Meinung und Doppelmoral

„I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it.“
„The friends of Voltaire“ (1906) von Evelyn Beatrice Hall

Meinungsfreiheit. In jeder Diskussion kommt der Punkt, wo sich die Parteien gegenseitig die Meinungsfreiheit um die Ohren schlagen. Nur irgendwie ist damit immer nur die eigene Freiheit gemeint, jeden Scheiß absondern zu dürfen. Dass Meinungsfreiheit auch bedeutet, den Scheiß der anderen ertragen zu müssen, blenden einige gerne aus.

Ich fand Böhmermanns Schmähgedicht furchtbar. Ich habe darin keine Kunst erkannt. Und gleichsam sehe ich in den Charlie Hebdo Karrikaturen keine Kunst. Sondern nur böswilligen, beleidigenden und ehrabschneidenden Schund. Dennoch hatte ich Verständnis, als alle „Je suis Charlie“ deklariert haben.

Wenn aber alle auf die Straße gingen, um ganz im Sinne von E.B. Hall die Meinungsfreiheit zu verteidigen, warum wird bei Böhmermann mit zweierlei Maß gemessen?

Sicherlich, man kann und darf gegenüber Erdogan deutlich machen, dass man das „Gedicht“ als furchtbar empfindet. Aber gleichzeitig muss man auch deutlich machen, dass so etwas gefälligst auszuhalten ist.

Jeder Diktator verbittet sich die Einmischung in „interne Angelegenheiten“ (Pressefreiheit, Menschenrechte, dieser ganze Tüdelkrams). Wann verbittet sich endlich mal unsere „wehrhafte Demokratie“ diese Einmischungen?

Augstein forderte eine Radikalisierung der Mitte. Und ja, der Zeitpunkt ist gekommen, unsere Werte von Freiheit und gesundem Menschenverstand offensiv zu verteidigen. Gegenüber ausländischen Potentaten ebenso wie inländischen besorgten Bürgern!