Die Willkür eines Dienstleisters 

Tochterkind brachte heute einen Zettel aus dem Kindergarten mit. Nächsten Dienstag wolle man mit den Kindern Weihnachten feiern.

Es würde ein Frühstück auf Kosten des Kindergartens geben, man wolle singen und klatschen und Geschichten lesen. Toll. Also, eigentlich das, wofür ich die eh bezahle, wollten sie nun im weihnachtlichen Kontext tun und ein Frühstück ausgeben.

Stutzig machte mich der Satz „bitte bringen Sie Ihre Kinder wenn möglich erst um 9:00 in den Kindergarten“. Erst stutzig, dann wütend. 

Ich überlasse Tochterkind nicht nur deshalb der Obhut anderer, weil ich ihr die Freuden eines geregelten Tagesablaufs nahebringen will oder sie ihre softskills in der Peer Group optimieren soll. Nein, ein handfester Grund ist, dass die Frau und ich tagsüber arbeiten gehen müssen. Klingt komisch, ist aber so.

Und daher sind wir auf eine verlässliche Kinderbetreuung angewiesen, die zu einer Uhrzeit beginnt, die es uns ermöglicht, rechtzeitig an der Arbeitsstelle zu erscheinen. Daher bringe ich Tochterkind jeden Morgem um 7:30 Uhr in den Kindergarten. Und nun entscheidet dieser Kindergarten, erst Stunden später die Pforten zu öffnen.

Nun, welche Optionen habe ich. Ich sage also meinem Chef: Sorry Bro, ich bin erst um kurz nach 10 da. Haste Verständnis, wa?

Nee, hat er nicht. (Ok, eigentlich doch. Aber dann geht meine Argumentation nicht auf) Aber er erinnert mich bestimmt gerne daran, dass wir eine Kernzeit haben.

Vielleicht sollte ich meinerseits die Kita-Leitung dezent darauf hinweisen, dass wir einen Dienstleistungsvertrag geschlossen haben. Und da heißt es ziemlich eindeutig: Betreuungszeit 7:30-15:00. Ich erwarte, dass die Leistung erbracht wird. Schließlich wird von mir ja auch die Bezahlung eines nicht unerheblichen monatlichen Beitrags. Oder bekomme ich jetzt eine finanzielle Entschädigung von Kindergarten? Nö, darüber schweigen sie sich aus.

Was mich noch auf die Palme bringt, ist die Kurzfristigkeit der Ankündigung. Nun habe ich den Luxus, ein Netzwerk aus Großeltern und Nachbarn zu haben. Ich bekomme das hin, dass Tochterkind später in den Kindergarten geht. Aber es wird Eltern, auch und besonders Alleinerziehende, geben, die haben diesen Luxus nicht. Die sind noch stärker darauf angewiesen, dass der Kindergarten den Vertrag einhält.

Und es passiert regelmäßig. Mal ist es eine Fortbildung (zu der natürlich immer alle gleichzeitig hin müssen), mal das Sommerfest, mal dies, mal das, weshalb die Betreuung ausfällt. Würde der Kindergarten mit das zurückzahlen, dann Ok. Aber nein, da sind sie recht zugeknöpft.

Dass mir „die Gesellschaft“ die Kindererziehung nicht einfacher macht, daran hab ich mich gewöhnt. Aber das auch noch eine Einrichtung quer schießt, die mir das Leben eigentlich erleichtern soll, das geht zu weit.