Musste das jetzt wirklich ins Internet?

Wir alle kennen das. Facebook-Freund XY schreibt: „Bin in der Bahn“. Toll. das freut uns. Aber wo ist die Relevanz oder zumindest die eigentliche Aussage? Gelinde gesagt, interessiert es mich einen feuchten Kehrricht. „Ich bin in der Bahn, ab in den Urlaub!“ wäre ne ganz andere Nummer. Aha, da freut sich jemand über seinen Urlaub. Da kann ich mich mitfreuen. Diese Botschaft hat in irgendeiner Form einen informatorischen Wert.

Nun kann nicht jeder Post wertvollen Content enthalten. Jeder von postet manchmal Datenmüll. Und das ist auch OK. So habe ich mich heute Morgen darüber ausgelassen, dass Zahnpasta und Orangensaft einfach keine schöne Geschmackskombi sind. Da wird so mancher Leser mit den Augen gerollt haben und sich gefragt haben, was das jetzt wieder sollte. Nehme ich in Kauf. Gleichzeitig wird vielleicht der ein oder andere geschmunzelt haben.

Eine Belanglosigkeit ins Internet gestellt, tut in der Regel niemandem weh und im besten Fall gibt es den ein oder anderen, der dafür doch noch einen Like vergibt. Haken dran.

Was aber weh tut, wenn ich andere nicht nur nerve, sondern sie gleich involviere. Schnappschuss von einer tollen Party? Gleich mal die Bilder von besoffenen Freunden markieren. Ich bin in diesem tollen Szenelokal? Müssen alle wissen. Und natürlich auch, mit wem ich da bin!

Toll, was sind wir nicht für eine großartige Clique!

Hab ich alles schon gemacht. Und mein Umfeld damit tierisch genervt. Ich hab mich nie gefragt, ob meine Freunde das eigentlich wollen. Wollen die auf diesem Bild verlinkt sein, oder an diesem Ort? Wir erinnern uns, das Internet vergisst nie. Also, sei vorsichtig, was Du da rein stellst. Und wen. Denn ein Bild, verknüpft mit einem Namen, einem Ort, etc. ergibt einen super Metadatensatz. Und das am nächsten Morgen Werbung für Aspirin aufpoppt, ist noch die harmloseste Konsequenz.

„Ach Herr Müller, Sie waren also gestern saufen? Ich dachte, Sie liegen krank im Bett. Dann gehen Sie doch gleich mal hoch in die Perso und holen Ihre Papiere…“ Will keiner, oder? Also, hören wir bitte auf, ungefragt unsere Freunde mit Bildern und Orten und Kommentaren zu verknüpfen.

Unsere Freunde können sich zumindest in irgendeiner Form wehren. Aber da gibt es auch noch eine Gruppe von Menschen, die kann das nicht. Unsere Kinder!

Auch diese Social Media Sünde habe ich begangen. Guck mal wie süss, gleich mal hochladen, was für einen süssen Fratz ich habe. Und ui, jetzt hat er sich bekleckert, gleich mal in die Welt posaunen.

Ja, und was ist nun daran schlimm? Sieht doch schön aus.

Klar sieht das schön aus. Und ich bin ja auch so glücklich mit meiner Brut, dass sollen alle sehen. Aber auch hier muss man sich die Frage stellen: Ist das wirklich relevant? In der Regel nicht. Viele von uns haben x Hundert „Freunde“. Wollen wir die wirklich ALLE an unserem Familienleben teilhaben lassen? Hm, eher nicht. Würden wir den amerikanischen Ersatzbankspieler, den wir vor 5 Jahren mal kurz kennenlernten und seitdem nicht mehr gesprochen haben, anrufen und ihm erzählen, dass wir Kinder haben? Wohl kaum. Also, warum tun wir es dann im Internet?

Bislang sind wir hier in der Kategorie „belanglos und ungefährlich“. Im schlimmsten Fall ist jemand von der Zurschaustellung unseres Glücks genervt und entfolgt uns.

Haben wir uns aber jemals gefragt, ob unser Kind eigentlich ins Internet will? Unsere Freund fragen wir mittlerweile doch auch, ob wir sie markieren dürfen. Warum sind unsere Kinder schutzlos unser Posting-Wut ausgeliefert? Zwei Dinge sollten wir dabei nicht vergessen: Das Internet vergisst nie und Kinder sind grausam.

So wie sich die Welt entwickelt, müssen wir davon ausgehen, dass unsere Kinder eher Zugriff aufs Internet haben, als dass sie darüber reflektieren, wie man eigentlich miteinander umgeht.

Vom Klasseneinzelgänger gibt es ein Foto, wie er nackt im elterlichen Pool planscht? Wunderbar, lasst das Mobbing beginnen… Das wird das Eltern-Kind-Verhältnis nicht unbedingt zum Guten stärken… Danke Mama und Papa.

Vieles, was wir heute als süsse Kinderbilder bewerten werden unsere Kinder später als unsägliche Peinlichkeiten ansehen. Das kennen wir doch alle, wenn bei rührseligen Familienfeiern das alte Fotoalbum rausgekramt wird. Und wir wollten doch eigentlich alles anders machen, als unsere Eltern.

Nicht zu vergessen, es gibt da draussen Menschen, die Kinder ein wenig zu doll „lieb“ haben. Würden wir denen Bilder unserer leichtbekleideten Kinder in die Hand drücken wollen? Nein? Aber wir haben es doch gerade getan, mit den Schnappschüssen vom Badeurlaub!

Wir müssen unsere Kinder in jeder erdenklichen Art schützen. Gerade auch im Internet! Daher keine Fotos von unseren Kindern bei Facebook, Twitter, Instagram, etc. Auch Kinder haben ein Recht darauf, selbst zu bestimmen, wo man sie überall findet. Und nur, weil wir uns heute nicht vorstellen können, dass ein harmloses Bild irgendwann einmal Schaden anrichten könnte, bedeutet das nicht, dass der Bumerang nicht kommen kann.

Aber mein Kind ist doch so toll, das sollen alle sehen! Ja, auch das ist gar kein Problem. Schick es den Leuten, den Du es zeigen möchtest, einfach direkt zu. Wirkt auch viel persönlicher. Und wird dadurch für den Empfänger relevant.

Ich bin dann mal in der Bahn.

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