mich an diese ganzen Sinnsprüche auf Facebook erinnern. Kombiniert mit Schwachsinn. Bei Unheilig muss ich immer an Dokus auf RTLII denken, die mit der Stimme des Grafen unterlegt sind…

Ivy Quainoo. Who? Beste deutsche Künstlerin Rock/Pop national. Und das mit nur einer einzigen Single (die zugegeben, gar nicht schlecht ist). Aber kennt irgendwer noch was anderes von ihr?

Lana del Rey, gehts es noch belangloser? Nuff said.

Cro. Wieso wird eigentlich immer behauptet, der Typ sei Rapper? Der Vogel macht seichten Pop. Ohne seine dämliche Pandamaske wäre er längst wieder aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt. Und das zu Recht!

Die Toten Hosen. Sehe ich differenziert. An Tagen wie diesen ist Hammer, hands down. Aber auch hier sehe ich wieder zu viele Hipster am Werk, die da ironisch mal reinhören… Dennoch, Musik mit Ecken und Kanten, die mal nicht im seichten Radiogedudel untergeht…

Linkin Park. Fand ich früher den absoluten Kracher! Aber spätestens seit dem seichten Transformers-Soundtrack frage ich mich, was im Privatleben der Jungs passiert ist, dass sie nun auch nur noch harmlose Popmusik absondern…

Wer durfte auftreten? David Garret vorne weg. Sein Gefidel zu loopen war ja ganz cool. Aber leider fällt dem Kollegen ausser speckigen Stiefeln, kaputten Jeans und Sakko imagetechnisch in den letzten Jahres nichts Neues ein. Schade eigentlich, aber die gleiche Masche zu reiten, bis der Gaul tot ist, hat noch niemandem lange geholfen. Ach ja, einen ECHO hat er auch noch abgestaubt

Hurts. Warum?

Seeed. Können mitreissende Kracher, die die Massen zum Kochen bringen. Können aber auch uninspirierten Rotz, so wie gestern Abend. Schade eigentlich.

Depeche Mode. Markierten für mich den Schlusspunkt des Abends. Soviel Blablabla konnte ich dann einfach nicht mehr ertragen. Der Aufritt war mit viel Spannung erwartet worden. Aber es fühlte sich dann doch nur … belanglos an. Das Lied ging links rein, rechts raus. Den Rest dieses ach so glamorösen Abends habe ich dann leider verpasst.

Nach ein paar Stunden Echo fühlte ich mich, als wenn ich den Abend vor dem Radio mit einer beliebigen Morning Show verbracht hätte.

Vielleicht gehöre ich ja auch zu den Hatern, aber nach gestern Abend weiß ich einmal mehr, warum ich mich lieber an die Klassiker halte.

Und offenbar bin ich Helene Fischer-Apologet. WTF? Das ist ja wie Psychoanalyse hier…

P.S.: Das schönste Zitat zum ECHO hat definitv SPIEGEL Online gebracht. Wie ja mehrheitlich bekannt, wurde die südtiroler Patriotenkombo Frei.Wild von der Veranstaltung ausgeschlossen, da sie doch ziemlich nach rechtem Rand klingen sollen. Zitat: „Frei.Wild hatten sich anschließend dagegen verwahrt, von ihren Kritikern in die Nähe von rechtem Gedankengut gerückt zu werden. Unterstützung bekamen sie von der NPD, die eine Mahnwache für Frei.Wild ankündigte.“ Die Ironie dieses Satzes liess mich Tränen lachen…

Vater werden ist nicht schwer…

Vater sein, dagegen sehr. Es ist die größte Herausforderung meines Lebens. Und eine Anleitung gibt es nicht.

Ich hatte jetzt nicht den einfachsten Start ins Leben. Mancher mag sagen, dass sei nun Jammern auf sehr hohem Niveau, schließlich hat es mir weder an Zuwendung noch Materiellem gefehlt. Ich hatte die Chance auf eine gute Schulbildung, eigentlich hatte ich alles, was notwendig war. Und noch mehr.

Aber irgendwas fehlte.

