Die Arroganz der Surfbranche

In der aktuellen Kite Life habe ich ein Interview mit Susi Mai gelesen. Susi Mai ist eine deutsche Kitesurferin, die in ihrem Sport äusserst erfolgreich ist. Sie hat sich nun von ihrem Sponsor getrennt und ist bei einer anderen Marke untergekommen. So weit, so egal. Als Grund gab sie an, dass die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Sponsor keine Perspektive hatte, man ihre Visionen nicht geteilt habe, bla bla bla. Ganz schlechter Stil, Nachtreten nennt man so etwas. Man sieht sich immer zweimal.

Frau Mai fühlte sich schlecht behandelt, weil sie regelmäßig Berichte abliefern musste, was sie so auf Social Media gemacht hat, welche Events sie besucht hat, kurz: Was hat Susi Mai für Ihren Sponsor getan. Und diese Berichte seien ja sooo zeitraubend gewesen. Sie sei Social Media Profi, so etwas habe sie nicht mehr nötig, sie wisse, was sie tue…

Nun, Susi Mai hat nicht gerade wenig Follower. Aber wenn ich mir Ihre Posts so anschaue, ist das weit weg von Professionalität. Der Twitter-Kanal wird eigentlich nur mit Facebooklinks befeuert. Der Facebook-Kanal bestet wiederum größtenteils aus Instagram-Posts.

Unabhängig davon ist es wohl kaum zuviel verlangt, dem Geldgeber monatlich darzulegen, warum sie weiter in Susi Mai investieren sollten.

Frau Mai ist ferner nicht mehr gewillt, für Ihren Sponsor Promotion an der Basis zu machen. Beispielsweise habe sie es nicht mehr nötig, in St. Peter Ording 10 Tage im Sponsoren-Zelt abzuhängen. Zur Info: Diese 10 Tage sind der Kitesurf Worldcup, die größte Kiteveranstaltung der Welt. Bei solchen Events kommt das Geld rein, das wiederum die Sponsoren an die Teamrider ausgeben. Sich dafür zu schade zu sein, weil man das nach 10 Jahren im Biz nicht mehr nötig hat, finde ich sehr arrogant. An ihrer Stelle hätte ich dem alten Sponsor einfach für die vergangenen Jahre gedankt und meiner Freude Ausdruck verliehen, mit dem neuen Sponsor andere spannende Projekte zu verfolgen. Wenn sie so ein toller PR-Profi wäre, hätte sie das auch selber gemerkt.

Aber so ist die Branche, das sehe ich immer wieder, wenn ich solche Events besuche. Arroganz allenthalben. Offen auf den Kunden zugehen, das gibt es so gut wie nie. Ich habe immer das Gefühl, dass die Aussteller/Hersteller mich als Fremdkörper wahrnehmen, der nur das Gesamtbild stört.

Ganz schlimm auch bei den SUP-Herstellern.

SUP ist noch immer neu. Ich kann es auf jeder Art von Wasser machen. Ich brauche keinen Wind. Es ist kinderleicht. Eigentlich eine Goldgrube. ABER…

Aber die Boards sind viel zu teuer, viele werden allein schon durch die astronomischen Preise für Board und Paddel abgeschreckt. Und wenn ich bei einem Hersteller mir die Boards ansehe, mal ein Paddel in die Hand nehme, kommt in den wenigsten Fällen einer auf mich zu und fragt mich einfach, ob ich nicht mal eine Runde drehen will. Ach übrigens, hier hast Du noch unseren Katalog und n Sticker.

Nein, nein, in der Regel wird man von den coolen Surferdudes mit Beanie und XL-Shades komplett ignoriert, weil sie lieber mit ihren Bros abchillen, anstatt sich ums Geschäft zu kümmern. Wenn man nicht ausdrücklich sagt, dass man mal testen wolle,  wird man auch keinesfalls aktiv angesprochen.

M.E. wird in der SUP-Branche so unglaublich viel Geld einfach liegengelassen, weil sich keiner um den Kunden kümmert.

Tja, Freunde, nur bin ich der mit dem Geld. Und das gebe ich dem, der mir neben dem Material auch ein gutes Gefühl verkauft.