Music was my first love

Gestern gab es wieder diesen The Voice-Schrott. Das Thema Castingshows allein wäre schon einen Artikel wert (obwohl dazu alles gesagt ist) aber die Frage, die sich mir stellte: Warum gibt es heute nur noch Beliebigkeit in der Musik?

Unbekannte singen halbwegs bekannte Melodien und sind bald darauf wieder unbekannt. Der Interpret ebenso wie der Interpret. Oder ist davon auszugehen, dass die Massen in 20 Jahren noch immer zu I follow Rivers abgehen werden? Eher nicht.

Aber auch die vermeintlich großen Stars sind für mich austauschbar. Beyoncé? Interessant, kann ich aber auch nur ein einziges Ihrer Lieder mitsingen? Nein. Lady Gaga? Man ziehe die Outfits und die inszenierte Skandalträchtigkeit ab und was bleibt? Nichts! Rihanna? Überschätzt. J.Lo? Super heiß aber große Musikerin? Taio Cruz. Wer? Justin Timberlake? Talentierter Künstler. Aber auch ein großes Werk?

Versteht mich nicht falsch, zu den Machwerken dieser Damen und Herren kann man bestimmt super abgehen oder Staubsaugen. Aber ist das wirklich große Musik? Oder auch nur nachhaltig bei uns hängengeblieben. Ich habe das Gefühl, dass viele nur dafür berühmt sind, berühmt zu sein. Oder für ihren Arsch. Oder von einem Arsch verprügelt zu sein. Aber ich fürchte, schon in der nächsten Generation sind die vergessen.

Woran liegt das, dass heutzutage offenbar nur noch wenig bis keine Musik gemacht wird, die eine echte Chance hat auch noch in 100 Jahren gehört zu werden? Vergleichen wir dazu Musik vergangener Tage, sagen wir Bach, Beethoven, Mozart. Über Mozarts Arsch kann ich wenig sagen. Aber seine Musik ist noch heute relevant.

Nun, so weit brauchen wir eigentlich nicht zurück gehen. Näher dran, Abteilung Pop/Rock. We are the Champions, Bohemian Rapsody, I want it all, We will rock you! Richtig. Queen! Lang ist‘s her. Dennoch zeitlos, neue heute relevant, noch heute ergreifend. Ich bin mir jetzt nicht so sicher, ob ich Adele’s Rolling in the Deep (heisst das so?) in 20 Jahren noch erkennen würd. Aber seid euch mal sicher, das Intro von Thunderstruck oder Hell’s Bells wird mir noch immer Gänsehaut verursachen, der Highway to Hell wird hemmungslos mitgegrölt und zu nichts kann man die Sonnenbrille cooler sporten, als back in Black (ACDC, für die Ahnungslosen).

Aber wir müssen ja nicht nur auf die Gitarren schauen, obwohl es dort endlos zeitlose Klassiker gibt (Dire Straits – Money for nothing), Rolling Stones (obwohl, wenn ich‘s mir recht überlegt, kenn ich außer Satisfaction gar nichts von denen…).

Michael Jackson! Vor dem Earth Song hat der Mann großartige Musik gemacht, die ihn überdauert. Billie Jean, Beat, das Album Thriller ist eines, wenn nicht das prägendste R’n’B Album EVER! Hier ist das Werk größer, als der Künstler. Und das soll in meinen Augen das Ziel eines ernsthaften Künstlers sein. Sicherlich, seine Lebensgeschichte war bei der Legendbildung nicht hinderlich. Womit wir in der Kategorie Elvis sind. Das ein oder andere Machwerk kann ich bestimmt mitsummen. Aber er dürfte wohl eher für die extravaganten Outfits der Spätphase bekannt sein, als für richtig gute Musik. Was sagt uns das? Nicht nur heutzutage sind die Stars teilweise größer als ihr Werk, so scheint zumindest deren Anspruch.

Musiker sollten ihr Genre, ihre Zeit, durch ihr Werk prägen. Nicht durch bloß durch Style und Habitus.

Man wird sich wohl kaum an My Love don’t cost a thing erinnern. (Woran?). Aber an diesen Arsch schon! Nur wie lange?

 

Nachtrag: Wie konnte ich bloß ABBA in diesem Artikel vergessen? Niemand, der sich auch nur halbwegs mit Musik beschäftigt, kommt an diesen Großmeistern der Populärmusik vorbei. Selbst vermeintlich naive Titel wie Chiquitita bieten ein komplexes Arrangement und filigrane Melodieläufe, die bis heute ihresgleichen suchen. Der heutige Standardbaukasten (Uh Ah, Baby yeah, kombiniert mit stampfendem Beat, Einheitssynthis) kommt da nicht ansatzweise mit. Und das die Mädels von ABBA stimmlich einiges draufhatten, merkt man heute auch daran, dass selbsternannte Popsternchen bei DSDS, X-Factor, Germanys next Vollarsch, kläglich daran scheitern, diese Harmonien zu kopieren.

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