Wenn einer eine Reise tut – Weekend Warriors im Harz

Vor längerem schon hatte ich mein SUP-Board gegen ein Mountainbike eingetauscht. Aber so richtig gefordert wurde das Teil bislang nicht. Da kam die Idee eines Freundes gerade recht. „Was hältst Du davon, wenn wir am Wochenende in den Harz fahren und ein wenig durch die Berge shredden?“

Da wurde nicht lange überlegt. Hotel gebucht, Bike aufs Auto und ab ging‘s!

Das Wetter versprach herrlich zu werden. Zwar starteten wir morgens noch bei Wolken. Aber je näher wir dem Ziel kamen, desto besser wurde es. Und nach ungefähr 4 Stunden hatten wir unser Ziel erreicht. Das Alte Forsthaus in Braunlage. Lage perfekt, direkt an der Talstation der Seilbahn. Da unser Zimmer noch nicht frei war, erkundeten wir zunächst den Ort. Der ist recht…piefig. Naja, vielleicht investieren Sie ja noch mal in ein modernes Stadtbild. Aber das war uns auch ein wenig wurscht, waren ja nicht zum

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Mittagessen beim Griechen

Sightseeing hier. Da es nun aber auch mittags war, knurrte der Magen und wir kehrten bei einem Griechen ein.

Ordentlich gestärkt ging‘s erst mal zum Bikeverleih, wo wir noch ein Hardtail für meinen Kumpel gemietet hatten. Huby Eimbeck von Harz Vital stattete uns noch mit einer Tour aus. Mittlerweile brannte die Sonne vom Himmel und ich wollte endlich aufs Bike.

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Aufstieg von der Talstation

Zurück im Hotel waren die Zimmer immer noch nicht frei. Also schnell auf der Toilette umziehen, einen Kaffee zur Stärkung und endlich ging es los. Tour B2, Achtermann Spezial. Von der Talstation ging es vorbei an der Skisprungschanze erst mal den Berg hoch. Ordentlich Strecke, bei ordentlich Steigung. Das war ich nicht gewohnt. Mein Herz auch nicht. Und so stieg der Puls gleich mal auf 170. Oha! Aber irgendwann ging es dann und die Strecke führte über ein malerisches Bächlein in den Wald hinein. Aber der nächste Anstieg ließ nicht lange auf sich warten. Na gut, schließlich mussten wir erst mal ein paar hundert

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Bärenbrück

Höhenmeter nach oben. Mal steiler, mal weniger steil. Aber immer nach oben. Nach gerade mal 6 Kilometern Strecke (aber 400 Höhenmetern)

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Aufstieg zum Achtermann

standen wir am Fuß der Achtermannshöhe. Zum Gipfel ging es aber nur per Pedes. Über eine fiese Natursteintreppe. Ich war eigentlich schön völlig fertig (und es folgten noch über 20 KM im Sattel) aber ich kämpfte mich den Berg hoch und wurde mit einem grandiosen Blick über den Harz belohnt. Traumhaft. Aber wir waren ja nicht nur für die Aussicht hier. Also, wieder auf die Bikes.

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Blick vom Achtermann

Und endlich stimmte für mich die Richtung: runter! Leider bogen wir falsch ab und standen auf einmal vor einem Geröllfeld. Herrlich, das war eine Herausforderung nach meinem Geschmack. Nach Geröll folgte ein Bachbett und dann das Hochmoor. Aber die Abfahrt war dennoch toll! Kurz darauf waren wir wieder einige Meter weiter unten und machten uns auf zum Oderteich. Hier erwartete uns noch mehr

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Oderteich

Moor und Matsch und ein gar nicht mal so einfach zu fahrender Wurzeltrail. Aber auch hier gab‘s wieder Belohnung. Ein tolles Plätzchen am Oderteich mit einer traumhaften Herbstlandschaft.

Der nächste Stopp sollten die Hahnenkleeklippen werden. Und da wir mittlerweile wieder recht weit unten waren, war hier nun wieder kurbeln angesagt. Zunächst auf Schotter. Aber die letzten Meter zu den Klippen

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Hahnenklee-Klippen

wieder auf Wurzeln. Was haben meine Beine gebrannt. Mein Wasser war leer, der Tank eigentlich auch. Aber wieder, ein grandioses Naturschauspiel, der Blick ins waldige Tal. Atemberaubend.

Die nächste Etappe führte wieder weit runter. Über einen geteerten Weg. Also, Lockout zu und Abfahrt. 60 Km/h, so schnell war ich noch nie auf dem Rad unterwegs. Und das minutenlang. Unglaublich. Unten wartete dann der Silberteich auf uns und eine weitere herausfordernde Passage über Wurzeln. Und es gilt die alte Weisheit: Was runter kommt, muss auch wieder rauf. Noch ein Anstieg, die Beine waren ja noch nicht genug gefordert.

