Deppen in der Bahn

Wollen Sie wirklich, dass ich von Ihrer Blasenentzündung und Ihrem Scheidenpilz weiß? Nein? Warum erzählen Sie es mir dann? Jeden Tag! In der Bahn!

Als Berufspendler bekomme ich viel mit. Mehr, als mir lieb ist. Tag für Tag erzählen mir wildfremde Menschen, was für Zipperlein sie plagen. Oder welchen Deal sie abschließen. Oder wen die Mandy jetzt wieder gefickt hat. Ich will das eigentlich gar nicht wissen. Und ich frage mich: WARUM?

Was ist mit dem persönlichen Schamgefühl passiert? Und ich meine jetzt nicht die Pseudoentblössung im www, sondern ganz handfest, im richtigen Leben. Warum glaubt jemand, der in einer vollbesetzten Bahn lautstark telefoniert, dass ihm keiner zuhört? Und warum ist ihm das nicht peinlich? Ich habe sehr häufig Fremdschämattacken, wenn ich unfreiwilliger Zeuge von Herzileins Verdauungsproblemen werde.

Aber das „Beste“ passierte mir letzte Woche. S-Bahn Richtung Hauptbahnhof. Zwei offensichtlich fest im Business stehende junge Hipster steigen zu und parlieren über die aktuelle Krankheitshistorie. Er Gerstenkorn, sie Blasenentzündung. Anhand Kleidung und Ausdrucksvermögende schlussfolgerte ich, dass es um Einkommen und Bildung gut bestellt ist. Man könnte eigentlich meinen, dass es sich nicht um den typischen Bahnwaggonalleinunterhalter hielt. Falsch gedacht.

Während also die beiden munter ihre Wehwehchen ausdiskutierten und mein Mageninhalt sich langsam aber sicher nach Norden bewegte, kam ich nicht umhin, zu bemerken, dass diese beiden Vollpfosten auch mit dem unverzichtbaren Accessoire der Pendler ausgestattet waren – dem Kopfhörer. Nun baumelte diese nicht lockerlässig um den Hals, NEIN, die beiden Spastmaten hatten ihre modischen beats-Lauscher (die nebenbei bemerkt einen gewissen Neid bei mir hervorriefen, aber das ist ein anderes Thema) AUF DEN OHREN. Und bei näherer Betrachtung kam da auch noch Musik raus. Mir fiel dazu erst mal nichts ein. Da brüllten die beiden Deppen den Waggon zusammen, weil sie zu (passendes Wort einsetzen) waren, ihre Kopfhörer abzunehmen. Ich hatte das Bedürfnis, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen. Oder deren, wäre vielleicht sinnhafter.

Aber es geht auch ohne technische Hindernisse. Erst kürzlich hatte ich das Vergnügen, ein 20-minütige Heimfahrt mit zwei sympathischen jungen Damen zu verbringen. Nenne wir sie Schakeline und Chantalle. Die beiden Zuckermäuse waren so nett, mir einen Schwank aus ihrer – verkorksten – Jugend zu erzählen. Nur leider war ich wohl gar nicht gemeint, denn ich saß ja gute 5 Meter weit weg. Dennoch konnte ich diesem wunderbaren Dialog der beiden lauschen. Wenn es mich bei den Herren schon tierisch nervt, wenn jeder Satz mit Alder, Digga, krassgeil, etc – in natürlich möglichst breiter Aussprache – garniert wird, so ruft die Nutzung von jungen Damen bei mir Schreikrämpfe hervor. Vergleiche hierzu auch Crackhuren.

Nun, die beiden waren offensichtlich zuletzt in einer Einrichtung namens come in gewesen. Im weiteren Verlauf konnte ich den Gebrauch von „ficken“ nicht immer ganz einordnen. Ich glaube verstanden zu haben, dass es etwas anderes ist, wenn sie von den Aufpassern gef…. wurden, als wenn sie von Jerome gef… wurden. Ich bin mir da aber nicht ganz sicher.

