Fleischliche Gelüste

Ich liebe Fleisch. Saftige Steaks, köstlichen Kasslerbraten, krosser Bacon, Hackfleisch in Tacos, Lasagne, Bolognese, Burger, Filets von Huhn und Pute… Fleisch ist mein Gemüse.

Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, dass ein anderes Lebewesen sein Leben dafür aushaucht, dass ich was zu essen habe. Oder Schuhe…oder einen Baseballhandschuh…oder, oder, oder. Sicherlich würde ich darüber anders denken, wenn ich mein Essen selbst erlegen müsste. Aber glücklicherweise bezahle ich dafür ja eine ganze Industrie. Und mit ein wenig Konditionierung könnte ich bestimmt…

Momentan kann ich mir nicht vorstellen, Fleisch von meiner Speisekarte zu streichen. Und das wäre ja auch gar kein Problem, wenn ich der RTL II-Zielgruppe angehören würde. ABER: Da ich mich in meiner Arroganz eher zu den Menschen zähle, die ihre Schuhe selbst zubinden können, kommt damit auch eine gewisse Reflektion einher.

Und somit kann ich die Augen nicht davor verschließen, wie meine Gaumenfreuden hergestellt werden. Was eigentlich dazu führen müsste, dass ich ab sofort kein Fleisch mehr esse.

Allein für ein Steak werden 3000-4000 Liter Wasser verbraucht! Das Federvieh für meinen Verzehr hat wahlweise Platz in der Größe eines DIN A 4 Blattes (für nahezu sein gesamtes Leben) oder wird so gezüchtet, dass die Brust über die Füße wächst und es regungslos in seinem eigenen Dreck hockt. Übrigens auch für einen Großteil seines Lebens.

Bei der Schlachtung sollen Tiere vor der eigentlichen Tötung betäubt werden. Das passiert mittels Strom. Nur manchmal sind die Viecher danach noch wach, so dass unser Futter dann bei vollem Bewusstsein ausgeblutet wird. Gleichzeitig haben wir übrigens Gesetze gegen das Schächten…

Da ich ja nun wie oben beschrieben, nicht grundsätzlich gegen den Verzehr von Tieren bin, wie könnte man nun dieses Problem lösen? Nun, wir suchen uns alle einen Biohof unseres Vertrauen wo „artgerecht“ gehalten und „human“ geschlachtet wird. Würde ganz gut für uns LOHAS klappen. „Wir“ hätten dafür das Geld und das Bewusstsein. Nur machen wir uns da doch etwas vor. Alle Biohöfe zusammen wären nicht in der Lage, den landesweiten Bedarf zu decken. Geschweige denn, weltweit!

Natürlich könnten wir in weißer, protestantischer Tradition allen anderen den Fleischkonsum verbieten. Ja, genau, das klappt bestimmt! Stand jetzt, werden wir kaum verhindern können, dass die Nachfrage nach Fleisch weltweit ansteigt. Jetzt mal abgesehen davon, dass die Produktion nicht besonders „human“ ist, wir schaufeln uns damit unser eigenes Grab. Wie beschrieben, 3000-4000 Liter pro Steak. Dazu kommt der Bedarf an Futtermittel, die Entsorgungen, etc. Da bei so vielen Tieren auf einem Haufen ein unüberschaubares Krankheitsrisiko besteht, wird unser Sonntagsbraten mit Medikamenten vollgepumt. Aber Überraschung, die Medikamente verschwinden nicht einfach bei der Schlachtung. Die essen wir mit. Schon jetzt bilden sich resistente Erreger aufgrund der Verwendung von Antibiotika bei Schlachttieren.

Hinzukommend, dass das Fleisch an sich nicht immer wirklich gesund ist, essen wir viel zu viel davon. Besonders in der westlichen Küche ist das Fleisch der Star auf dem Teller. Der Rest ist nur Beilage. Stärkehaltige Nahrungsmittel wir Kartoffeln nennen wir Sättigungsbeilage. Allein dadurch sollten wir darauf kommen, dass eigentlich das Fleisch nur die Beilage ist, das Gemüse sollte der Star sein. Zuviel Fleisch schädigt Herz, Leber und Nieren, egal ob rot oder weiss. Es macht auch nicht langfristig satt.

Die Vegetarier, die ich so gerne belächele, haben also eigentlich alle Argumente auf Ihrer Seite. Dennoch sage ich nicht, dass wir alle auf Fleisch verzichten sollten. Jedoch sollten wir es für den Anfang viel bewusster konsumieren. Uns sollte bewusst sein, dass ein anderes Lebewesen für unseren Genuss gestorben ist. Fleisch müsste teurer werden, die Portionen müssten kleiner werden und die Verfügbarkeit müsste eingeschränkt werden. Es kann nicht angehen, dass wir samstags Abend um 21:00 Uhr in den Supermarkt gehen und eine prallgefüllte Frischfleischtheke vorfinden. Was passiert wohl mit den meisten Sachen nach Feierabend?

Und auf Fisch umsteigen? Keine Alternative, an der Fischfront siehts sogar noch düsterer aus. Viele Fischgründe sind leergefischt, die Lebensgrundlage vieler kleiner Fischer von großen Fangflotten zerstört. Dadurch, dass wir unseren gesamten Dreck ins Meer kippen, ist das Fleisch der Fische mit Giftstoffen angereichert. Viele Speisefische sind von Aussterben bedroht, beispielsweise der Thunfisch. Durch die Fangmethoden (Schleppnetze) wird der Meeresboden zerstört und ein unglaublicher Beifang generiert. Schildkröten, Delfine, Haie, usw.  (Nachtrag: Was vergessene Netze im Meer anrichten, seht ihr HIER)

Fisch essen ist eigentlich noch unverantwortlicher, als Fleisch zu essen.

Wir Menschen zerstören uns allein mit der Produktion unseres Nahrung konsequent selbst. Und die Flächen, die wir eigentlich für die Nahrungsmittel bräuchten, missbrauchen wir für den „Anbau“ von Biodiesel.

Wozu mich das alles führt? Wenn wir wirklich noch lange in einer „schönen“ Welt leben wollen, dann müssen wir endlich dem Überfluss abschwören. Weniger und bewusster essen führt dazu, dass wir gesünder sind und die Welt gesünder bleibt.

Klingt komisch, ist aber so!

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