Happy Birthday, meine kleine Große 

Heute vor 6 Jahren. Die Frau lag in den Wehen. Ich lag im Bett.

Am Tag zuvor waren wir ins Krankenhaus gefahren, da unsere erste Tochter, unser zweites Kind, überfällig war. Gegen Mittag wurde mit einem Wehencocktail – mit Schirmchen und Deko – die Geburt eingeleitet. Als kleines Naivling stellt man sich ja dann vor, dass es nun ganz schnell geht. Pustekuchen.

Wir gingen dann erst mal spazieren. Viel zu weit, wie wir später bemerkten. Wenn da etwas passiert wäre… hinter dem Krankenhaus teilten wir uns dann auf einer Parkbank in der Sonne ein Snickers. Oben auf dem Zimmer platzte dann endlich die Fruchtblase. Jetzt passiert es, dachte ich. Aber es passierte…nichts. Irgendwann gegen Abend schickt mich die Frau dann nach Hause. Laaaangweilig. Das hatte ich mir irgendwie dynamischer vorgestellt.

Morgens um 2 klingelte dann das Handy, ich solle mich auf den Weg machen, es gehe nun los. Euphorisiert raste ich los.

In der Klinik lag dann meine Frau in den Wehen. Und nach Spaß sah das nicht aus. Die Wehen kamen regelmäßig. Aber der Muttermund wollte sich nicht öffnen. Wir zogen das ganze Programm durch. Spazieren, massieren, hecheln, alles. Und weiterhin…nichts.

Der Frau gings zusehends schlechter. Die Idee der natürlichen Geburt fand sie zunehmend scheisse. Irgendwann morgens gegen sechs reichte es der Hebamme, sie holte die Ärztin. Die kam gerade aus dem OP, schaute mit kritischem Blick auf meine Frau, beschied ihr, dass durch dieses Becken bestimmt kein Kind kommen würde und befahl ihrer Assistentin, unten im OP anzurufen, man würde gleich wieder runter kommen.

Flugs würden wir in den OP gebracht…also meine Frau. Ich musste quälende Minuten im Bereitschaftsraum warten. Minuten, in denen niemand mit mir sprach, mir sagte, was nun passieren würde. Irgendwann wurde ich in den OP vorgelassen, setzte mich zu meiner Frau, der es erkennbar schlecht ging. Irgendetwas stimmte hier nicht. Nur kurz darauf wurde ich ohne Erklärungen wieder aus dem OP befohlen. Der Ton wurde hektisch. Hier war was nicht in Ordnung.

Wieder saß ich vor der Tür, keiner redete mit mir. Ich wusste nicht, was da los war, ich wurde langsam wahnsinnig.

Gefühlte Ewigkeiten holte man mich wieder rein. Meine Tochter war geboren. Aber alle drucksten herum. Dem Kind gehe es nun gut (was zur Hölle heißt „nun“?), meine Frau müsste noch ein wenig hier bleiben. Keine weitere Erklärung. Man zeigte mir mein Kind.

Und, nun ja, schön war anders.. dadurch, dass meine kleine so lange im Geburtskanal eingezwängt war, war ihr Kopf ordentlich deformiert. Dadurch, dass sie überfällig war, war die Käseschmiere komplett ab und die Haut angegriffen und schrumpelig. Aber es ging ihr gut. Ich würde mit ihr nach oben geschickt.

Dort legte man sie mir auf die Brust. Aber was mit meiner Frau ist, wusste ich nicht. In das Glück, ein neues Kind zu haben, mischte sich außerweltliche Sorge. Was war da los, warum sagt mir keiner was, wie soll ich mich um die beiden Kinder allein kümmern?

Die Zeit verging, der Kopf meiner kleinen ploppte in Form, sie versuchte, anzudocken. Ich versuchte, nicht wahnsinnig zu werden. Warum zur Hölle redet keiner mit mir?

Endlich. Endlich wurde meine Frau reingeschoben. Sie schlief noch. Was war geschehen?

Sie hatte offenbar sehr viel Blut beim Kaiserschnitt verloren. Ihr Kreislauf war mehrfach zusammengebrochen. Anscheinend hatte es auf Messers Schneide gestanden. Aber nun war alles gut, sie war stabil, wachte bald aus der Narkose auf, schnarchte dabei, wie ein kanadischer Holzfäller. Aber jetzt war alles gut. Zwar hatte dieses Erlebnis weitreichende Auswirkungen. So dauerte es seeeehr lange, bis ich mich bereit erklärte, dass alles noch mal durchzumachen. Aber nun war alles gut.

Da war sie nun, meine Emily Sophie!

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Sie treibt mich täglich in den Wahnsinn. Sie macht mich täglich glücklich. Sie hat ihren eigenen Kopf und ist eine riesige Zicke. Und ich hoffe, dass sie sich diesen eigenen Kopf niemals nehmen lassen wird. Sei Pipi, nicht Annika! Sie ist klug, sie ist albern, sie ist wunderschön, sie ist meine kleine Prinzessin. Sie ist schon so groß, dieses Jahr kommt sie in die Schule, das kann sie kaum erwarten, sie ist jetzt sechs Jahre alt. Aber sie ist auch mein kleines Mädchen und wird das immer bleiben.

Happy Birthday!

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