Ein kleines bisschen Demut findet sich doch überall

Am vergangenen Samstag waren meine Stealers und ich Gast auf dem eigenen Feld. Der Gegner hiess Hamburg Knights, und die hatten das Heimrecht. Aber darum gehts hier auch gar nicht.

Bisher liefen Spieltage ungefähr so: erst sass ich 3-4 Stunden auf der Bank, habe mich geärgert, dass ich nicht spiele und mich geärgert, dass die, die spielen, einen so schlechten Job machen. Dann habe ich das zweite Spiel gepitched. Und mich geärgert, dass die anderen ihren Job nicht machen. Kurz, ich war gegenüber meinem Team doch ziemlich respektlos.

Samstag kam es anders. Auf einmal musste ich spielen. Auf 2nd Base. Dazu muss man sagen, dass ich da in meiner Bundesligakarriere ein ganzes Inning gespielt habe. Vor 3 Jahren.

Da stand ich nun. Ich hatte wenig bis keine Ahnung, was ich eigentlich tun sollte. Und dann kam doch tatsächlich ein Ball in meine Richtung geflogen. Selbstredend habe ich darauf einen Error gemacht. Auf einen geraden Ball, der den Boden gar nicht berührte. Die Gegner scorten einen Run auf meinen Fehler. Wo war das Loch, in dem ich versinknen konnte?

Fortan hoffte ich bei jedem Schlagmann, dass er überall hinschlägt, nur nicht zu mir! Aber wie das so ist, Karma fand mich und schickte mir noch einen Ball. Wieder machte ich einen Fehler, wieder punktete der Gegner und das Spiel war vorbei.

Was war ich froh, dass ich im nächsten Spiel endich wieder auf meinem Wurfhügel stand. Da wusste ich, was zu tun ist. Nur sah ich meine Mitspieler auf ein mal anders. Das waren nicht mehr die Typen, die die meiner Meinung nach einfachsten Bälle verbobbelten, um mich persönlich zu ärgern. Das waren Typen wie ich, die auf ihrer Position das Beste gaben. Nur ist es eben kein Piece of Cake, einen Ball zu fielden. Nein, da steckt harte Arbeit hinter! Ich verlange von den anderen ja auch, dass sie meine Arbeit respektieren. Und gerade rechtzeitig schickte mir das Schicksal eine zarte Erinnerung, dass auch ich den Respekt zollen muss, den ich einfordere! Denn natürlich WEISS ich, dass niemand absichtlich Fehler macht. Aber etwas wissen und sich auch entsprechend zu benehmen, sind zwei verschiedene Dinge. Diese Lektion in Demut war wichtig!

Jungs, wir können Dinge, die andere Menschen nicht können. Heck, wir können sogar Dinge, die der nächste in unserem Team nicht kann. Und niemand fühlt sich so schlecht, wie der arme Tropf, der den Error gemacht hat. Ich kann somit viel entspannter an meine Arbeit gehen. Denn ich bin eine Meile in seinen Schuhen gegangen.