Berufstätige Mütter – Ja, und?

Am Wochenende fragte mich eine Freundin (der Zusammenhang und genaue Wortlaut spielen hier keine Rolle), ob es für mich als Teamleiter nicht viel besser sei, keine Frauen im Team zu haben. Warum? Weil die ja mit den Kinder beschäftigt seien.

Diese Aussage irritierte mich a) grundsätzlich und b) weil sie von einer Mutter getroffen wurde.

Warum wird (jungen) Frauen pauschal unterstellt, sie könnten keinen Beitrag zur Berufswelt leisten, nur weil sie ja jederzeit gebärend ausfallen könnten? Und warum sind immer wieder Frauen Scharfmacher in dieser Debatte, contra Familie?

Ich habe hier keine empirischen Daten parat. Alles, was ich habe, sind meine eigenen Beobachtungen aus meinem Berufsleben.

Im Laufe meiner Karriere hatte ich einige Kolleginnen, die in den Mutterschutz gingen. Nicht ein einziges Mal ist in der Folge die Arbeit der Abteilung zusammengebrochen oder der Betrieb pleite gegangen. Sicherlich, die Vertretung sicherstellen, das kostet einen gewissen Aufwand. Möglicherweise muss eine Vertretung (befristet) eingestellt werden, vielleicht müssen Abläufe neu gedacht werden. Aber das ist doch alles machbar.

Und jetzt verrate ich mal ein Geheimnis: Wenn wir nicht aussterben wollen, muss irgendjemand Kinder bekommen. Es ist also nicht bloß Selbstverwirklichung, wenn jemand eine Familie gründet. Da es ein wenig lebensfremd ist, während der übrigen Zeit als Frau bitte nur zu Hause rumzusitzen und auf Befruchtung zu warten… Diese Straße will ich gar nicht runter gehen.

Über den Punkt der Gleichberechtigung sollten wir wohl nicht mehr streiten müssen. Und solange Männer keine Kinder bekommen, siehe oben, gehört es zum Arbeitsalltag nun mal dazu, dass Frauen wegen Schwangerschaft ausfallen.

Männer haben übrigens ein erhöhtes Risiko in tödliche Unfälle verwickelt zu werden, Drogen oder Alkohol zu missbrauchen, wegen Gewaltverbrechen (als Täter oder Opfer) auszufallen, etc. Aber ich sag ja auch nicht: Du meine Güte, ich kann doch keine Mann einstellen, der stirbt mir doch weg! Nee, wäre ja auch Blödsinn.

So, Kind ist nun da, Frau wieder am Arbeitsplatz, alles super. Oder? Nein, das Misstrauen geht weiter. „Die fällt mir doch ständig aus, weil das Kind Schnupfen hat!“ Nun, das ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Denn natürlich erfordert ein Kind auch nach der Geburt Aufmerksamkeit. Und ja, die Gesellschaft erwartet in erster Linie von der Frau, dass sie diese Aufmerksamkeit aufbringt. Gleichzeitig machen wir das der Frau zum Vorwurf. Klingt komisch, ist aber so.

Wir halten also fest: Nur Frauen können Kinder gebären und Kinder brauchen Aufmerksamkeit.

Klingt nach nem Killerargument für die „Frauen an den Herd-Politik“. Spinnen wir diesen Gedanken weiter…

Ein eigenes Dach überm Kopf, einen fahrbaren Untersatz, dann und wann in den Urlaub und mal ne neue Klamotte. Dann noch Klassenfahrten, Kino, Theater, Lebensmittel,… also, alles, was man so braucht oder will, muss bezahlt werden. Und wenn die Gesellschaft wirklich will, dass Frauen nur die Wahl zwischen kinderloser Karriere oder Gebärmaschine im Haushalt  haben, nun, dann muss man natürlich die dazugehörigen Väter entsprechend bezahlen…tut aber keiner. Heutzutage sind zwei Verdiener einfach notwendig. Und da wir nach obiger Logik alleinerziehende Mütter eh auf Hartz4 setzen müssen, können wir wohl einen Haken darunter setzen. Frauen an den Herd ist keine Alternative. Zu Recht.