Die Elternhäuser meine damaligen Freunde waren augenscheinlich alle intakt. Mama, Papa, Kind, alles am Start. Das waren noch Zeiten, bevor kaputte Elternhäuser en Vouge waren. Wirklich? Die meisten Ehen der Eltern meiner Freunde sind mittlerweile aus verschiedensten Gründen Geschichte. War wohl doch nicht alles cool. Aber auf mich wirkte es so. Und dann fragt ich mich: Warum ist das bei mir nicht so?

Wieso haben meine Freunde alle einen Papa? Ich aber nicht?

Versteht mich nicht falsch, es mangelte nicht an einem männlichen Vorbild. Mein Großvater hat sich alle Mühe gegeben, den Vater zu ersetzen und er hat seine Sache gut gemacht. Aber es ist schon ein Unterschied, ob man mit seinem Großvater unterwegs ist…oder seinem Vater.

Damals fehlte mir einfach der Anschein von Normal. Heute fehlt mir etwas viel Entscheidenderes…Herkunft, Identität, ein direktes Vorbild. Denn ich bin auch Vater jetzt. Und auch wenn mein Großvater sich alle Mühe gegeben hat, ist da doch eine Generation übersprungen worden.

Könnte ich meinen Vater nicht einfach fragen?

Das dürfte schwer werden. Meine Mutter hatte nach einiger Zeit, ich war 6, einen anderen Mann geheiratet, der mich auch adoptiert hat. So wurde mein Erzeuger sogar aus meiner Geburtsurkunde getilgt. Leider hielt das nicht all zu lange. Und dieser Vormund ist leider als Vorbild in keinster Weise zu gebrauchen gewesen. Und zudem weilt er mittlerweile nicht mehr unter uns. Also weitersuchen.

Wie mein Erzeuger heißt, weiß ich. Ich weiß ungefähr, wo er wohnt. Und zumindest weiß ich, wie er bei meiner Geburt aussah. Von Fotos von früher weiß ich auch, dass er mich mindestens einmal besucht hat. Warum es dabei blieb, ist eine ganz andere Geschichte, die ich selbst noch nicht wirklich kenne.

Aber nun gut, diese Möglichkeit scheidet also auch aus. Und da sich Prominente nur sehr bedingt als Vorbilder eigenen und in meinem Freundeskreis Väter eher die Ausnahme sind, bin ich wohl auf mich allein gestellt.

Kinder habe ich zwei. 5 Jahre alt der Bub und 2 Jahre das Mädchen. Quasi muss ich gleich zwei Rollenprofilen gerecht werden. Und das ohne guten Vorturner. Kennt ihr das Gefühl: Ihr seid über 30 und denkt euch manchmal „Jetzt müsste man einen Erwachsenen fragen!“ Tja, ich habe News für uns, die Erwachsenen sind wir. Also ran an die Aufgabe.

Natürlich habe ich gewisse Vorstellungen, was ich für meine Kinder möchte, wie sie sich in meiner Utopie entwickeln. Das Ziel ist also gar nicht so sehr das Problem. Es ist der Weg. Schon beim Thema Ernährung türmen sich schier unüberwindbare Hindernisse auf. Klar, ich kann meinen Kindern vormachen, dass Gemüse das Coolste auf der Welt ist. Es ändert nichts daran, dass sie mehr der Nahrungsmittelindustrie glauben und somit Pommes für die Krone der kulinarischen Schöpfung halten. Und ich kann die beiden ja schlecht mit Gewalt zwingen, ihr Gemüse aufzuessen. Zwang soll in der Erziehung ja eh verteufelt sein. Oder doch nicht? Ich verliere da den Überblick, was mir privilegierte weiße Vollzeithausfrauen vorschreiben wollen, wie das perfekte Kind gelingt.

Und so setzt sich die Reihe munter fort. Meine Kinder können weder einer gewissen Zimmerordnung, noch regelmäßigen Schlafenszeiten oder gar dem banalen Zähneputzen einen übermäßigen Reiz abgewinnen. Und glaubt mir, ich halte nichts von Antiautorität! Nachdem gutes Zureden nicht half, habe ich meinen Standpunkt auch in deutlichen Worten vertreten. Ignoriert wurde ich trotzdem.

