Vom Miteinander beim simsen

War das eigentlich schon immer so, dass wir miteinander so sorglos und unverbindlich umgehen? Oder kommt das erst, seit wir durch diverse Messenger oft nur noch schriftlich miteinander reden? Und wann haben wir eigentlich angefangen, nicht mehr auf einander acht zu geben? Oder war das schon immer so?

Ich sehe das ja an mir. Ich telefoniere nicht so gerne mit anderen Menschen. Mit aber genau den Menschen, mit denen ich nicht telefoniere, könnte ich aber auch endlos chatten, etc. Dient die schriftliche Kommunikation als Schutzpanzer? Mir kommt es so vor. Am Telefon muss ich sofort Stellung beziehen, Entscheidungen treffen. Per SMS kann ich aber noch mal darüber nachdenken, kann‘s noch mal lesen, bevor ich auf Senden drücke. Ich kann mir alle Optionen offenhalten. Freund A will mit mir ins Kino? Schnell mal B fragen, ob der nicht n besseren Vorschlag hat.

Aber gerade das Nachdenken können müsste doch zu einer besseren Kommunikation führen, oder? Tja, nur weil wir etwas können, tun wir es ja noch längst nicht! Wir setzen uns doch zumeist nicht so sehr mit unserem entfernten Gegenüber auseinander, dass wir vor dem Senden noch mal innehalten und uns fragen, was unsere Nachricht in der anderen Person auslösen könnte.

Beispiel: Jemand lädt mehrere Freunde zu einem Event ein. Das diese Menschen kommen oder zumindest ein wohlmeinendes Interesse zeigen (heucheln?), ist dieser Person wichtig. Keiner kommt, ein paar sagen wenigstens ab. Einer schreibt: „Kein Bock!“ Später stellt sich raus, dass dieser Spruch nur witzig sein sollte.

Aber versetzen wir uns in den Einladenden. Er gibt etwas Emotionales allein durch die Einladung und das betonen der ihm wichtigen Themen preis und bekommt ein „Kein Bock!“ zurück. Nun kann es natürlich sein, dass der Einladende dies wie ein Schlag ins Gesicht empfindet. Das wollte der Absagende bestimmt nicht. Aber hat er darüber nachgedacht, welche Konsequenz seine Reaktion hat? Eher nicht.

Und genau das meine ich, wir kümmern uns nicht mehr wirklich darum, was unsere unpersönliche schriftliche Kommunikation auslöst. Ein Lächeln, ein Augenzwinkern, die ganze non-verbale Kommunikation kann einfach nicht durch Emoticons ersetzt werden. Wenn wir uns schon auf die reine Aussagekraft des geschriebenen Wortes verlassen, sollten wir besser auch damit umgehen können.

Nun muss man sich natürlich nicht erst mal beim Gegenüber erkundigen, ob er vielleicht latent depressiv oder ähnliches ist. Und ironiefrei schreiben ist auch langweilig. Aber auf eine Einladung eines Freundes mit „kein Bock“ zu antworten, ist immer schlechter Stil.

Also, bevor wir etwas senden, sollten wir immer darauf achten, dass unsere Botschaft unmissverständlich ist.

Aber wie und wann reagiert man eigentlich richtig?

Darf man eine SMS stundenlang unbeantwortet lassen oder bei einer Antwort nur auf ausgewählte Punkte eingehen? Was darf der Fragende erwarten? Sicher, eine sofortige Reaktion ist immer wünschenswert. Aber haben wir nicht gerade deshalb die SMS geschrieben, um eben nicht in den unmittelbaren Kontakt zu treten? Wenn es uns eine sofortige Antwort wichtig ist, dann hätten wir halt anrufen müssen. Aber wann antworten wir nun?

Es gibt immer Situationen, in denen das Zücken des Handys nicht angezeigt ist. Aber für die meisten sollte es doch einzurichten sein, innerhalb von 60 Minuten zumindest den Empfang zu quittieren und einen Antworthorizont zu avisieren. Und natürlich sollte eine Antwort immer vollständig sein. Das zeigt einfach von Wertschätzung, so wie das ignorieren eben vom Gegenteil kündet.

Eine ankommende Nachricht kann aber auch unabhängig vom Inhalt Stress auslösen. Ich muss doch arbeiten, jetzt habe ich keinen Kopf für so etwas, lasst mich in Ruhe! Nachvollziehbar. Aber dann sollte man auch die Spielregeln miteinander abklären, damit beide wissen woran sie sind. Antwort gibt’s es erst nach Feierabend, beispielsweise. Aber dann bin ich völlig bei Dir und Deiner Nachricht.

Vielleicht sollten wir einfach wieder mehr miteinander reden, uns auch ohne konkreten Anlass treffen, den anderen besser kennenlernen. Ihn und seine ganze Person annehmen. Das gilt aber auch in beide Richtungen. Was ich für mich einfordere, muss ich auch anderen zugestehen.

Einfach mal ein bisschen Achtsam sein.

Ein Gedanke zu “Vom Miteinander beim simsen

  1. Ich für meinen Teil versuche momentan die schriftliche Kommunikation einzudämmen. Witzigerweise hat ja fest jeder ne Flatrate und Telefonieren kostet ja auch nichts mehr. Whatsapp und die Sachen führen oft zu Missverständnissen. Technische Fehlbarkeiten kommen hinzu.
    Danke für Deine Gedanken!
    Oliver 2.0

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