Wenn einer eine Reise tut: Warschau. Again. 

Zum zweiten Mal durfte ich unser Callcenter in Warschau besuchen. Es war erneut eine spannende Erfahrung.

Die Reise begann stilvoll. Da der Flieger nahezu ausgebucht war, „mussten“ wir auf die Buisnessclass ausweichen. Also, nach dem Einchecken erst einmal in die Lounge und frühstücken. Dabei habe ich zwei Dinge gelernt: eine Lounge ist überschätzt (wenn man nicht gerade die Senator-Card hat) und in einer Lounge ist die Arschlochdichte erstaunlich hoch. Die Auswahl des Buffets war doch sehr begrenzt. Und offenbar gehört es zum guten Ton, Servicepersonal unfreundlich anzuschnauzen, wenn sie hinter einem herräumen.

Im Flieger dagegen wieder viele Annehmlichkeiten. Ein ganze Reihe für mich allein und ein Begrüßungsdrink mit free refill. Der Pöbel hinter mir dagegen musste schon für ein Glas Wasser außerweltliche Preise per Kreditkarte berappen. Man möchte meinen, dass bei einem Flugticket zumindest eine Erfrischung inkl. sein sollte. Offenbar ist dem bei LOT nicht so.

Aber dann wurde auch schon der Vorhang geschlossen und ich musste die Economies nicht mehr leiden sehen. Stattdessen klappt eine fürsorgliche Flugbegleiterin mein Tischchen herunter, und breitete ein Stofftischtuch aus! Als dann reichte sie mir mein Menü an. Geräucherte Entenbrust, Shrimpsalat mit Granatapfelkernen, Frischkäse mit Ananas und ein frisches Croissant. Unverschämte Preise für einen kurzen Flug zu zahlen hat definitiv Vorteile.

So verging die Zeit wie im Flug. Wie im Flug. Haha. Verstehste? Flug!… ja schon gut, Comedy ist nicht meine Stärke. Also, wir waren flott da und wurden in Warschau mit Regen begrüßt. Und dabei ist Warschau schon bei Sonne keine Perle… Egal. Schnell unser Prioritygepäck geholt und ab ins Taxi.

Taxi fahren ist hier ein Abenteuer für sich. Zum einen weiß man nie, ob das wackelige Gefährt die nächste Kreuzung heil erreicht. Zum anderen fahren die Chauffeure hier ein wenig skrupellos. Ampel, Geschwindigkeitsbegrenzung, Verkehrsschilder? Werden nur vereinzelt berücksichtig. Außerdem kann man mal davon ausgehen, dass die Wegstrecke kürzer wäre, wenn man sich nicht der Sprache unkundig erwiesen hätte. Aber da Taxis gleichzeitig unverschämt billig sind, sieht man über die Stadtrundfahrt wohlwollend hinweg.

Kurz darauf erreichten wir unser Callcenter. Freudiges Hallo und dann gings an die Arbeit, die hier niemanden interessiert. Also fast forward in den Feierabend.

Eine Übelkeit erregende Taxifahrt später standen wir vor unserer Herberge, dem Novotel mitten im Zentrum, vis a vis dem beeindruckenden Kulturpalast.

Rasch eingecheckt, schnell der Familie die Ankunft vermeldet. Und dann ab in die Altstadt für ein Dinner und das ein oder andere hopfenhaltige Getränk. Wir fanden einen netten Italiener beim Präsidentenpalast.

Den Laden hatten wir nahezu für uns allein. Die Pizza war ok, wenn auch furztrocken und die Cocktails zum Dessert brauchten eine halbe Stunde. Aber das Ambiente war der Hammer und die Preise gemessen an deutschem Niveau kaum der Rede wert.

  

 

Gesättigt und gewärmt schlichen wir zurück ins Hotel. Der Abend war noch jung, was also tun? Na klar, ab ins Gym. Was man halt so macht, wenn man nach einem langen Tag noch nicht schlafen will. Und der Ausblick bestätigte die Entscheidung. Das war schon ein einmaliges Trainingserlebnis. Gym für mich allein, nur ich und der Ausblick.

  

Tag 2 startete mit einer Runde auf dem Ergometer, gefolgt von einem unverschämt teuren und unglaublich belanglosem Frühstück. Luxushotel heißt leider nicht Luxus Essen. Egal, es machte satt. Ab zur Arbeit.

Hier wieder schneller Vorlauf in den Abend. Leider konnte/wollte uns keiner der Geschäftspartner ins Nachtleben begleiten. Das stoppte uns nicht. Diesmal fanden wir in einer Seitengasse einen kleinen Franzosen. Dort wurde uns für unglaubliche niedrige Preise eine formidable Hühnerbrust kredenzt, gefüllt mit getrockneten Tomaten und Mozzarella, angerichtet als haute cuisine. Ein Gedicht! Für 10€. Aber die harte Arbeit forderte ihren Tribut und um 9 war ich froh, auf der Couch zu liegen. Füße hoch, Kaltgetränkt auf, Championsleague an (mit polnischem Kommentar), das Leben könnte schlechter sein.

Ein neuer Morgen, wieder begonnen im Gym, noch ein schlechtes Frühstück, ein paar Stunden Arbeit, dann Pizza für alle (und sich als Held des Lunch feiern lassen), großer Bahnhof zur Verabschiedung, und schon saßen wir wieder an einem Gate und warteten aufs Boarding. Dafür ist der Chopin Flughafen auch ganz nett, man sitzt da recht gemütlich.

Während ich diese Zeilen schreibe, überfliegen wir gerade die Grenze zur Heimat. Ich freue mich auf meine Familie und mein eigenes Bett.

Ein wenige melancholisch denke ich an unsere Businesspartner zurück, die ein Stück weit zu Freunden geworden sind. Wird man sich wieder sehen? Und Warschau hat auch nette Ecken aber in meiner Freizeit wird es mich wohl nicht hierher ziehen. Die Taxifahrer werde ich nicht vermissen, die sind eine einzige Zumutung! So, jetzt habe ich es ausgesprochen.