(Bevor jetzt der ein oder andere das Jugendamt anrufen will: Die Kinder sind nicht mangelernährt, vegetieren nicht im Chaos und haben heile Zähne)

Auch sind meine Kinder regelmäßig von selektiver Taubheit geschlagen. (Sohn, gehst Du bitte Zähne putzen! Tochter, wirfst Du Dein Essen bitte nicht auf den Boden!) Aber das haben sie von ihrer Mutter, beispielsweise, wenn‘s um das Thema „Ordnung im Familienkombi“ geht. Apropos Schlagen. Die regelmäßige Ohrfeige war noch durchaus Teil meiner Kindheit. Weder habe ich davon einen psychischen Schaden davon getragen, noch hat es mich zu einem tyrannischen Schläger gemacht. Dennoch bin ich durchaus dafür, dass Kinder NICHT körperlich gezüchtigt werden. Zwar kann ich nicht verhehlen, dass beide schon einmal einen Klaps auf die Finger bekommen haben. Aber das ist weder fester Bestandteil meines Erziehungsreportoires, noch hat es irgendetwas gebracht. Und besonders mein Sohn kann ein Lied davon singen, dass Papa auch mal sehr, sehr laut werden kann, wenn gerade alles zu viel wurde und konstantes Reden und Bitten und Verhandeln nichts mehr brachte.

Aber sagt das nicht eher etwas über mich, als das „Fehlverhalten“ meiner Kinder aus? Ja natürlich. Wenn ich mich vergesse und wie ein HB-Männchen anlaufe (kennt das eigentlich noch irgendwer?), zeigt das nur meine persönliche Überforderung mit der Situation. ICH weiß dann nicht weiter. Und wenn ich schon daran verzweifle, dass ich Sohnemann bitte, NICHT den Wohnzimmertisch zu bemalen und er noch während er nicht eben selbiges tut (was im Übrigen ja kein Weltuntergang ist…eigentlich…), wie soll ich ihn dann erfolgreich auf ein Leben in dieser ständig furchtbarer werdenden Welt vorbereiten…besonders, wenn ich keinen Vater mehr habe, den ich um Rat fragen könnte? (Der geneigte Leser wird sich erinnern, dass mein Großvater nicht mehr Herr seiner Sinne ist.) Wie soll ich es hinbekommen, dass beide gut in der Schule sind, sportlich, beliebt bei ihren Freunden, höflich zu allen Menschen, diszipliniert, erfolgreich im Beruf…..?????

Wie soll ich es hinbekommen, dass sie sich respektvoll gegenüber der Natur verhalten, die Schönheit dieser Welt zu schätzen wissen und die Notwendig der Bewahrung eben dieser verinnerlichen?

Wie soll ich das alles schaffen? Besonders, wenn ich es an mir selbst nicht geschafft habe?

Und wie verhalte ich mich richtig, wenn es den Kinder nicht gut geht? Sage ich meinem Sohn, er soll gefälligst ein richtiger Kerl sein, unter dem Bett gibt es keine Monster, er soll sich nicht so mädchenhaft anstellen? Oder nehme ich sein Wesen an und akzeptiere es, falls er sehr sensibel ist?

Und was zur Hölle gebe ich meiner Tochter mit? Die wickelt mich jetzt schon ständig um den Finger. Sobald Prinzesschen eine Flunsch zieht, erfüllt Papa ihr jeden Wunsch! Und wird sie es verstehen, wenn Papa ihrem ersten Freund einfach mal spontan aufs Maul haut?

Und dann das Thema Spielzeug. Wann ist es genug und macht man mit zu viel etwas falsch? Ich verwöhne meine Kinder nämlich unheimlich gerne. Nur irgendwie habe ich das Gefühl, dass es da wieder nur um mich geht. Ich könnte mir vorstellen, dass ich bislang nur deshalb lockere 500,00 € in CARS-Autos investiert habe, weil in Wirklichkeit ICH den Überfluss will.

Es gibt so viele Fragen, die man als Vater hat. Und keine Anlaufstelle der Weisheit zu haben, macht es nicht einfacher. Höre ich auf mein Bauchgefühl? Auf Bücher? Auf Filme? Wie lerne ich, damit umzugehen, wenn sie mich mal nicht mehr brauchen? Wie gehe ich damit um, wenn sie Sorgen, Kummer, Schmerzen haben? Wie werde ich der perfekte Vater?

