Wie sage ich es meinem Kinde?

Im Radio haben Sohnemann (7) und ich eben von der Trauerfeier im Kölner Dom für die Opfer des Germanwings-Absturz gehört.  Mein Sohn hörte sich das alles sehr interessiert an. Dann drehte er sich zu mir um und fragte: Papa, warum hat der Co-Pilot die Tür nicht wieder aufgemacht? Und warum wollte er, dass alle tot sind?

Da musste ich erst einmal schlucken. Und gleichzeitig ratterte mein Hirn, was es nun an kindgerechter Antwort ausspuckt? Ich „weiß“ auch nur das, was den Medien zu entnehmen war. Und wie erkläre ich die Katastrophe, ohne zu urteilen?

Nun gut, ich begann damit, meinem Sohn zu erläutern, warum manche Menschen das Bedürfnis haben, diese Welt vorzeitig zu verlassen. Mit political correctness kam ich dabei nicht weit. Ich musste Dinge beim Namen nennen und durfte nichts angedeutet lassen. 

Sohnemann weiß nun also, was Depressionen sind (oder zumindest, wie ich Depressionen verstehe/erlebe) und warum manch einer keinen Sinn in seinem Leben sieht. Verstehen tut er es eher nicht. Und ich ehrlich gesagt auch nicht. Aber ich finde in diesem Unverständnis auch ein kleines Glück. Mein Sohn und ich können uns also heute kein Unglück vorstellen, dass uns nicht mehr weiter leben lassen will. 

Aber dann: aber Papa, warum hat er auch die anderen getötet? 

Keine Ahnung! Ich weiß es nicht! Ich habe keine Erklärung!

Papa, wenn der Co-Pilot nicht mehr leben wollte, warum ist er nicht nur alleine geflogen?

Keine Ahnung! Ich weiß es nicht! Ich habe keine Erklärung!

Ich habe nicht den Schimmer einer Ahnung, warum der Co-Pilot 149 Menschen töten musste, nur weil er nicht mehr leben wollte. Mir fällt dafür keine sinnvolle Begründung ein. 

Aber Sohn, Du musst verstehen, dass es NICHT normal ist, Menschen umzubringen, nur weil man Depressionen hat! Und Sohn, es ist wichtig, dass wir heute auch um den Co-Piloten trauen. Denn auch er hat sein Leben verloren. Und jedes Leben ist wichtig!

Ich hoffe, dass das die Botschaft ist, die meinem Sohn im Gedächtnis bleibt. Und nicht die Hilflosigkeit seines Vaters, das Unerklärliche erklären zu wollen.