Felix Baumgartner

Wie viele Millionen andere habe ich mir den Rekordsprung von Felix Baumgartner angeschaut. Ich kann euch nicht sagen, warum ihr das gemacht habt. Aber ich kann euch sagen, warum ich das gemacht hab.

„Das hat doch einer schon vor 50 Jahren gemacht. Und mit der Weiterentwicklung der Technologie war das doch nichts tolles mehr.“ So oder so ähnlich kommentierte einer meiner Freunde das Ereignis. Darüber musste ich doch sehr schmunzeln. Ich bin da jetzt kein Profi. Aber ich stelle mir vor, dass Technologie mir zwischen dem Absprung und der Landung einen Scheiß weiter hilft.

„Die wollten doch alle nur sehen, ob er draufgeht. Pure Sensationsgeilheit.“ So oder so ähnlich ein anderer Freund. Dazu fiel mir erst einmal nichts Eloquentes ein.

Seit ich von diesem Sprung gehört hatte, war ich fasziniert. Man stelle sich das nur mal vor, da will jemand vom Rand des Weltraums zur Erde springen! Wie unglaublich ist das denn? Der Umstand, dass das jemand schon einmal in ähnlicher Form gemacht hatte, trübte meine Faszination nicht. Das war in den 1960ern, weit vor meiner Zeit. Und selbst wenn. Schmälert es diese Leistung wirklich? Ich glaube kaum.

Sensationsgeilheit? Wollte ich, dass etwas passiert? Um Gottes Willen, nein! Ich habe auch nicht ernsthaft damit gerechnet. Ich habe mir eingeredet, dass schon alles gutgehen wird.

Ich denke, man darf hier nicht mit vulkanischer Logik rangehen. Die Frage „Was soll das?“ darf man hier eigentlich nicht stellen. Denn wenn man die Frage „Was soll das?“ immer anwenden würde, nun, dann wäre die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass wir die Welt heute nicht da wäre, wo sie ist. In vielerlei Hinsicht wäre das gut. Aber in meinen Augen überwiegen die Vorteile. (Auto, Computer, iPhone, endlos fortzusetzen, was soll das)

Nein keine Logik, die Antwort lautet „Weil ich es kann!“

Und welcher „kleine“ Junge ist nicht von dem technischen Aspekt fasziniert? Ich habe den Aufstieg akribisch verfolgt, hatte mich informiert, auf welcher Höhe was passiert, etc. Als Felix Baumgartner dann die Checkliste durchging, saß ich mit klopfendem Herzen auf der Sofakante. Mein Sohn ist 4, machte sich über die Frage „Was soll das?“ herzlich wenig Gedanken. Er hatte so seine Schwierigkeiten, die Stratosphäre einzuordnen. Aber auch er saß vollkommen gespannt mit gebanntem Blick neben mir. Wie hab ich ihn darum beneidet, dieses Ereignis unbelastet von allen Kontroversen verfolgen zu können. Wann hat mich das letzte Mal ein Fernsehereignis so in den Bann gezogen. Ich würde sagen, zu letzt Obamas Vereidigung. Leider war das auch schon der Höhepunkt seiner Präsidentschaft. Aber das ist ein anderes Thema.

Als die Tür endlich aufging, raste mein Puls. Als er ausstieg stockte mir der Atem. Ich bekam Gänsehaut, als er salutierte „Jetzt komme ich heim.“ Wie kann man davon nicht ergriffen sein. Was muss das für ein Anblick sein, vor sich den Weltraum, unter sich ganz klein die Erde. Dann sprang er. Unglaublich. Als Felix ins Trudeln geriet, geriet ich fast in Panik. Als er sich stabilisierte, jubelte ich. Als er sprach, war ich glücklich. Er war nicht bewusstlos, hatte die Kontrolle. Oder eine Illusion davon. Als der Schirm aufging, rasten alle möglichen Emotionen durch mich. Als er landete, hätte ich beinahe geheult. Vor Glück, vor Erleichterung, vor Stolz auf diesen mir vollkommen unbekannten Menschen.

Nun muss ich mich wohl fragen lassen, warum? Was interessiert‘s mich, ich kenn den doch gar nicht, etc? Oh ihr Kleingeistigen. Hier hat sich jemand einen Traum erfüllt, gezeigt, wozu wir fähig sind. Das berührt mich. Sensationsgeil? Ja vielleicht, geil auf die Sensation, was das Team dort vollbracht hat.

Für mich ist Felix Baumgartner ein Held. Und die heutige Zeit braucht Helden. So dringend, wie nie zuvor. Felix Baumgartner kann auch meinem Sohn als Vorbild dienen. Für das, was man schaffen kann, wenn man hart dafür arbeitet. Mir tun alle die leid, die sich nicht dafür begeistern konnten, die das kleine Kind so tief in sich vergraben haben, dass sie zu cool sind.

War die Aktion leichtsinnig? Keine Frage! Würde ich wollen, dass mein Sohn aus der Stratosphäre hüpft? Himmel, nein! Aber genau deshalb ist Felix dieses Vorbild. Er hat sich nicht von der kleinen Welt der anderen einschränken lassen. Er hats einfach getan! Warum? Weil er es kann!

Nachtrag 27.01.2016: Nach seinen verbalen Entgleisungen zum Thema Flüchtlinge möchte ich mich vom Menschen Felix Baumgartner ausdrücklich distanzieren. Ein solcher Typ soll meinen Kinder nicht als Vorbild dienen. Seine sportliche Leistung bleibt unbestritten. Aber menschlich ist der Typ offenbar eine Vollsechs.

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