Nun, Chantalle ist noch immer entrüstet, dass sie in diesem Laden weder Extensions tragen durfte, noch künstliche Nägel oder zu viel Make up. Wie unmenschlich! Außerdem kanns ja wohl nicht sein, dass man dazu genötigt werden, seine Highheels abzugeben und- gottbewahre – für die Schule lernen mussten sie auch. Chantalle warf auch noch ein, dass ihr Körper früher so krassgeil gewesen sei, ey! DA musste ich mich doch glatt mal umdrehen. Und nun ja, übel aussehen tat die Gute nicht. Als nächstes bemerkte Schakeline, dass Chantalle ja nun wenigstens nicht mehr anschaffen gehen müsste. Da musste ich mich doch schmunzelnd wieder umdrehen. Chantalle ihrerseits merkte jedoch an, dass das eigentlich schon ganz geil gewesen sei. Meine Gesichtszüge entgleisten. Notiz an mich selbst: Auf meine Tochter besser aufpassen.

Hätten die beiden das nicht in einem nachgemachten Migrationshintergrundslang verkündet, wäre das ja noch ganz unterhaltsam gewesen.

Aber lange Rede, kurzer Sinn. Was ist so verdammt schwer daran, seinen Gedankenmüll zumindest lautstärketechnisch ein wenig mehr bei sich zu behalten?

Wetten, dass…?

Wetten, dass…? kann machen was es will. Es scheint Staatsräson zu sein, es zu verreißen. Schade eigentlich. Denn völlig unnötig.

Ich schaue eigentlich schon immer gerne Wetten, dass…? Als Thomas Gottschalk seinen Abschied verkündete, war ich geschockt. Ja, ehrlich. Auch konnte ich nicht verstehen, dass er sagt, nach dem Unfall seines Kandidaten kann es nicht weitergehen. Dennoch machte er noch mehrere Sendungen. Hm? Sag doch einfach, dass Du keinen Bock mehr hast!

Nun also Markus Lanz. Ich war gespannt. Und musste nach nur kurzer Zeit feststellen: Ja, gefällt mir. Im Gegensatz zu den Kritiken fand ich ihn nicht zu angestrengt, sein zurückhaltendes Outfit wohltuend.Die Wetten hätte er besser vorbereiten können, da fehlte Michelle Hunziker schmerzhaft. Beeindruckt hat er mich bei der Zuschauerchallenge. 30 Liegstütz mit Bierkasten ist mal ne Ansage. Besonders, wenn der Gegner im Vergleich aussieht, wie Hulk.

Überflüssig war Cindy. DU. BIST. NICHT. LUSTIG! Geh weg, bitte! nuff said.

Überflüssig war auch Karl Lagerfeld. Wie immer unterhielt er sich lieber off Record mit den echten Stars, hier J.Lo, als dem Sendungsverlauf zu folgen. Seht her, wie wichtig ich bin! Ja, genau.

Die Wetten waren eher wie immer, belanglos, aber unterhaltsam. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich beim Traktor echt gepackt war…bis er nach wenigen Sekunden verloren hatte. Der Wakeboarder hinterm Achter war auch nicht schlecht. Die Hundefell-Trulla war höchst anstregenden. Die Hirnleistung der Kinderwette war beeindruckend. Aber Mama und Papa hätten mit Sohnemann gerne an seiner nur 1x niedlichen Aussprache arbeiten können.

Auch wenn der große Kasper nicht mehr dabei ist, versammel ich mich gerne am Lagerfeuer der TV-Nation. Die Alternativen? Das Supertalent? Eine unerträgliche Nummernrevue Hartz4-beziehender Inselbegabter. Auch wenn die Begabungen einiger leider nur die ist, einen Scheisshaufen zu imitieren.Aber offenbar der Zielgruppe angemessen.

