Du bist Ok. Ich bin Ok. Gedanken zur Nacht.

Menschen verändern sich nicht. Gleichzeitig verändern sie sich jeden Tag. Ich bin heute ein ganz anderer Mensch, als ich beispielsweise vor 20 Jahren gewesen bin. Ich habe andere Ansichten, andere Meinungen, andere Empfindungen, vielleicht sogar ein anderes Bild von mir selbst. 

Vielleicht bin ich aber noch genau so, wie ich es gestern war. Wie ich morgen sein werde. Vielleicht sind meine Ansichten und mein Selbstbildnis nur unwichtige Äußerlichkeiten. Mein Ich ist immer noch das selbe. Die gleichen Ängste. Das selbe unsichere Kind, das an die Hand genommen werden möchte, Verlust- und Kontrollangst. Das Drumherum ist größer geworden. Erwachsener. Hat gelernt, hat sich Strategien angeeignet, eine schicke Rüstung geschmiedet.

Menschen verändern sich nicht. Auch wenn ich es will, sie tun es nicht. Mir bleibt nur Akzeptanz. Den anderen mit seinen Ecken und Kanten annehmen. Wenn ich mein Gegenüber ändern will, dann kann ich nur mein Bild von ihm ändern. Ich. Nicht der andere.

Wie sieht der andere mich? Was will ich, was soll der andere sehen? Einen Schein, eine Fassade? Oder mich? Natürlich mich. Oder zumindest den Menschen, der ich gerne wäre. Letztendlich kann ich es nur sehr bedingt beeinflussen. Und warum auch? Ich bin, wie ich bin! Ha! Lebt damit. Ich gehe meinen Weg, ich mach mein Ding, mir doch egal, was ihr von mir haltet!

Nein, halt, doch nicht. Ich möchte, dass ihr mich mögt, dass ihr mich akzeptiert, wie ich bin.

Natürlich möchte ich das, wir alle möchten das. Wir wollen sein, wer wir sind. Uns bleibt auch nichts anderes übrig. Und wir wollen, dass alle anderen das akzeptieren und Verständnis für uns haben.

Warum nur fällt es uns dann aber so schwer, den anderen so wie er ist zu akzeptieren? Wenn wir doch nichts weniger für uns erwarten, nein, sogar fordern. Ich bin so, wie ich bin, lebt damit! Ja gut, aber die anderen rufen das auch. Alle tun das. Warum nur fällt es uns so schwer, das, was wir für uns einfordern, auch anderen zu gewähren?

Warum sehen wir uns gerne als jemanden, der mutig und offen die Wahrheit spricht, während wir gleichzeitig die Wahrheit über uns nicht hören wollen? Oder das, was die anderen für die Wahrheit halten? Denn Wahrheit ist immer subjektiv. Ich sehe mich so, Du siehst mich so. Und beides ist wahr.

Menschen verändern sich nicht, ihre Ur-Sache bleibt immer gleich. Uns bleibt nur die Akzeptanz. Den anderen nehmen, wie er ist. Und zu entscheiden, ob ich diesen Menschen in meinem Leben haben will. Aber wenn ich das will, kann ich nur den ganzen Menschen haben. Nicht den Teil, der mir genehm ist. Ich bekomme alles, ob ich will oder auch nicht.

Wenn ich angenommen werden will, muss ich auch annehmen. Es geht nicht anders. Denn sonst ist alles im Ungleichgewicht. Dann kann ich nicht glücklich werden. Dann werde ich immer das Schlechte finden, egal wie klein. Und werde das Schöne verpassen.

Akzeptanz. Du bist Ok. Ich bin Ok.