IMG_6076Der Weg folgte nun dem Naturmythenpfad. Aber der Blick aufs GPS sagte uns, dass wir uns dem Ende der heutigen Tour näherten. Vorher ging‘s aber noch mal einen matschigen Anstieg durch den Wald hoch. Belohnt wurden wir dann allerdings durch eine sanfte Abfahrt direkt zum Hotel, wo wir schmutzig und ausgelaugt ankamen.

Endlich war auch das Zimmer frei und die heiße Dusche einfach einIMG_6081 Traum.

Befreit vom Schlamm machte sich nun der leere Magen bemerkbar. Da wir uns nicht rechtzeitig um einen Tisch gekümmert hatten, blieb nur die Bar im 51°Nord Steakhouse. Auch wenn die Steaks dort echt köstlich aussahen, entschieden wir uns

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Hirschburger im 51°Nord

für einen Hirschburger. Sehr anders, sehr lecker! Pappsatt stiefelten wir durch den Ort zurück, nahmen unterwegs noch einen Absacker (oder zwei) und lagen um 22:00 Uhr vollkommen fertig auf der Couch. Im Livestream verfolgten wir noch ein wenig den Ironman auf Hawaii und schmiedeten Pläne für morgen. Es sollte wohl Richtung Brocken gehen. Das würde ne ganz schön anstrengende Kurbelei werden, mit einer 20 minütigen Highspeedabfahrt am Schluss. Ich war nicht überzeugt. Zunächst war aber um 23:00 Uhr schon Bettruhe, wir waren einfach zu platt.

Der Morgen begann mit einem ordentlichen Frühstücksbuffet, strahlendem Sonnenschein und einem neuen Plan. Wir würden hierbleiben und uns nach dem Achtermann gestern nun heute den Wurmberg vornehmen. Und da gab’s ein Schmankerl für mich: die Seilbahn!

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Auf dem Wurmberg

Während mein Kumpel den Berg hochstrampelte, verlud ich entspannt das Bike in eine Gondel und ließ mich sanft nach oben tragen. Unterwegs konnte ich einen Blick auf ein paar Trails des Bikeparks werfen und bekam richtig Lust, dort mal abzufahren. Aber für heute stand die Tour B1 auf dem Programm. Von der Bergstation ging‘s zunächst steil abwärts und dann entspannt in der Ebene. Es folgte jedoch ein zünftiger Geröll- und Wurzeltrail. Darauf folgte dann meine Nemesis: Ein Anstieg. Ohne Pause und Banane war der nicht zu bewältigen fürIMG_6102 mich. Aber als wir den Dreieckigen Pfahl erreichten, ging’s dann erst mal wieder bergab, sehr schön. Über die Waldwege erreichten wir dann wieder die Flanke des Achtermann und mussten uns hier hochkämpfen. Das war definitiv der härteste Anstieg des Wochenendes. Aber what goes up, must come down. Und so erwartet uns eine lange Abfahrt über Schotter. Durch die Wälder führte der Weg wieder rüber zu den Hanhnenkleeklippen. Die ließen wir diesmal allerdings unbeachtet und fuhren gleich weiter. Wie oben geschrieben, kam an dieser Stelle ja nun wieder die lange Abfahrt. Und da wir noch weiter runter mussten, wurd‘s auch noch schneller als gestern. Wie geil!

IMG_6104Nächste Station war dann der Rinderstall. Und wie traumhaft, es ging nur bergab. So lange, wie noch nie. Über Schotter, Asphalt, Feldwege. Es war eine tolle Abfahrt. Dann waren wir unten. Auf 0 Metern über N.N. Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag! Braunlage liegt nicht auf 0 Metern! Richtig, wieder ein Anstieg. Viele Höhenmeter auf wenigen Streckenmetern, so langsam mochte ich aber echt nicht mehr. Alles tat weh. Oben angekommen kürzten wir dann ab. Noch ein wenig durch den Wald aber dann auf die Landstraße und zurück nach Braunlage.

IMG_6106Ausgelaugt aber glücklich kehrten wir wieder ins Hotel ein und

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Okertalsperre

hatten einen tollen Lunch in der Mittagssonne. Danach hieß es aber aufbrechen. Denn es stand noch ein bisschen Sightseeing auf dem Programm. Die Okertalsperre. Einfach nur beeindruckend.  Die Fahrt dahin durch die Wälder malerisch. Nun waren wir aber IMG_6112in Goslar angekommen und das Gelände wurde flacher. Heimfahrt war angesagt.

Was für ein tolles Wochenende. Top Sport, grandiose Landschaft, gute Essen. Wann fahren wir wieder los?

Auf unseren Touren und im Ort haben wir übrigens eine überwältigende Menge an einfach netten Menschen getroffen. Das waren wir aus Hamburg gar nicht gewohnt.

 

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