Das Konzept und den Sinn dieser Sendung habe ich nie verstanden. Wird eigentlich die Sendung immer noch aus mehreren Castings zusammen geschnitten. Und wie ist das eigentlich mit den offensichtlich eingekauften Acts? Die kommen irgendwie nie ins Finale, obwohl sie doch viel besser sind. Wie gesagt, die Sendung entzieht sich mir…

Die bessere Unterhaltung ist ganz klar Wetten, dass…? Tut niemandem weh, bietet für fast alle etwas. Und hat dank HD auch das bessere Bild. 🙂

Nur den Blödbommel Cro hätte man sich sparen können…

Massaker in Taiji

Jedes Jahr spielt sich in Taiji, Japan, das gleiche grausame Drama ab. Delfine und Wale werden per Treibjagd in eine nicht einsehbare Bucht getrieben und dort wahlwiese abgeschlachtet oder an Delphinarien verkauft.

Oftmals vergehen zwischen der Jagd und dem endgültigen Schicksal mehrere Tage. In diesen Tagen sind die Tiere furchtbarem Stress ausgesetzt, zusammengepfercht in einer kleinen Bucht. Dann und wann haben ein paar Tiere „Glück“ und werden nach einiger Zeit in die Freiheit entlassen. Oftmals schwer traumatisiert, herausgerissen aus ihrem Familienverbund, oftmals getrennt von Eltern- oder Jungtieren.

Viele sterben noch Tage später, obgleich befreit, an den Spätfolgen. Auch viele der selektierten Tiere, die verkauft werden sollen, sterben an den Folgen des Stress‘.

Diese grausame Treiben spielt sich dort jedes Jahr ab, von September bis März. Angeblich sei das Tradition. Was für ein Bullshit! Erst seit den 1970ern wird alljährlich diese Treibjagd abgehalten.

Und selbst wenn. Auch Sklaverei hat eine lange Tradition. Trotzdem hat man erkannt, dass es falsch ist und es abgeschafft. Nicht so hier. Was erzählen diese Männer eigentlich abends ihren Kindern, was sie tagsüber gemacht haben?

Viele haben den Film „The Cove“ gesehen, sich kurz empört und dann…gar nichts.

Nur Sea Shepherd tut etwas. Nun kann nicht jeder gleich nach Japan fahren und vor Ort protestieren. Informiert euch dennoch bei Sea Shepherd, was jeder einzelne tun kann.

Der Mittagstisch

Wenn ich essen gehe, erwarte ich in erster Linie eines: zufriedenstellenden Service. Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, oder?

Heute Mittag beispielsweise, ich war mit Kollegen in einem Restaurant, der Gerüchteküche, dass sich auf frische Burger als Mittagstisch spezialisiert hat. Das Essen dort ist sehr lecker, die Portionen ausreichend, das Ambiente ansprechend. Rahmendaten stimmen schon mal. Auch durften wir relativ flott bestellen. Aber jetzt geht’s los.

Normalerweise wird als Vorspeise Fladenbrot mit Dip gereicht. Uns nicht. Schade. Aber da will ich mich noch nicht beschweren, geschenkter Gaul und so. ABER: Dass mein Getränk nicht kommt, ärgert mich schon.

Dann kommt auch schon das Essen und ich reklamiere den ausbleibenden Drink. Einzig akzeptable Antwort: „Entschuldigen Sie bitte, ich bringe Ihr Getränk sofort.“ Hätte ich erwartet. Stattdessen hörte ich: „Es ist sehr viel zu tun und ich bin allein.“ Nun, dass es voll ist freut mich, spült es doch Umsatz rein. Dass die Servicekraft allein ist, ist zwar bedauerlich aber mir gleichzeitig vollkommen schnuppe.

Dennoch hätte ich erwartet, dass mein Getränk sofort und ohne Umweg kommt, besonders, da ich mich ja nun beschwert habe.

Tja, falsch gedacht.

Wir waren gerade fertig, DA kam sie dann endlich mit meiner Cola. Lange, nachdem ich den Ausbleib reklamiert hatte. Dass sie nicht weiter überrascht war, dass ich das nicht mehr haben wollte, machte die Sache noch ärgerlicher!

