Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not

Ich habe eigentlich schon immer Sport getrieben. Mit einigem Erfolg. Aber ich habe nie wirklich hart trainiert. Und das rächt sich jetzt.

So mit 15,16, 17, habe ich alles gleichzeitig gemacht. Leichtathletik, Tennis, Baseball… Aber ich bin da nie so mit nem richtigen Plan rangegangen. Weder habe ich besonders auf die Technik, noch auf eine saubere Ausführung geachtet. Aber ich war schnell, ziemlich schnell. Meine Lieblingsdisziplin bei der Leichtathletik war der Sprint, beim Tennis habe ich Bälle bekommen, die sonst keiner bekam und bei Baseball habe ich ziemlich schnell den Bunt for Basehit für mich entdeckt.

Meine sonstigen Erfolge bei Leichtathletik und Tennis waren eher bescheiden. Für alles andere als Sprint fehlte mir der Biss, und beim Tennis einfach die Technik, um einen ehrlichen Service oder ein sauberes Grundlinienspiel zu entwickeln. Also habe ich mich irgendwann auf Baseball konzentriert.

Hier war leider das Problem, dass es in meinem Juniorteam wenige gab, die wirklich besser waren, als ich. Also habe ich mich darauf ausgeruht, dass ich ein geiler Macker war – und schnell. Weder konnte ich besonders hart oder weit werfen oder mit regelmäßiger Autorität den Ball treffen.

Da ich so viel toller war und alles besser wusste, habe ich mit dem Catchen angefangen. Da konnte ich wunderbar allen erzählen, was sie zu tun und zu lassen hatten. Nur leider konzentrierte ich mich auch hier nicht so auf die Technik. Blocken konnte ich nicht  besonders toll. Mein Wurf an die Zwei war auch eher unter ferner liefen. Aber, ich konnte immer noch schnell laufen. Noch.

Irgendwann wurde einer aus meinem Team „gedraftet“. Elmshorn, zweite Bundesliga. Und da er zu jung war, brauchte er einen Fahrer. So fand ich meinen Weg in die Bundesliga. Traurig aber wahr.

Ich glaub, der Coach dort wusste gar nicht so wirklich, was er mit mir anfangen sollte. Aber da ich immer noch schnell war, stellte er mich mal ins Outfield. Right Field, die Verliererseite. War das Beste, was mir passieren konnte!

Das Right Field in Elmshorn ist ziemlich kurz. Das mein Wurf eher mau war, fiel nicht so ins Gewicht. Und durch meine Schnelligkeit konnte ich viel wegfangen. Irgendwie habe ich es dann geschafft, mich zu etablieren. Und da fing dann das Problem an.

Dadurch, dass ich nur noch eine Sportart machte, mein Talent des Sprintens aber nicht wirklich trainierte und das Gewichte stemmen für mich entdeckte (das macht Hunger), fing ich an zu wachsen. In die Breite.

War bis so 2005-2006 nicht so das Problem. Zwar hatte ich da schon eine kleine Reserve auf den Hüften gebunkert und eine Ex-Freundin hatte mich schon 2003 angefangen, damit aufzuziehen, aber noch war ich schnell. Auch hatte ich so langsam angefangen, Bälle mit gewisser Regelmäßigkeit zu treffen und ich hatte angefangen zu pitchen. Dadurch, dass der Kader nicht tief war und ich dann und wann was Tolles im Feld machte und zu dem für .400 schlug, gab es keinen Leidensdruck, den Status Quo zu ändern. Ich hatte Spaß, aß gut und trainierte nur das notwendigste. Das Drama nahm seinen Lauf.

2006 sind wir mit Elmshorn abgestiegen. Ich wechselte zu den HSV Stealers in die erste Bundesliga. Der Coach dort dachte, er hätte einen guten Fang gemacht. .400-Average, ein paar Homeruns, sehr gutes Fielding im Outfield und n bisschen Pitchen kann er auch. Es kam anders.

Denn mittlerweile trug ich Größe XL. Ich war vom Centerfield ins Leftfield degradiert worden. Ich war nicht mehr wirklich schnell. Eigentlich war im Outfield der Stealers kein Platz für mich. Und als ich dann anfing, einen Season-long Slump zu entwickeln gab es keine Schnelligkeit mehr, die mich retten konnte. Mittlerweile war mir auch Sprinttraining zu wider. Ich hatte kein Talent mehr, auf dem ich mich ausruhen konnte.

Zwischenzeitlich hatte ich mir den Körper eines Linebackers im Taschenformat angeeignet. Ich musste mich neu erfinden. Und keine Angst, das habe ich getan. Ich kann zwar immer noch nicht wirklich feste schmeißen und am Anfang keine Technik verinnerlicht zu haben macht sich auch sonst beim Wurf bemerkbar. Aber da war immer noch der geile Macker in mir, darauf konnte ich aufbauen. Und dieser geile Macker hat ein gewisses Talent dafür, Strikes zu schmeißen. Ich habe also wieder eine Nische für mich gefunden.

Aber wenn ich ehrlich bin, wäre ich doch lieber ein Faktor in der Offensive, laufstark und fit. Aber meine Schnelligkeit ist so gut wie weg, mein Knie und meine Fußknöchel sind im Arsch. Und daran werden die Ernährungsgewohnheiten eines Gewichthebers nicht ganz unschuldig sein. Wenn ich denn mal an den Schlag gehe, habe ich spätestens an 3rd das Bedürfnis, reinen Sauerstoff zu inhalieren und meine Gelenke mit Eis zu behandeln.

Hätte ich regelmäßig mein Talent, das Laufen, gepflegt, wäre ich heute wohl fit und gesund. Und damit kommen wir zur Moral von der Geschichte. Lernt und trainiert die Basics! Und kümmert euch immer, darum, dass ihr das Drumherum trainiert! Nicht bloß Schlagen und werfen. Nein, trainiert den ganzen Körper hart. Lernt Disziplin gegen euch selbst. Geht im Gym auch mal an die Cardios und die Bauchbank, nicht bloß Eisen.

Die Baseballkarriere ist irgendwann vorbei. Und außer Schmerzen und Erinnerungen werde ich wohl nicht viel mitnehmen. Dann und wann mal eine Laufeinheit mehr, und ich würde wohl ganz anders aussehen…

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