Ich fürchte, die Antwort können meine Kinder mir erst dann geben, wenn sie selbst Kinder haben. Entweder, sie versuchen sich an der Erziehung so, wie ich es Ihnen vorgelebt habe. Oder sie machen alles anders. Bis dahin werde ich nur auf mein Bauchgefühl vertrauen können, auf das, was ich für richtig halte. Dabei muss ich aber eine Linie finden, eine Linie, an der sich meine Kinder orientieren. Eine Linie, die mich zum Vorbild macht. Zu dem Vorbild, das mir im Moment fehlt.

20130313-175159.jpg

Böse Mietzekatze

Skandal! Hauskatzen bedrohen die Artenvielfalt!

Ich habe heute im aktuellen SPIEGEL einen selten dämlichen Artikel über Katzen gelesen, sh. diesen Link.

Der Autor Marco Evers kommt zu dem Schluss, dass Katzen gemeingefährliche Killer sind, die nur zum Spaß töten und den, das ist die Kernthese, Singvogelbestand der Welt nahezu im Alleingang ausrotten. Zwar werden am Rande auch Fensterscheiben, Rotorblätter, Pestizid, Viren und Autos als Feinde der Singvögel identifiziert. Aber nein, Todesursache Nummer 1 für die armen Flatterwesen sei die Hauskatze.

Diese würde ausschließlich zum Spaß töten, sei ein Attentäter, schlicht das personifizierte Böse, dass daheim bei seinen Menschen die putzige Mieze nur spiele.

Ich bin mir nun nicht sicher, ob der Autor tatsächlich seinem Hass auf die Katze freie Lauf lässt oder ob das Geschreibsel vielleicht Satire sein soll?

Auch als Katzenbesitzer mache ich mir nichts vor, so niedlich meine beiden Fellbälle zu Haus sind, so wenig Gnade lässt die Rasse tatsächlich in der freien Natur walten. (Zur Rettung meiner beiden sei gesagt, dass sie den gefährlichen Killer nur markieren, so lang eine Scheibe zwischen Ihnen und dem „Opfer“ ist. Für die Jagd zeigen beide erstaunlich wenig Talent.) Und selbstredend erkenne ich an, dass Katzen tatsächlich nicht bloß zur Nahrungssuche auf die Jagd gehen und so mit ihrem Spieltrieb eine Gefahr für Vögel darstellen. Aber gleich als Global Killer? Also wirklich!

Der Vollständigkeit halber fügt der SPIEGEL auch an, dass auf das Konto der Katzen auch Wirbeltiere gehen. Dieser Strang wird aber gar nicht weiter aufgenommen. Obwohl dort die Kehrseite der Medaille beschrieben würde. DENN: In den Fängen von Katzen landen genauso Ratten und Mäuse. Und auch dieses Getier haben wir, hier und da zu Recht, als Feind der Menschheit erkannt.

Wenn wir also nun dem mehr oder minder versteckten Aufruf des Autors folgen, und die Anzahl der Katzen drastisch reduzieren (was bei streunenden Katzen ehrlicherweise auch nicht vollständig verkehrt wäre), würden wir im gleichen Maße die Zahl der „Schädlinge“ erhöhen. Ob uns das dann wirklich besser gefällt?

Interessant finde ich auch, dass hier glühend alle Art von Singvogel wacker verteidigt wird. Ein solches Engagement würde ich mir für andere Arten auch wünschen. Wale, Nashörner, Tiger (ach nee, sind ja auch Katzen), etc. Und es ist doch erfrischend, dass den Schreiberlingen immer neue Bedrohungen der Artenvielfalt einfallen aber der wirkliche Global Killer mal wieder ungeschoren davon kommt. Dieser Killer hat mehr Arten ausgerottet, als es der Hauskatze jemals möglich sein wird.

Dieser Killer sind wir, der Mensch!


P.S. Nur so am Rande sei erwähnt, dass im Mittelmeerraum Sing- und Zugvögel gezielt gefangen werden. Zum Verzehr. Von Menschen.