Aber stattdessen, mir das Getränk aufs Haus anzubieten – als kleine Wiedergutmachung – , nahm sie lieber wieder mit, ums wegzuschütten.

Warum hat mir diese arme gebeutelte Servicekraft mir mein Getränk nicht sofort gebracht, nachdem ich den Ausbleib reklamierte? Stattdessen brachte sie lieber dem Nachbartisch das Essen. Da die Gäste dort nach uns gekommen waren, wäre es dich wohl vertretbar gewesen, erst unseren Tisch zu Ende zu bedienen.

Und wieso beschäftigt der Laden eine „Servicekraft“, die weder mehr als zwei Teller gleichzeitig tragen kann, noch in der Lage ist, Prioritäten zu setzen?

Was lernen wir daraus? Wenn mein Kunde sich beschwert, gibt er mir die Chance, einen Mangel zu beseitigen und seine Zufriedenheit wieder herzustellen.

Wenn ich diese Chance ungenutzt lasse, habe ich wahrscheinlich einen Kunden verloren.

Wie dumm, dabei hat er mir doch gesagt, wie ich ihn behalten kann.

Wahlkampf

Steinbrück soll’s nun also richten für die SPD. Und warum auch nicht. Wir taumeln von Krise zu Krise und eine Besserung ist nicht in Sicht. Frische Ideen sind Willkommen.

La Merkel ist zwar bei Bürgertum und Pöbel gleichermaßen beliebt. Aber nicht nur dem informierten Mediengestalter sondern auch der Schakeline sollte aufgefallen sein, dass irgendwie nichts besser wird.

Hat Mutti die Antworten, die wir brauchen? Doubt that. Mutti will an der Macht bleiben. Dass sie unseren Nutzen mehren und Schaden von uns wenden will, vermag ich schon lange nicht mehr zu erkennen.

Steinbrück also? Markige Thesen zur Regulierung des Finanzmarktes hat er ja schon mal. Aber reicht das? Jetzt muss er sich positionieren. Was ist mit Kita-Ausbau, Frauenquote, Ehegattensplitting, Schulreform?

Ich erwarte so langsame mal wieder echte Innenpolitik! Nett, dass wir wieder drölf Milliarden in Griechenland versenken aber man kann die eigene Bevölkerung nicht endlos on hold packen!

Was ich an Steinbrück schätze: offenbar hat er kein Problem damit, anzuecken. Er führt das offene Wort und macht klare Kante! Oder hat er mit das nur suggeriert?

Ich will jemanden mit Rückgrat an der Spitze, der klare Standpunkte hat und dazu klare Worte findet. Er darf gerne populistische Züge haben, wenn er Inhalte liefert. Ich will einen Kanzler, bei dem ich das Gefühl habe, dass ich gebeutelter Mittelschichtler (noch!) mindestens ebenso wichtig bin, wie Griechenland, konsensunwillige Nahostler oder ein Sack Reis. Und wenn ich ehrlich bin, eigentlich will ich sogar wichtiger sein.

Ich bin gespannt.

Tadaa!

Lange habe ich darüber nachgedacht, jetzt hab ichs wohl getan:  Auch ich gehe unter die blogger. Manchmal reichen 140 zeichen einfach nicht aus.

Mal sehen, wie das hier wird. Freut euch auf Beiträge zu Politik, Gesellschaft, Umweltschutz (insb. der Ozeane), Sport und den täglichen Krampf des ÖPNV. Und auf sonst (fast) alles, was mich beschäftigt.

Jetzt fragt ihr euch zurecht: Hat darauf die Welt gewartet? Noch jemand, der seine Umwelt mit seinen geistigen Ergüssen zwangsbeglücken möchte? Wahrscheinlich nicht! Aber hey, hier wird ja niemand zu nichts gezwungen.
Seid nachsichtig mit meinen ersten Schritten. Stay tuned!