Geschüttelt, nicht gerührt 

Seit dem 5. November läuft James Bond – Spectre im Kino. Gestern Abend hatte ich die Gelegenheit, den neuesten Auftrag Ihrer Majestät im Rahmen einer Promoveranstaltung im Cinemaxx Hamburg Dammtor anzuschauen.
Vorweg, ein wenig mulmig war mir schon, an einer Veranstaltung mit 1.000 Menschen teilzunehmen, während in nicht allzu weiter Entfernung das Länderspiel GER-NED auf Grund einer Terror Warnung abgesagt wurde. Und als dann der Film auch noch den Terror als Thema aufgriff…nun, da hilft erst mal nur ausblenden.

Der Vorspann

Ein wesentliches Stilelement der Bond-Filme. Zunächst ein, zumeist actionlastiges Intro, dann der Soundtrack mit künstlerischem Vorspann. Auch Spectre weicht hier nicht ab und stellt sofort das richtige Bondfeeling her. Der neueste Bond dreht sofort auf und übertrifft meinen bisherigen Lieblingsvorspann von Casino Royale an Atemraub deutlich. Den Titeltrack von Sam Smith dagegen finde ich nicht 100% gelungen. Aber auch hier kein Stimmungskiller. Man wird förmlich ins Geschehen gesaugt.

Die Handlung

Ich will hier nicht spoilern. Nur so viel: Es werden alle lose Fäden aus Casino Royale, Ein Quantum Trost und Skyfall zusammengeführt. Es ist durchaus hilfreich, diese drei Vorgänger gesehen zu haben, um alle Aspekte der Handlung zu verstehen. Auch ein rudimentäres Vorwissen, Stichwort Blofeld, dürfte hilfreich sein.

Das Thema ist Terror und lückenlose, doch hilflose, Überwachung durch die Geheimdienste. Der Film ist somit erschreckend aktuell, ohne mit dem Islam einen zu erwartbaren Bösewicht zu bringen.

Die Handlung ist rund. Ein weiterer Auftritt von Daniel Craig würde mich aber nach Spectre wundern. Zu abgeschlossen wirken seine vier Auftritte als Bond. Lassen wir uns überraschen. Daniel Craig teilt sich den ersten Platz meiner Lieblings-Bonds mit Sean Connery. (Es folgen Pierce Brosnan und Roger Moore. Über George Lazenby und Timothy Dalton möchte ich den Mantel des Schweigens breiten.)

Die Darsteller

Daniel Craig (Bond), Christoph Waltz (Oberhauser), Léa Seydoux (Dr. Swan), Naomie Harris (Moneypenny), Ben Wishaw (Q), Ralph Fiennes (M), Andrew Scott (C), Monica Bellucci, Dave Bautista – das Ensemble kann sich sehen lassen und spielt großartig.

Christoph Waltz ist wieder…Christoph Waltz. Mal ehrlich, ich gucke mir seine Rollen gerne an. Aber ich stelle immer wieder fest, dass Waltz unglaublich eindimensional ist. Er spielt immer wieder denselben Charakter. Nur in anderen Kostümen. Ich schaue ihm dabei gerne zu. Dieses exaltierte, dieser sarkastische Zynismus, herrlich. Er bringt mir Spaß. Aber ein großer Schauspieler ist er für mich nicht. Sorry.

Daniel Craig’s Bond ist weiterhin sehr melancholisch und fatalistisch. Er hat Vesper Lynd noch immer nicht verwunden. Und auch der Tod von M (Judi Dench) beschäftigt ihn weiter. Nachdem aber am Ende alles getan ist, wirkt er gelöst, von Ballast befreit. Falls Craig zurückkehrt, freue ich mich auf einen arroganten Spitzbuben, der sich wieder mehr dem Spass hingibt.

Die Bondgirls

„Madeleine Swan“ taugt nicht als Bondgirl. Zu ernsthaft ist die Beziehung zu Bond. Dann am ehesten noch Monica Bellucci. Auch wenn ihr Auftritt eher einer Randnotiz gleicht, auch vor dem Hintergrund der Überlange des Films. Und wer war die erste Gespielin im Vorspann? Unwichtig, Bond ist nicht mehr primär Lebemann. Seine Prioritäten sind andere.

Stichwort Überlänge: es tut dem Film sehr gut, dass er sich Zeit nimmt. Bond wird nicht durch die Story gehetzt, sodass der Zuschauer den Faden verliert. Es ist eine sehr getragene Stimmung, unterbrochen von gelungenen Actionsequenzen.

Alles in allem: Absolut sehenswert. Als Bond-Fan sowieso. Die vielen Zitat an vorherige Filme erfreuen das Fan-Herz. Der Film ist spannend, mitreißend und fesselnd. Beide Daumen hoch!!