Apple Watch – braucht kein Mensch?

Seit etwas über einer Woche ist sie endlich bei mir – meine Apple Watch. Was hatte ich dem Liefertermin entgegengefiebert. erst hiess es Juni, dann wurde konkretisiert auf den 29. Juni. Und auf einmal die Nachricht: Deine Watch wird morgen versendet. Yay!

Ich wollte sie unbedingt, jetzt ist sie da. Hat sich die Warterei gelohnt?

Zunächst stand ich Smartwatches kritisch gegenüber. Brauch ich nicht, was soll ich damit? Total unpraktisch, etc. pp. Eine Uhr sollte die Zeit und das Datum anzeigen, darüber hinaus ansehnlich und praktisch sein. Ich hatte genau zwei Exemplare. Einen großen Edelstahlchronographen für Büro und Alltag und eine profane G-Shock für den Sport. Für telefonieren, Mails, Nachrichten hatte ich das Handy. Warum soll ich mir nun eine Smartwatch holen?

Angefixt wurde ich dann, als ich bei einem Vortrag bei XING einen Werbefilm für Android Wear sah. Hm, könnte das vielleicht doch etwas sein? Alle Informationen an der Hand, ohne das Telefon rauszukramen. Ich fing an, das Thema Interessant zu finden. Android Wear war jedoch nie eine Option. Von Android halte ich wenig bis nichts und die angebotenen Modelle waren designtechnisch eher indiskutabel.

Da ich aber mein iPhone heiss und innig liebe, schaute ich mir die Apple Watch nun doch noch mal an. Kurz darauf war ich verliebt. Dieses Design, diese Kompatibilität. Wäre das nicht etwas? Natürlich, wie bei allen Apple Produkten konnte ich mich an den Werbeclips nicht satt sehen. Diese Hochglanzwelt, diese bessere Version meiner selbst, die mir Apple mit seinem Gadget verkaufen will. Ja, das ist Marketing. Ja, ich bin drauf reingefallen. Und ja, es fühlte sich gut an. Es war um mich geschehen. Ich wollte. eine. Apple. Watch!

Keine Frage, nicht alles gefiel mir. Der Akku hält nicht den ganzen Tag? Nicht wasserdicht? Unglaublich teuer? Egal, ich wollte zu den ersten gehören, ein Early Adopter sein. Noch nie war eine Kaufentscheidung bei mir so emotional getroffen worden.

Aber es waren Hürden zu überwinden! Der Preis vorne weg. Den muss man einfach ausblenden. Tatsächlich nicht wasserdicht. In Kombination mit dem fehlenden GPS-Sensor machte die Watch als echte Sportuhr eigentlich unbrauchbar. Egal, ich habe das Handy eh immer dabei. Und fürs Paddeln trage ich sie dann halt nicht, werde ich verschmerzen. Dann die Lieferzeit! Folter!

Ab dem 10.04.2015 zur Asiocht in den Läden, ab dem 24.04.2015 im Verkauf. Mein Plan: Am 24.04. morgens in aller Frühe vor dem Laden stehen. Als reinrassiger Fanboy. Daraus wurde nicht, wie sich später zeigen sollte. Aber zurück zum 10.04., da stand ich gleich im Laden und liess mir ein Exemplar anlegen. Wie herrlich, das Armband schmiegte sich an mein Handgelenk und sie sah einfach nur gut aus. Aber Hilfe, welche Fabe sollte ich nehmen, welches Armband? Ich wählte rational. Schwarze Uhr, schwarzes Sportarmband. Passt zu allem. Dachte ich. Jetzt schauts ein bisschen langweilig aus, dass neue Armband wird bald geordert.

Nun begann die Wartezeit, nachdem ich mich endlich zur Onlinebestellung durchgerungen hatte. Ich hatte keine Wahl. Apple hatte entschieden, auf unbestimmte Zeit keine Watches in den eigenen Stores anzubieten. Nur online. Als ich dann bestellte, war die Warteliste lang.

Fast Forward, sie ist da! Und enttäuschte zunächst. Alle hatten gesagt, sie sei nicht intuitiv zu bedienen. Also freite ich mich, stand mir doch ein ganzer Abend des Ausprobierens bevor! Aber weit gefehlt. Innerhalb weniger Minuten war die Uhr gekoppelt und eingerichtet. Wenige Minuten mehr und ich war mit der Bedienung vertraut. Noch ein Wimpernschlag und es fühlte sich so an, als hätte ich nie etwas anderes getragen.

Nun ist sie mein treuer Begleiter. Eine Nachricht im Meeting? Kein Problem, ein Blick aufs Handgelenk und ich bin informiert. Und sogar antworten kann ich über die Uhr. Das Handy bleibt in der Tasche. Herrlich, dieser Minimalismus, wo doch alle im Meeting ihre Hardware auf den Tisch werfen. Ein Anruf beim Fahrradfahren? Kein Anhalten, kein Frimmeln am Rucksack. Ein Druck auf die Uhr genügt. Den iPod steuern, den Kalender checken, die Wettervorhersage einholen, Orientierung in der Stadt? Alles ist nur das Anheben meines linken Armes entfernt, das Telefon bleibt sicher verstaut.

Und sie kann noch mehr: die Fitnessfunktionen, Passbook, Mails, Fotos, und und und. Der Akku hält bei mir übrigens >20 Stunden. Wenn ich schlafe, lädt sie auf und ist dann wieder den ganzen Tag einsatzbereit.

Erst war es Begierde, dann Liebe auf den zweiten Blick. Ich will meine Apple Watch nicht mehr missen. Brauche ich sie wirklich? In erster Linie will ich sie. Aber auf der anderen Seite, mein iPhone brauchte ich auch nicht…bis ich eins hatte!