Wieso habe ich keinen Sponsor?

Die Frage kann ich recht einfach beantworten: Weil ich keinem Sponsor einen signifikanten Mehrwert biete. Und nein, living your dream ist kein Grund!In der letzten Woche war ich auf der Social Media Week in Hamburg unterwegs. Unter anderem habe ich die Panel-Diskussion Alles Fußball? Wie Athleten und Vereine anderer Sportarten im Web um Aufmerksamkeit kämpfen besucht.

In dieser Diskussion kam die Beschwerde auf, dass der Profi-Leichathlet nicht weiss, wie sein Leben finanzieren soll, während der Hobby-Mountainbiker hippe Sponsoren bekommt. Obwohl doch der Profi sein ganzes Leben auf den Sport ausgerichtet habe. Das könne doch nicht angehen.

An diesem Punkt wollte ich am liebsten gehen. Aber es wurde besser.

Es wurde sich weiter echauffiert, warum denn der Hobby-Biker mehr Aufmerksamkeit in Social Media bekomme, als der Profi…? Puh, Freunde, vielleicht habt ihr da schon die Erklärung, warum er mehr Sponsoren hat… Aber so reflektiert waren die Leute auf dem Podium leider nicht.

Gerne hätte ich Fragen gestellt, das Mikro ging aber an mir vorbei. Daher hier.

Nehmen wir an, ich sei ein Sponsor und kann mir vorstellen, einen Sportler zu unterstützen, dann ist das bei allem Idealismus für mich ein Investment. Und das muss sich irgendwie rentieren. Und jetzt nehmen wir weiter an, Du bist Leichtathlet, 800 Meter Hürden ist Deine Disziplin, Du bist gut, gehörst aber nicht zu Elite. National sind Deine Leistungen abseits von Fachpublikationen eher weniger präsent. Im TV sieht man Dich kaum. International findest Du nicht statt. Also, warum sollte ich Dir Geld in die Hand drücken? Wofür? Was habe ich davon? Wenn Du jetzt sagst, dass es ja wichtig sei, in den Sport zu investieren, damit auch weiterhin Deutschland bei Olympia, etc., vertreten ist, frage ich noch mal: Warum sollte ich DICH begünstigen? Denn Deine Leistungen reichen ganz offensichtlich nicht für Olympia.

Wenn ich abstrakt „in den Sport“ investieren will, dann sponsore ich doch lieber Sportanlagen, investiere in Strukturen. Aber warum in Dich? Ganz offensichtlich bekomme ich doch nie eine Rendite…

Und jetzt nehmen wir an, Du bist Mountainbiker, Du machst krasse Stunts, die auch dann einen Unterhaltungswert haben, wenn ich keine Ahnung vom Biken habe. Die Kids gucken Deine Videos, die können sich mit Dir identifizieren, Du bist cool, der angesagt Scheiss. Natürlich gebe ich Dir Geld. Du platzierst meinen Namen in Deinen Videos. Ich bekomme Aufmerksamkeit. Ist noch keine Garantie auf Umsatz. Aber eine deutlich größere Chance, als beim unbekannten Hürdenläufer.

Ist das fair? Natürlich ist es das. Angebot und Nachfrage.

Und ob Du Dein Leben auf die Sportkarriere ausrichtest ist mir ehrlich gesagt, egal. Wichtig ist nur das Resultat. Wenn Du mir keinen Mehrwert bieten kannst, warum soll ich gerade in DICH investieren?

„Aber ihr wollt doch, dass wir bei Weltmeisterschaften und Olympia ordentlich Medaillen abräumen. das geht nur, wenn der Sport besser gefördert wird!“ Nun, die Forderung kannst Du gerne an Deinen Verband richten. Aber an mich, als privater Sponsor? Zu kurz gesprungen.

Es wird immer Firmen geben, die sponsern rein aus Idealismus. Aber daraus einen allgemeinen Anspruch ableiten?