Entspannt in den Tag ist anders – Pyjamaaktivismus

9:00 Uhr, ich wanke aus dem Masterbedroom Richtung Loungebereuch. Ok, die Uhrzeit ist gelogen. Aber die Wahrheit würde ein negatives Licht auf mich werfen.

Ich chille malerisch zu Santa Pfotes großem Weihnachtsabenteuer als Katze 1 lautstark fordert, hinausgelassen zu werden. Dazu muss man wissen, dass ich durch aus … seltsam… bin, wenn es um den Freigang meiner Katzen geht. Tatsächlich habe ich meine Katzen immer nach draußen begleitet. So kamen sie sich vielleicht ein wenig eingeschränkt vor. Aber sie kleben nicht an irgendwelchen Autoreifen und werden sonst wie gewaltsam dahingerafft.

Nun gut, Katze 1 und ich stehen an der Küchentür und betrachten das schmuddelige Wetter. Ich kann Katze 1 leider nicht von den Vorzügen der Couch überzeugen und lasse sie raus. Ich bin so mutig. Als ich mich umdrehe, starrt mich Katze 2 anklagend an. Katze 2 ist erst 8 Monate alt, hört kein Stück auf ihren Namen, klettert gerne so hoch auf baume, dass sie allein nicht mehr runter kommt. Diese Katze darf bestimmt nicht alleine raus! Wenn sie das Anwesen verlässt, kommt sie ja erst wieder, wenn ihr danach ist. Das gilt es zu verhindern (jaja, ich weiß…).

Da ich aber noch im Pyjama bin, kann ich sie nicht begleiten. Aus dem anklagenden Blick wird ein flehender. Traurig schaut sie Katze 1 hinterher… Mein Herz wird eng, ich schnappe mir meinen Mantel. Die fraue macht mich darauf aufmerksam, dass mein Outfit ein wenig gewagt für einen Weihnachtstag ist. Ich kombiniere stilsicher eine karierte Pyjamahose mit einem türkisen T-Shirt und Homer-Simpson-Schlappen (ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem paarungsbereite Weibchen an meiner Haustür eher die Ausnahme sind). Abgerundet nun durch einen schwarzen Mantel.

Die Frau rät mir, zumindest eine Mütze aufzusetzen, damit ich nicht ganz so bescheuert aussehe. Gesagt getan. Sie goutiert dies mit einem „ich habe mich geirrt“. Ob sie nun den Rat mit der Mütze meint oder ihre Wahl, mit mir ihr Leben zu verbringen, bleibt ihr Geheimnis.

So stehe ich nun also im Garten und achte darauf, dass der Freiheitsdrang der Katzen den Grenzen des Anwesens unterworfen ist. Ich hoffe im stillen, dass Katze 2 heute nicht auf die Bäume möchte. Mir ist nicht danach, im Pyjama die Obstplantage zu erklimmen.

Die Katzen sind wieder im Haus und ich erwäge, mein Schlafgewand gegen etwas vorzeigbares einzutauschen. Doch im Bad betrachte ich so die Fugen an der Wand und stelle fest, dass diese dringend gesäubert werden müssen. Und das nehme ich sofort in Angriff.

Für die Fugen nutze ich immer einen Reiniger, der nach Schwimmbad riecht. Viel hilft viel und kurz drauf riecht das Bad als wenn das örtliche Freibad explodiert wäre. Die würgenden Geräusche auf dem Flur zeigen an, dass die Dämpfe sich nicht auf das Bad beschränken. Aber dafür sind die Fugen jetzt keimfrei. So wie meine Atemwege. Ich stolpere zur Tür. War das Bad schon immer so riesig? An der Tür begegnet mir Katze 2. Den Pupillen und dem grenzdebilen Gesichtsausdruck nach, ist sie voll drauf. Ich frage sie, ob sie heimlich kifft.

Alter, schallt es mir mit der Stimme von James Earl Jones entgegen, was für geilen Shit hast Du da im Bad angemischt? Lass mal heute geht Abend zusammen chillen.

Die Frau fragt mich, ob ich schon wieder mit der Katze über Drogen reden würde. Ich verneinen. Die Katze und ich lachen.

Noch ganz benebelt vom Chlorreiniger beschließe ich, die Toilette im Obergeschoss zu reinigen. Chemisch beschwingt, geht mir auch das spielend von der Hand. Nimmst Du bitte mal den Arm aus der Schüssel! Meine Frau ist so eine Spaßbremse. Dann geh ich halt in den Keller! Zum Lachen!

Dort angekommen entscheide ich, dass die Waschküche ein Makeover benötigt. In meinem grandiosen Plan habe ich nicht berücksichtigt, dass ein staubiger Keller für mich als Hausstauballergiker kein günstiges Biotop ist. Zudem sind meine Atemweg von den Dämpfen im Bad schön geweitet. Während ich so vor mich hin werkele, läuft eine Spinne über meine Hand. Seltsamerweise hat auch sie die Stimme von James Earl Jones. Du, Stefan, ich erinnere Dich ja nur ungern daran. Aber Du hast Hausstauballergie. Und eine latente Angst vor Spinnen. Aber dann müsste ich ja jetzt kreischen wie ein kleines Mädchen und dann einen Hustenkrampf bekommen, entgegne ich. Ja genau, Stimm James Earl Spider mir zu. Wir lachen beide. Dann kreische ich wie ein Mädchen und huste asthmatisch.

Mit letzter Kraft ziehe ich mich die Treppe hinauf. Und während ich so im Flur liege, habe ich eine sehr gute Perspektive auf den Fußboden im Loungebereich. Ich stelle fest, das der Boden durchaus einen Staubsauger vertragen würde.

Neue Energie durchflutet mich. Ich ordne die Geschenke unter dem Baum alphabetisch und Schwinge den Sauger. Sehr zum Verdruss meiner schlafenden Katze 2. Ihre samtene Bassstimme raunt mir ins Ohr, dass sie mir heute Nacht im Schlaf ganz langsam den Hals durchschneiden wird. Na, dann brauche ich wenigstens hete die Betten nicht mehr beziehen. Wir beide lachen.

Ich blicke mich um und betrachte mein Tagwerk. Beide Badezimmer geputzt. Loungebereich gesaugt und aufgeräumt. Wäschekeller ordentlich. Stolz präsentiere ich das alles der Frau. Na Mensch, dann kannst du ja ab jetzt die Hausarbeit übernehmen!  Wir müssen beide lachen.

Und jetzt zieh Dir bitte etwas an.