Papa, warum rauchst Du?

…fragte mich erst kürzlich mein Sohn (5 Jahre). Ich hatte keine gute Antwort.

Wie auch? Es gibt einfach keine!

Ich glaube kaum dass mein Sohn Antworten wie:

  • Hilft das Eis in neuen Gruppen zu brechen
  • Wirkt gegen Langeweile
  • Verschafft einem bezahlte Kurzpausen
  • Dient als Ventil bei Stresssituationen

oder ähnlich lahme Ausreden hätte gelten lassen. Und jetzt mal ehrlich, wenn man mal kurz eine Auswahl der Gegenargumente anschaut:

  • Es stinkt
  • Man selbst stinkt
  • Es verkürzt das Leben
  • Es sieht scheiße aus
  • Es kostet Unsummen an schwer verdientem Geld

sollte Nichtrauchen eigentlich ein No Brainer sein, oder? Und nein, egal was im Tabak steckt, Rauchen schmeckt nicht! Jeder, der etwas anderes behauptet hat entweder nicht nur Tabak geraucht oder sich schlicht den Geschmacksnerv weggequalmt.

Noch nie hat mir jemand gesagt, dass ich mit Fluppe cool aussehe. Rauchen hat mir keinen Schlag bei den Damen verschafft. Ich habe durch Rauchen nicht mehr Freunde bekommen. ABER mir ging es schon mehrfach körperlich schlecht nach dem Rauchen. Wie oft stand ich schon bei furchtbarsten Wetter alleine in der Kälte, um meine Dosis zu bekommen? Wie oft bin ich nachts los zur Tanke, weil der Jieper auf ein paar Züge Rausch zu groß waren?

Muss ich hier wirklich rational begründen, warum Rauchen schlecht ist? Gut, dann noch ein paar mehr Fakten:

  • Nikotin hat ein größeres Suchtpotential als die meisten „harten“ Drogen
  • Rauchen verfärbt die Zähne, egal wie oft man schrubbt
  • Der Schaden, den Kippenstummel – abseits von Waldbränden – in der Natur anrichten, ist immens.
  • So wird beispielsweise das Grundwasser kontaminiert

Also, es gibt wirklich überhaupt keinen Grund, zu rauchen, sofern man seine Sinne zusammenhat und nicht lebensmüde ist. Sicher, meistens habe ich gerne geraucht. Es ist schon gemütlich, nach einem üppigen Mahl im Foodcoma zu liegen und an der Fluppe zu ziehen. Und wenn man am Feuerkorb sitzt und ganz männlich in die Glut starrt, da passt die Kippe bestens. Und Bier auf Party ohne Glimmstängel? Come on.

Aber Freunde, what if I told you, das sind alles nur Verhaltensmuster, die wir uns mit Unterstützung der Werbung mühsam angeeignet haben? Hat auch nur irgendjemand nach seiner ersten Kippe gesagt: Wow, ist das geil? Nein! Die meisten von uns hatten einen Hustenanfall und nicht wenige haben gekotzt. Dennoch haben wir weitergemacht. Wir haben uns mühsam an den „Geschmack“ gewöhnt, so lange, bis unser Hirn der Meinung ist, nicht mehr ohne zu können.

Die Zigarettenindustrie macht uns mit Absicht abhängig und jetzt kommen sie auch noch daher und sagen, wir armen Raucher werden diskriminiert. Oh bitte. Wir Raucher verpesten die Luft und wenn die Nichtraucher zu Recht vor uns geschützt werden sollen, dann werden WIR diskriminiert? Ich als Raucher habe das Rauchverbot in Gaststätten begrüßt! Wer kann sich denn heute noch vorstellen, ein teures Steak neben einem vollen Aschenbecher zu verspeisen? Und jetzt mal ehrlich, welcher Raucher kann ernsthaft behaupten, Rauchen sei supertoll und am Besten sollten alle Kinder sofort damit anfangen?

Aber zurück zu der Frage meines Sohnes.

Ich hatte also keine Antwort. Stattdessen habe ich beredt geschwiegen. Und mir kurz vorgestellt, wie es so wäre, wenn ich meinen Sohn nicht aufwachsen sehen könnte, weil Papa leider an Lungenkrebs verreckt ist. Wenn ich nicht dabei wäre, wenn er heirate, weil mein Kehlkopf leider nur noch Matsch war?

Sicher, es gibt keine Garantie, dass mich das Rauchen gekillt hätte. Mein Großvater hat jahrelang 3 Pack am Tag geracuht und Krebs gehörte am Ende nicht zu seinen Problemen. Aber warum soll ich da mit meinem Leben spielen? Das wäre doch total dumm, oder? Und ich bilde mir doch soviel darauf ein, dass ich kein dummer Mensch bin. Bin ich es wirklich nicht?

Ich bin mittlerweile recht stark vom Rauchen abhängig. Nicht so sehr körperlich, ich habe keine Entzugserscheinungen, wenn ich mal länger nicht rauchen konnte. Aber geistig. Ständig denke ich „jetzt ne Kippe wäre ganz cool“.

  • Pause im Meeting
  • Nach dem Essen
  • Zum Feierabend im Garten
  • Beim Grillen
  • Beim Sport (ja, jetzt guckt nicht so)
  • Beim Autofahren
  • Am Lagerfeuer
  • und so weiter und so fort

Ich rauche jetzt seit fast 20 Jahren und so gut wie jede Lebenssituation könnte ich mit Rauchen verbinden. Und das muss aufhören.

Ich will meine Kinder aufwachsen sehen, ich will ihnen ein gutes Vorbild, ich will nicht zu diesen Asis gehören, die mit Kind an der Hand rauchen. Ich will nicht fremdbestimmt sein. Ich will nicht stinken. Ich will keine gelben Stummel im Mund. Ich will leben!

Seit einer Woche habe ich nun keine Kippe mehr angerührt. Ich schlafe besser, ich bin nicht so schnell aus der Puste, ich kann in den Spiegel sehen und sagen „Ja, ich werde ein guter Vater sein!“ Ich vermisse es nicht mal wirklich. Diesmal will ich es schaffen!

Ein Gedanke zu “Papa, warum rauchst Du?

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