Auf der Suche nach einem neuen Revier

Nur ich, mein Board und der See. Der Abend hätte so friedlich werden können. Es kam anders…

Drei Schläge links, drei Schläge rechts, Wechsel…ich habe einen super Rhythmus gefunden und gleite dahin. Nur das Gurgeln das Wasser, dass durch den Rumpf meines F.one verdrängt wird, ist zu hören. Ich habe den See für mich allein. Der Herbst hat die Badegäste vertrieben und der leichte Regen auch die Spaziergänger.

Das Wasser ist spiegelglatt, nicht die kleinste Welle, ich mach gute Fahrt. Mitten auf dem See mache ich Pause und sehe mich um. Näher an Frieden und Entspannung kann man eigentlich nicht kommen. Der Regen lässt nach, ein paar Sonnenstrahlen kommen hervor. Der Wald um den See liegt ebenso ruhig wie der See selbst.

Den Rückweg lasse ich gemächlich angehen. Ich gleite nahe am Schilf, halte aber ausreichend Abstand. Ich weiß, wie ich mich hier zu benehmen habe. Am Ufer angekommen, finde ich dann doch noch ein paar Menschen. Wir unterhalten uns nett über SUP, man wünscht sich einen schönen Abend. Ich klemme mein Board unter den Arm und mache mich auf den Weg zum Auto.

Eigentlich sollte die Geschichte hier zu Ende sein. Ein weiterer herrlicher Turn auf „meinem“ See. Aber dann, Auftritt der Behörden…

Ein älterer Herr in Försterklamotten radelt auf mich zu und fordert mich auf, stehen zu bleiben. Er hält mir einen sehr deutschen Dienstausweis unter die Nase und fordert mich, meine Genehmigung für das Befahren des Sees vorzuzeigen. Eine solche habe ich natürlich nicht…

Exkurs: Das das Befahren meines Sees nicht erlaubt sein soll, ist für mich jetzt nichts vollkommen neues. Jedoch bin ich davon ausgegangen, dass entsprechende Schilder darauf hinweisen würden (Fehlanzeige) und es nicht um das Befahren mit einem SUP-Board geht. Bei einem solchen Verbot würde ich eher an motorisierte Angler denken.

Nun, ich sage also, dass ich eine solche Genehmigung nicht habe und mir nicht bewusst war, dass eine solche benötige. Ich gebe zu bedenken, dass hier keine Verbotsschilder zu sehen seien.

Der Herr von der Obrigkeit sagt, solche Schilder würden nur geklaut, ich hätte mich gefälligst vorab zu informieren.

Ich entschuldige mich für mein Versäumnis, und gelobe,mich künftig an dieses (in meinen Augen unsinnige) Verbot zu halten. Jedoch will ich natürlich wissen, warum das verboten ist.

Da geht die Tirade los.

Einschub: Da ich regelmäßig hier paddle, weiß ich, was hier los ist. Die Badestelle wird regelmäßig vermüllt, Hunde, Menschen und Pferde verrichten im und am Wasser Ihre Notdurft, es wird wild gegrillt und die Asche einfach liegen gelassen. 

Das höre ich nun  also auch alles vom Aufseher. Ich frage ihn, warum man dann hier kein Klo baut und die Leute für die Nutzung des Abschnitts moderat zur Kasse bittet. Der Einwand findet kein Gehör, dafür gebe es die Badestelle am Südstrand.

Ich gebe dem Mann recht, dass die meisten hier sich aufführen, wie Vollidioten. Ich kann das normale Klientel an diesem Einstieg auch nicht leiden. Die meisten machen den Eindruck, als wenn sie Berlin Tag und Nacht für den Grimme-Preis nominieren würden…wenn sie wüssten, was der Grimme-Preis ist… Aber was hat das mit mir zu tun?

Ich nutze den Strand nur als Einstieg, ich lasse keinen Müll hier und keine Asche.

Nun, früher hätte es wohl auch Windsurfer hierher verschlagen. Und die würden das Schilf kaputte machen. Im gleichen Atemzug erzählt mir der Waldarbeiter aber auch, dass das Schilf hauptsächlich unter den Graugänsen leiden würde.

Nach dem der Typ also über uns böse Naturzerstörer rumbitcht, zündet er sich eine Zigarette an. Da frage ich ihn, wo er denn jetzt vorhabe, hinzuaschen?

Was antworte der Doppelmoralist mir? Auf den Boden, dass sei Dünger! Geistig habe ich in dem Moment abgeschaltet, was soll ich mit solchen Ignoranten diskutieren. Ach ja, die Kippe hat er dann übrigens auf den Boden geschnippt. Mitten im Wald. Wo die Kippe von Kinder oder Tieren gegessen werden könnte. Aber ich bin der Bad Guy der friedlich über den See gleitet… Ja nee, is klar.

Nun, der Mann macht nur seinen Job. Die Regeln hat er nicht gemacht, er muss sie durchsetzen. Aber die Regeln sind Scheiße! Wer sich hier in der Natur nicht benehmen kann, darf hier nicht sein, Haken dran. Aber ich, der nur Ruhe, Frieden und ein Workout sucht, wird bestraft von der Legion der Dummen.

Meiner Meinung nach, wäre es Aufgabe der Behörden, uns Guten vor den Bösen und ihrem Bullshit zu schützen. Aber nein, hier waltet pauschal die Axt im Walde und die Leidtragenden sind mal wieder die, die sich nicht benehmen können…und denen ein solches Verbot am Arsch vorbei geht…

Danke, für nichts.

Ich fragte den Typen, ob er einen Vorschlag hätte, wo ich sonst fahren könnte…er verwies mich ans Oortkatenufer… Super. Oortkaten ist wohl kaum eine Alternative, wenn man hier die Ruhe eines Waldsees in abendlicher Einsamkeit suchte…ganz abgesehen vom Fahrtweg…

Auch wenn mir gesagt wurde, dass es wohl keine Genehmigung für das Befahren gäbe, werde ich Montag mal die Verwaltung des Ortes anrufen. Fragen kostet ja nichts.

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