Familienfreundlichkeit – Ja, schön wärs

Aus der Groko kommt aktuell der Vorschlag, eine 32 Stunden Woche für Eltern einzuführen, die wie Vollzeit bezahlt wird. Ja, eigentlich super. Nur leider allein nicht wirkungsvoll. Und dann gibt’s da die kinderlosen Hater, die der Meinung sind, uns Familien wird alles in den Allerwertesten geblasen.

Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass die Arbeitgeber davon überzeugt werden müssen, hilft eine Verkürzung der Arbeitszeit nur bedingt. Damit wir unsere Kinder betreuen können, arbeite ich Vollzeit und meine Frau Teilzeit auf 30 Stunden. Nach dem neuen Modell hätte ich zwar mehr Zeit, meine Frau dagegen weniger. UND: bei 32 Stunden/Woche sind die Öffnungszeiten unserer KITA gar nicht ausreichend. Die öffnet um 7:30 Uhr und schließt um 15:00 Uhr.

Nun, dass sind 37,5 Stunden die Woche, das passt doch super mit den 32! Nein, tut es nicht. Zu den 32 Stunden kämen ja noch Minimum 3 Stunden Zwangspausen hinzu (Arbeitsschutz) und 10 für pendeln. Sind also 45 Stunden. Die Öffnungszeiten der KITA reichen also nicht aus. 

Zwar bringe ich die Kids morgens hin, wir können also vom Modell meiner Frau noch mal 5 Stunden abziehen. Dennoch ist da ein Gap.

Nur hat die KITA gar nicht genug Personal, um länger zu öffnen. Denn Deutschland bezahlt Erzieherinnen (und Erzieher) nicht wesentlich besser als Leiharbeiter für die Spargelernte. Und Vollzeitstellen sind in dem Bereich rar.

Für den Fall, das Personal würde besser bezahlt würden aber bestimmt die Gebühren steigen. Das wiederum kann ich mir nicht leisten. Aktuell kostet uns die Betreuung von zwei Kinder 500 EUR im Monat. Und das auch nur, weil’s Mengenrabatt gibt. Der Listenpreis wäre 750 EUR.

Und somit wären wir beim Geld und den o.g. Hatern.

Wie oft habe ich es schon gehört, da beschweren sich kinderlose Singles, dass sie ja soooo belastet werden mit Steuern. Und die Steuern müssten sie für uns zahlen, weil ja Familien alles vom Staat bekommen. Ja genau…NEIN!

Steuerklasse 4 sorgt nicht gerade dafür, dass ich brutto für netto nach Hause gehe. Und mein Gehalt muss ja nicht nur für mich reichen. Davon muss ja auch mindestens ein weiteres Wesen ernährt, gekleidet, transportiert, etc. werden. Ferner habe ich Kosten für Kinderbetreuung, die der kinderlose Single nicht hat. Ich benötige mehr Wohnraum, größere Versicherungen, die Liste lässt sich beliebig verlängern.

Man kann also getrost davon ausgehen, dass ein kinderloser Single bei vergleichbarem Bruttolohn, deutlich mehr unterm Strich zur freien Verfügung hat, als ich.

Versteht mich nicht falsch, ich hab’s mir ausgesucht, Kinder zu haben, ich will mich nicht beschweren. Das heisst aber nicht, dass ich mir Blödsinn gefallen lassen muss.

Und mal darüber hinaus: Ich habe meinen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Generationenvertrages geleistet. Der kinderlose Single eher nicht so. 🙂 Also, dafür darf ich dann ja wohl die eine oder andere Extrawurst vom Staat erwarten, oder?

Wo ich aber zustimme ist, dass Leistungen für Familien ungerecht aufgestellt sind. Kindergeld ist immer gleich hoch, es sollte sich aber am Einkommen der Eltern bemessen. Ein Millionär benötigt wohl kaum Zuwendungen in selber Höhe wie ich mit meinem Allerweltsgehalt. Die Herdprämie ist auch so ein Beispiel für steuerlichen Schwachsinn. Weg damit. Ich weine Frau Schröder keine Träne nach. Die hatte es mal so überhaupt nicht drauf.

So, aber wie machen wir das ganze hier nun familienfreundlich? Kürzer Arbeitszeiten, ja, unbedingt. Aber auch die Möglichkeit, ohne großes Gebettel zu Hause zu arbeiten, wenn’s der Job hergibt. Für meinen Job muss ich nicht zwingend 5 Tage / Woche in meinem Büro sitzen. Internet und Laptop reichen nahezu völlig. Flexiblere Arbeitszeiten, erst im Büro und dann vielleicht Abends, nachdem ich die Kinder von der Kita geholt habe, mit ihnen beim Fussballtraining war, sie gebadet habe, etc., noch n Stündchen Mails bearbeiten. Wo ist das Problem?

Ich will keine Geschenke. Aber ich will ein wenig Anerkennung. Ich arbeite genauso hart, wie der kinderlose Single. Aber gleichzeitig ziehe ich auch die nächste Generation heran. Dass mir unsere Gesellschaft dabei ein wenig unter die Arme greift, ist wohl nicht zu viel verlangt!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s