Eigentum verpflichtet

Grundgesetz, Artikel 14 (2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Tut es das?

Haben sich die Eigentümer eigentlich jemals daran gehalten? Und warum zwingen wir sie nicht dazu?

(Für zweifellos auftretende Schwächen in der Struktur im weiteren Verlauf bitte ich um Entschuldigung.)

Ich spreche ich jetzt hier nicht vom kleinen Hausbesitzer, der einfach keinen kostenlosen anbietet. Auch nicht vom Porschebesitzer, der selbigen nicht kostenlos verleiht. Ich rede vom Kapital, von der Wirtschaft.

Ich gehe mal davon aus, dass wir uns alle darauf einigen können, dass ein Wirtschaftsunternehmen möglichst rentabel arbeiten sollte. Und das es seine eigene Zukunft sichern sollte. Und ich spreche auch keinem Stakeholder ab, dass er mit seinem Investment Geld verdienen möchte. Aber dann? Wo fängt das Unternehmen nun an, der Allgemeinheit zu nutzen?

Nehmen wir als kleinen Teil der Allgemeinheit das Personal. Leider allzu oft wird das Personal nur als Mittel zum Zweck gesehen, als Teil der Maschinerie, als Kostenfaktor. Und wenn der Gewinn nicht dem Wunsch des Eigentümers entspricht, wo wird zuerst eingespart? Richtig, beim Personal. Nur sind das eben nicht leblose Teile des Systems, die Menschen, die in einem Betrieb arbeiten sind dessen Seele und sollten auch Teil dessen Zweck sein. Denn schließlich hat das Kapital auch eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern. Und das kann eben nicht nur bedeuten, dafür zu sorgen, dass bei der Arbeit keiner umkommt und der Lohn pünktlich gezahlt wird (und selbst das wird zu häufig nicht beachtet); nein, die Fürsorgepflicht bedeutet auch, dass die allermeisten Angestellten wirtschaftlich abhängig sind von Ihrer Firma.

Und das macht sie eben nicht nur zu einem Kostenfaktor, dass sollte Sie auch zum Zweck der Arbeit machen.

Ganz klar, es kann nicht alleiniges Ziel eines Betriebes sein, seine Mitarbeiter in Lohn und Brot zu halten. Siehe oben, wir brauchen Gewinn und Zukunftssicherung. Und manchmal muss man tatsächlich Menschen kündigen, um das Überleben der restlichen Firma zu sichern. Aber ich wage zu behaupten, das kommt in Wahrheit weit weniger oft vor, als uns die Wirtschaft glauben machen will und spüren lässt.

Denn solange ein Unternehmen nach Steuern, Kosten und Investitionen Gewinn macht, gibt es schlicht keinen Grund, die Leben der (Ex-)Angestellten zu zerstören. Denn wenn es einfach keine reale wirtschaftliche Notwendigkeit gibt, jemanden zu feuern, dann sollte man es auch nicht tun (dürfen), nur um die Investoren zu beruhigen.

Der Aktienkurs hat sich schon lange von realer Wirtschaftsleistung entkoppelt und als die Dotcom-Blase vor gefühlten Ewigkeiten platzte, war das für jedermann zu sehen. Kleiner Ausflug in die Vergangenheit gefällig? EM.TV war zeitweise mehr wert, als so mancher große DAX-Konzern. Wir erinnern und, EM:TV handelte unter anderem mit den Senderechten für (teilweise Uralte) Film und Serien. Sie haben nichts hergestellt und keinen wirklichen Wert geschöpft. Und dennoch waren die Anteilscheine mehr Wert, als von großen Unternehmen, die tatsächlich etwas Greifbares herstellten, die echte Werte schöpften, etc. Tja, und dann waren sie pleite. Denn dem fiktiven Börsenwert standen leider überhaupt keine echten Werte gegenüber. Überhaupt keine!

Also, eigentlich sollte der Aktienkurs total schnuppe sein. Er drückt nur aus, was einige wenige GLAUBEN, was dieses Unternehmen wert sei, nicht den realen Wert.

Also, wie ich schon sagte, entscheiden sollte das sein, was real erwirtschaftet wird. Und wenn das OK ist, dann muss man seine Leute unbedingt beschützen.

Und das bringt mich zurück zum Titel, Eigentum verpflichtet. Wenn mir ein großes Stück Kapital gehört, wie eine Firma, dann habe ich eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber, der ich mich nicht entziehen darf. Ich muss meine Leute in Lohn und Brot halten, solange es vertretbar ist (und über dieses vertretbar kann man leider vortrefflich streiten). Damit erfülle ich meine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft dadurch, dass diese Leute keine Transferleistung benötigen und ein positives Signal für den gesamten Arbeitsmarkt gesendet wird.

Aber ich will mich hier nicht zu eng fassen. Denn wir erfüllt das Kapital auch anderweitig seine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft? Viele Unternehmen verstecken sich hinter irgendwelchen nebulösen Nachhaltigkeitsberichten. Sie spenden für irgendwelche sinnlosen Natur“schutz“projekte, sie loben einen Preis für die beste Jugendarbeit in Sportvereinen aus, die Liste an Scheinengagement lässt sich endlos fortsetzen. Aber was davon ist wahrhaftig Nachhaltig? Richtig, gar nichts. Denn die wirklichen dringenden Projekte geht irgendwie keiner an. Klimaerwärmung, Unkontrollierte Ausbeutung von Rohstoffen und Arbeitskräften, Profitgier, Wohlstandskrankheiten (Fettleibigkeit wird uns irgendwann noch einmal richtig um die Ohren fliegen)… Auch diese Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Nur leider lässt sich nichts damit verdienen, die echten Probleme anzugehen. Aber wenn das Kapital das endlich mal tun würde, DANN würden sie endlich genügend Ihrer Verpflichtung nachkommen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s