Zurück zum Stück, Mutti ist nicht ganz bei der Sache, weil der Steppke Schnupfen hat. Klar, dass man sein krankes Kind nicht einfach so sich selbst überlasst. Auch das begegnet mir im Berufsleben täglich. Und ratet mal, daran ist noch keine Firma zu Grunde gegangen! Und wenn ihr (Chefs) wirklich wollt, dass Frauen nicht immer fehlen, wenn die Nase läuft, sollte ihr mal Anreize schaffen, dass auch die Väter problemlos zu Hause bleiben können. Denn denen werden genauso Steine in den Weg gelegt. Vati arbeitet Vollzeit, da wird doch automatisch erwartet, dass Vati alles für die Firma gibt und Frauchen zu Hause bleibt. Wat n Scheiss.

Ja, ich geb zu, ich find das Recht bequem, dass ich mir in der Rolle der Ernährers gefallen darf, während mein Frau sich abhetzen muss, damit sie Job und Kinder (mit eigenem Freizeitverhalten aber eine gewissen Immobilität) unter einen Hut bekommt.

Aber wäre es nicht viel toller, wenn wir beide Teilzeit arbeiten könnten und beide flexibel für die Kinder da sind? Und wäre es nicht Bombe, wenn uns dadurch keine finanziellen Einbußen entstehen? Denn machen wir uns nichts vor, wir versorgen die künftigen Einzahler der Rentenkasse. Klar, wir haben nur aus eitler Selbstverwirklichung eine Familie gegründet. Dafür müssen unsere 1,5 Gehälter aber auch für vier reichen. Und nein, die zahllosen steuerlichen Vergünstigungen (Achtung, Satire) wiegen das nicht auf.

So, nicht den Faden verlieren. Was haltet ihr hiervon:

  • Eltern gehen beide in Teilzeit, beide werden aber Vollzeit bezahlt. Zeitlich befristet. Nach x Jahren muss man sich entscheiden, wieder Vollzeit arbeiten oder weniger Geld. Im Gegenzug werden Kindergeld und andere Leistungen in den x Jahren gekürzt/ausgesetzt.
  • Bezahlbare Kinderbetreuung wird bedarfsgerecht (Dauer, Häufigkeit) angeboten
  • Sofern die Eltern Tätigkeiten ausüben, in denen keine Präsenz erforderlich ist, können diese auch spontan Homeoffice machen. Denn wenn man den Schnupfen versorgt hat, kann man an den Schreibtisch. Das geht aber nur, wenn der Schreibtisch in Rufweite des Krankenlagers ist.

Toll, oder? Warte, macht das nicht irgendwer…ach ja, Dänemark, das gelobte Land (wenn Du nicht gerade streunender Hund oder Flüchtling bis). Und die Dänen sind angeblich die glücklichsten Menschen der Welt.

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist unerschöpflich, heute aber nicht mein Fokus. Zurück zu den berufstätigen Müttern. Denn von denen können wir lernen.

Prioritäten setzen. Tagesabläufe organisieren. Alles unter einen Hut zu bekommen. Und ich bin der festen Überzeugung, wenn man da als Chef ein wenig in Vorleistung geht, bekommt man den Invest schnell zurück.

Da ich selbst Vater bin, muss ich nicht lang überlegen, wenn eine Mutter mit dem kranken Kind zum Arzt muss. das hat Priorität. Alles andere sortieren wir danach. Und meine Erfahrung ist, dass diese Mütter die erfahrene Unterstützung nicht vergessen, sondern zurückzahlen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass berufstätige Mütter durchaus einige Dinge besser auf die Reihe bekommen, als die klassischen Präsenz-Männer. Und wenn Unternehmen es schaffen, eine echte familienfreundliche Atmosphäre zu schaffen, dann werden die betroffenen Mitarbeiter sich erkenntlich zeigen und die extra Meile für das Unternehmen gehen, wenn das Unternehmen die extra Meile für den Mitarbeiter geht.