Über den Neid. Und warum er nichts bringt.

Smalltalk. Auf Parties. Beim Grillabend. Irgendwann können Männer wohl nicht anders und reden übers Business. Und über Geld. Da erfuhr ich Dinge, die ich nicht wissen wollte.

Kaum ein Thema, dass so mit Neid aufgeladen ist, wie das Gehalt. Natürlich wollen wir alle wissen, was unser Gegenüber verdient. Aber nicht seinetwegen. Sondern unseretwegen. Wenn wir nämlich mehr verdienen, können wir uns erhöht fühlen. Wenn aber der andere mehr verdient, dann setzen diese kleinen Stiche ein. Ich beneide, nein besser bewundere, jeden, der das Problem nicht hat.

So erfuhr ich also, dass ich im Freundeskreis eher zu den Geringverdienern gehöre. Mit teilweiser einer Gap, die ich wohl nie werde schließen können. Das machte mich innerlich rasend. Statt mich für mein Gegenüber zu freuen, war ich…neidisch. Ich will auch so viel Kohle. Das ist doch unfair. Warum darf ich nicht so viel Geld haben? Ich versuchte es ins Lächerliche zu ziehen. Haha, Ehefrau, weißt Du, dass wir näher an Hartz4 als an Kumpel XY sind? Haha, hahaha, ha. Aber eigentlich war mir gar nicht nach Scherzen zumute. Ich fühlte mich elend. Herabgesetzt. Arm.

Wie armselig!

Warum ziehe ich mich selbst so runter? Warum mache ich mich selbst so klein? Warum bewerte ich mich selbst nach Haben? Und nicht nach Sein? Wenn ich mich selbst nicht so akzeptieren kann, wie kann ich dann von anderen erwarten, mich als Mensch und nicht als Kontostand zu akzeptieren? Wie albern.

Und warum will ich mich eigentlich über andere erhöhen? Ausserdem, dass mache ich doch gar nicht (oder doch?). Schon an dieser Stelle muss und will ich mich dafür entschuldigen, einen Hart4-Empfänger dafür missbraucht zu haben, wie „arm“ ich bin. Denn das zeigte nur noch mal, wie gelb vor Neid ich innerlich war (bin?).

Für Neid gibt es an dieser Stelle nämlich keinen Grund. Denn die Erklärung, warum mein Gehaltsscheck nicht sechs Stellen vor dem Komma aufweist, ist relativ simpel. Ich habe mich einfach nie vernünftig um meine Karriere gekümmert! Ich bin von der Schule geflogen und habe dann auch in der Lehre keinen übertriebenen Ehrgeiz an den Tag gelegt. Ich habe den Banker nur gespielt, anstatt einer zu sein. Die Quittung kam prompt. Schlechter Abschluss und keine Übernahme.

Da stand ich nun, es war 2004. Mittelmäßige Banker gab’s wie Sand am Meer. Letzte Chance Callcenter. Nicht gerade eine Karrieresprungbrett. Zudem fand ich meinen Job einfach Scheiße. Ich ging nur für das Geld hin. Ein Fernstudium schloss ich zwar respektabel ab. Aber kümmerte mich danach nicht drum, es auch zu nutzen.

So stand ich plötzlich wieder auf der Straße. Zwar mit goldenem Handschlag. Aber ohne Job. Eher zufällig fand ich blau Mobilfunk.

Und zum ersten Mal hatte ich Spaß an der Arbeit und hing mich rein. Nur war ich da schon 32. Die meisten starten da richtig durch. Ich hatte noch nicht mal eine Startrampe. Fast Forward drei Jahre. Der Laden macht zu. Anstatt einfach mal die Füsse still zu halten, will ich einmal clever sein. Und gehe zu einem Kaffeeröster, der mir Titel und ein wenig Geld geben wollte. Mehr gab’s da aber nicht. Und genau genommen, war es nicht besonders viel Geld (ich hatte einfach vorher nur extrem wenig bekommen) und der Titel war nichts wert.

Wie es weiterging, hatte ich ja schon mal geschrieben. Mittlerweile habe ich einen cooleren Titel, ein deutlich cooleres Unternehmen und ein vernünftiges Gehalt. Wenn unser Geschäftsmodell aufgeht, habe wir eine Branche verändert.

Und dass es im Moment nicht mehr ist, das ist allen meine Schuld. Weil ich einfach völlig den Startschuss verpeilt habe. DAS ist der Grund. Daher gibt es auch keinerlei Grund neidisch zu sein. Ich hatte die gleichen Chancen, wie alle anderen auch. Nur habe ich sie nicht genutzt. Und jetzt hänge ich halt mal lockere 10 Jahre hinterher.

But wait! Was soll all dieses Selbstmitleid??

Schaue ich mir doch einfach mal den Status Quo an. Sozusagen count your blessings. Also, ich habe eine tolle Frau. Ich habe drei gesunde Kinder. Ich habe ein schönes Haus in einer guten Lage. Ich habe ein vernünftiges Auto vor der Tür. Ich habe genug zu essen für alle. Uns mangelt es an nichts. Weder an schicken Klamotten, noch nem großen Fernseher. Technisches Spielzeug? Mehr als wir brauchen. Das Haus ist vorzeigbar eingerichtet. Und, und, und… Wenn meine Frau einen teuren Strandkorb haben will, ist das zwar nicht vernünftig. Aber es reißt kein Loch in die Kasse.

Ich will hier nicht angeben. Ich will (mir selbst) nur verdeutlichen, dass es mir materiell an nichts mangelt. An gar nichts.

„Ja, ABER. Wenn Du mehr Geld hättest, könntest Du Deine Familie absichern!“

Die kleine Stimme ist immer da. Aber mal ehrlich? Mehr Gehalt würde zu einer dickeren Karre, einem größeren Fernseher, noch einem Tablet, etc. führen. Aber ganz bestimmt nicht zu mehr Einsicht. Oder zu mehr sein.

Was ich habe ist gut. Gut genug für mich. Ich HABE also. Könnte ich mich doch aufs SEIN konzentrieren?

Wieso kann ich nur ICH sein, wenn ich allein bin? Warum will ich für andere immer ne Show auspacken? Mit Dingen, die ich hab? Das glauben die mir doch eh nicht. Und warum würde ich mit denen befreundet sein wollen, wenn die nur am HABEN interessiert sind? Eben!

Spielen wir doch mal „Was wäre wenn?“

Was wäre, wenn ich ein brauchbares Abitur gebaut hätte? Wenn ich was „vernünftiges“ studiert hätte? Keiner kann sagen, was dann wäre. Jedoch WEIß ich, was dann nicht wäre!

Im Mai 2004 wäre ich (wahrscheinlich) nicht arbeitslos gewesen. Ich hätte nicht bei „Killer und Kuh“ mitgespielt. Ich wäre nicht mit meiner Frau zusammen (Die Kuh). Ich hätte nicht diese drei Kinder. Kurz, ich hätte nicht dieses Leben. Und dieses Leben ist gut genug für mich!

Jede einzelne Entscheidung hat mich an genau diesen Punkt geführt. Jede. Einzelne. Entscheidung. Und wo ich jetzt bin, da ist es gut! Gut genug für mich. Ob mehr Geld es besser machen würde? Man weiß es nicht. Aber warum sollte ich mich darüber kaputt machen? Das führt zu nichts. Denn es geht mir gut.

Es geht mir gut!