Entspannt in den Tag ist anders – Geburtstagskaffee bei der Großtante

Meine Kinder sind sehr wohlerzogen. Sie gehorchen aufs Wort. Sie machen nichts kaputt oder dreckig. Toll. Nur leider machen sie das nie, wenn jemand zuguckt.

Heute stand Geburtstagskaffee bei der Großtante der Frau an. Und damit mehrere Herausforderungen für die Kinder und mich.

Erste Disziplin: pünktlich im Auto sitzen. Ja, ich würde mal sagen, da haben wir keine Punkte liegen gelassen. Punkt halb Drei saßen wir um Auto. Natürlich hatte Sohnemann seine Hose noch schnell mit Erdreich verziert. Nur blau war wohl zu langweilig.

Zweite Disziplin: höflich hallo sagen. Puh, schwierig. Zwar wurden Oma und Opa noch freudig begrüßt. Alle anderen Gäste jedoch konsequent ignoriert. Das war erst noch witzig. Dann aber doch n bisschen peinlich. Denn die lieben Verwandten hatten kleine Aufmerksamkeiten für meine Nachkommen im Gepäck. Das wurde zwar gerne entgegengenommen. Jedoch erst nach mehrfacher Aufforderung auch mit einem Danke quittiert.

Dritte Disziplin: nichts dreckig oder kaputt machen. Jawoll, voll verkackt. Zunächst hielten sich Sohnemann und Tochterkind noch dezent im Hintergrund. Aber dann, die Runde wurde gerade gemütlich, wollte Tochterkind erst ein Glas Wasser und dann ein Stück Kuchen. Nur blöd, dass der Kuchen hinter dem Wasserglas stand. Nun, ums kurz zu machen: der Tisch musste neu gedeckt werden und das Wasser war nicht mehr um Glas.

Als nächste wurde eine Glühlampe mittels Kurzschluss vom Sockel getrennt. Hier muss ich jedoch gestehen, dass die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt ist.

Vierte Disziplin: dezent unauffällig sein. Das können die beiden nun so gar nicht. Rentnerkaffee hin oder her. Sohnemann täuschte erst kuscheligkeit an und beanspruchte einen Platz auf meinem Schoß. Er wiegte mich kurz in Sicherheit, nur um dann einige vernichtende Tiefschläge anzusetzen. Also, aus neu gemachter Erfahrung kann ich euch mitteilen, dass „Aaaah, meine Hoden!!“ nicht unbedingt ein gefragte Ausruf in der netten Runde war.

Kurz darauf entschied Tochterkind, dass sie nun eine Katze sei. Also müsse sie nun auch miauen. Und das ein einer Lautstärke, die jedem Gast verdeutlichte, dass an gepflegt Konversation nicht mehr zu denken war.

Meine mit Nachdruck vorgetragene Bitte, doch bitte mal still zu sein, wurde mit vollständiger Ignoranz beantwortet.

Um den Spaß noch zu steigern, wollte auch Sohnemann nicht hintenanstehen und bewies, dass er noch viel lauter maunzen kann.

Die älteren Damen pfiffen sich nun den ersten Sherry ein. Ich guckte neidisch.

Kurz darauf war die Shotclock abgelaufen und ich wurde vom Gong  gerettet. Folgetermine standen an.

In der Kabine (Auto) gab es natürlich noch eine Nachbesprechung (Einlauf). Ich befürchte nur eine gewisse Beratungsresistenz.

Und gleich morgen schicke ich die Spieler wieder aufs Feld. Adventskaffee bei den Urgroßeltern. Vielleicht sollte ich mir vorher schon n Fass Glühwein reinlöten…