War’s das jetzt mit Baseball?

Schon öfter habe ich an dieser Stelle über mein nicht unproblematisches Verhältnis zu meiner einstigen großen Liebe philosophiert – Baseball.

Hätte man mich vor 10 jahren gefragt, wie lange ich gedenke, Baseball zu spielen, so wäre meine Antwort gewesen, dass ich nie aufhören würde. Nun, nie kam dann wohl doch schneller, als gedacht. Über die Jahre wurde Baseball für mich immer nachrangiger. Ich habe eine Familie gegründet, deutliche verantwortungsvollere Jobs kamen und gingen, ich habe neue Hobbies gefunden, die auch viel Zeit in Anspruch nehmen. Wenn ich Wassersport-Events besuchen will, habe ich dafür nur das Wochenende. Wenn an dem Wochenende aber ein Spiel ist, kann ich nicht an den Strand. Und mit der Familie will ich ja auch Zeit verbringen. Jetzt hat Sohnemann auch mit Fussball angefangen und erwartet zu Recht, dass ich bei den Spielen (am Wochenende) dabei bin. Kurz: Mir fehlt so langsam die Zeit, auf Bundesligalevel Baseball zu spielen.

 Denn mit den Wochenenden ist es nicht getan. Da wäre das regelmäßige Training unter der Woche. Und das notwendige Krafttraining. Das habe ich einfach nicht mehr geschafft. So fehlten mir so langsam die körperlichen Reserven. Und meine Mitspieler stellten meinen Status zu Recht in Frage. Nie trainieren aber am Wochenende mindestens 7 Innings für mich beanspruchen. Das kann man irgendwann nicht mehr rechtfertigen.

 Permanent war das schlechte Gewissen Beifahrer. Ich habe nicht genug Zeit für die Familie, ich investiere nicht genug ins Team, ich kümmere mich nicht um meinen Körper, ich schaffe es nicht zu den Events, zu denen ich möchte. Irgendwann war Freizeit Stress für mich. Obwohl sich alles irgendwie um mich drehte, blieb ich auf der Strecke.

 Und dann noch diese ganze Vereinsmeierei und das Verbandsgeklüngel. Diese ganzen Schiedsrichter, die auf ihrem eigenen Egotrip unterwegs sind. Dieses dumme Gelaber der Gegner (und der eigenen Leute, teilweise), diese endlosen Stunden im Bus, ich hatte das alles so satt.

 Aber pitchen, das liebe ich nach wie vor. Ich liebe es auf dem Hügel zu stehen. Ich liebe es, mir den Arm für das Team auszureissen. Ich liebe es, mit meinen doch limitierten Fähigkeiten den Gegner zum Verzweifeln zu bringen. Ich liebe dieses Gefühl, wie der Ball meiner Hand verlässt. Ja, ich liebe Baseball noch immer. Aber ich konnte diese Liebe nicht mehr geniessen. Hinzukamen meine gesundheitlichen Probleme. Pitchen verursachte mir Schmerzen und kein Arzt konnte mir helfen.

 Da reifte in mir ein Entschluss. Ähnlich radikal, wie ich mich von meinem SUP-Board trennte, trennte ich mich vom Baseball. Mein Status im Augenblick: retired. Ich bin nur noch passives Mitglied der Hamburg Stealers. Für mich selbst noch unfassbar.

 Dennoch glaubte ich in mir drin, dass ich nächstes Jahr wieder auf dem Hügel stehen würde. Zu unglaublich klang der Gedanke, tatsächlich nicht mehr zu spielen. Schliesslich habe ich 15+ Seasons Baseball in der 1. und 2. Bundesliga gespielt. Und einfach so, von heute auf morgen, sollte das vorbei sein? Nun, die Entscheidung wurde mir abgenommen.

 Die Hamburg Stealers haben sich dazu entschieden, die 2. Bundesliga-Mannschaft abzumelden. Es wird neben der 1. Bundesliga nur noch Regionalliga im Leistungsbereich gespielt. Und das klingt für mich erst mal…unattraktiv.

 Irgendwie glaube ich noch immer, dass ich auch in 2016 Baseball spielen werden. Aber dafür muss einiges zusammenkommen. Das Team muss mir passen, ich muss dem Team passen. Mein Körper muss mitspielen. Der Spielplan muss mir Raum für andere Hobbies lassen. Und vor allem muss meine Frau einverstanden sein, denn pünktlich zum Saisonbeginn wird unsere Familie noch größer.

 Vielleicht muss ich mich doch damit abfinden, dass ich mein letztes Spiel in der Bundesliga gespielt habe. Nun, ich glaube, ich kann zufrieden zurückschauen. Ein Winning Record als Pitcher, das ein oder andere Shutout, unter anderem gegen Paderborn, einen Win in den Playoffs gegen Regensburg, einen soliden, wenn auch nicht beeindruckenden Batting-AVG von .260, einen Fielding-AVG von über .900 als Outfielder, Catcher, Pitcher und 1st Base Man. Ich habe deutlich länger durchgehalten, als so mancher meiner Weggefährten. Ja, ich bin zufrieden. Es ist keine Karriere für die Hall of Fame. Aber ich wage zu behaupten, ich wusste, was ich tat.

 Vielleicht ist dies der Ritt in den sportlichen Sonnenuntergang. Tatsächlich habe ich mir das Ende nicht so gewünscht. Und dass ich meinen eigenen sportlichen Nachruf verfasse, kann man auch als Zeichen der Arroganz sehen. Aber wer weiss, was 2016 noch so bereit hält. Irgendwie glaube ich noch nicht, dass ich mein letztes Inning geworfen habe…