ECHO – Ein kleine Nachlese

Beliebig, belanglos, irrelevant…. So lässt sich meiner Meinung nach der Musikgeschmack der breiten Masse zusammenfassen. Und diese Beliebigkeit wurde gestern beim ECHO in Berlin zelebriert.

Moderiert wurde das ganze von Helene Fischer. Wer? Helene Fischer ist ein Schlagerstar und liiert mit Florian Silbereisen. Ja genau, der aus Switch Reloaded. *Ironieaus* Und sie hat ihre Sache recht ordentlich gemacht. Warum jetzt alle auf sie einbashen, sie habe Robbie Williams‘ Let me entertain you hingerichtet, keine Ahnung. A) Ist Let me entertain you jetzt nicht unbedingt musikalische Hochkultur, sondern POP und B) klang das recht vernünftig. Plus, dass Helene definitiv besser aussieht als Robbie. Und was man auch nicht vergessen darf: Das vielseits belächelte Schlagergenre is vielfältiger, als man denkt und erfolgreicher, als wir alle wahr haben wollen. Interpreten wie Andrea Berg und eben auch Helene Fischer verkaufen mehr Platten, als so manche gehypte Hipsterband. Und ja, sie verkaufen tatsächlich CDs, nicht bloß illegale Downloads. Deshalb schauen Schlagerstars auch kalt lächelnd auf ihre Kontoauszüge, wenn mal wieder auf den Schlager eingedroschen wird.

Last but not least, Helene Fischer singt nicht bloß Schlager, sie interpretiert auch sehr erfolgreich genreübergreifend. Und füllt Stadien. Haters gonna hate, haben hier aber keinen Punkt. Ach ja, zwei Echos hat sie auch noch mitgenommen.

Aber weiter im Programm. Wer durfte sich über einen Echo freuen? Die Toten Hosen, Lana del Rey, Cro, Unheilig, Linking Park, Ivy Quainoo…

Unheilig! Belanglose Texte, die mich an diese ganzen Sinnsprüche auf Facebook erinnern. Kombiniert mit Schwachsinn. Bei Unheilig muss ich immer an Dokus auf RTLII denken, die mit der Stimme des Grafen unterlegt sind…

Ivy Quainoo. Who? Beste deutsche Künstlerin Rock/Pop national. Und das mit nur einer einzigen Single (die zugegeben, gar nicht schlecht ist). Aber kennt irgendwer noch was anderes von ihr?

Lana del Rey, gehts es noch belangloser? Nuff said.

Cro. Wieso wird eigentlich immer behauptet, der Typ sei Rapper? Der Vogel macht seichten Pop. Ohne seine dämliche Pandamaske wäre er längst wieder aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt. Und das zu Recht!

Die Toten Hosen. Sehe ich differenziert. An Tagen wie diesen ist Hammer, hands down. Aber auch hier sehe ich wieder zu viele Hipster am Werk, die da ironisch mal reinhören… Dennoch, Musik mit Ecken und Kanten, die mal nicht im seichten Radiogedudel untergeht…

Linkin Park. Fand ich früher den absoluten Kracher! Aber spätestens seit dem seichten Transformers-Soundtrack frage ich mich, was im Privatleben der Jungs passiert ist, dass sie nun auch nur noch harmlose Popmusik absondern…

Wer durfte auftreten? David Garret vorne weg. Sein Gefidel zu loopen war ja ganz cool. Aber leider fällt dem Kollegen ausser speckigen Stiefeln, kaputten Jeans und Sakko imagetechnisch in den letzten Jahres nichts Neues ein. Schade eigentlich, aber die gleiche Masche zu reiten, bis der Gaul tot ist, hat noch niemandem lange geholfen. Ach ja, einen ECHO hat er auch noch abgestaubt

Hurts. Warum?

Seeed. Können mitreissende Kracher, die die Massen zum Kochen bringen. Können aber auch uninspirierten Rotz, so wie gestern Abend. Schade eigentlich.

Depeche Mode. Markierten für mich den Schlusspunkt des Abends. Soviel Blablabla konnte ich dann einfach nicht mehr ertragen. Der Aufritt war mit viel Spannung erwartet worden. Aber es fühlte sich dann doch nur … belanglos an. Das Lied ging links rein, rechts raus. Den Rest dieses ach so glamorösen Abends habe ich dann leider verpasst.

Nach ein paar Stunden Echo fühlte ich mich, als wenn ich den Abend vor dem Radio mit einer beliebigen Morning Show verbracht hätte.

Vielleicht gehöre ich ja auch zu den Hatern, aber nach gestern Abend weiß ich einmal mehr, warum ich mich lieber an die Klassiker halte.

Und offenbar bin ich Helene Fischer-Apologet. WTF? Das ist ja wie Psychoanalyse hier…

P.S.: Das schönste Zitat zum ECHO hat definitv SPIEGEL Online gebracht. Wie ja mehrheitlich bekannt, wurde die südtiroler Patriotenkombo Frei.Wild von der Veranstaltung ausgeschlossen, da sie doch ziemlich nach rechtem Rand klingen sollen. Zitat: „Frei.Wild hatten sich anschließend dagegen verwahrt, von ihren Kritikern in die Nähe von rechtem Gedankengut gerückt zu werden. Unterstützung bekamen sie von der NPD, die eine Mahnwache für Frei.Wild ankündigte.“ Die Ironie dieses Satzes liess mich Tränen lachen…

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